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Erhard > Literarisches > Persönliches > Ich



Berge und Frauen


Kaum hatte ich mich Schreibenderweise aus meiner Lebens – Bergsteiger - Höhle herausgewagt, da fragte mich doch eine junge hübsche Frau nach meinen ersten Artikeln im DAV – Mitteilungsblatt, ob ich was gegen Frauen hätte. Ich war nur wenig größer als sie und es war eine Situation, bei der ich nicht ausweichen konnte. Außerdem war ich auf eine solche Fangfrage nicht vorbereitet. Ich versuchte mich also gar nicht erst zu verteidigen: “Da hast du meinen liebevoll geschriebenen Text nicht richtig gelesen, zumindest nicht zwischen den Zeilen!“ Eigentlich hatte ich gar keine Lust, mich zu verteidigen, da ich mir keiner Schuld bewusst war. Aber es machte mich sehr nachdenklich.
Um es vorweg zu sagen (es ist aber schon darüber schon so viel geschrieben worden), Frauen müssen sein, Frauen sind oft gut, Frauen sind manchmal unersetzlich (hat auch schon irgendeiner gesagt, beinahe hätte ich das Wort „nützlich“ verwendet – aber das hätte vielleicht zu neuen Diskussionen geführt).
Aber im Ernst, ich habe viel bessere handfeste Gründe zu einer grundsätzlich (!) richtig guten Einstellung:
Zuerst stellte ich mir vor es gäbe gar keine Frauen! So einen abgrundtiefen abwegigen Gedanken auch nur zu denken, da könnte man sich ja gleich das Leben nehmen. Also: Frauen müssen sein!
Dann stellte ich mir die Frage, gibt es Außerirdische? Die  Antwort ist einfach: Ja oder nein. Egal wie die Antwort ist, da  die Hälfte der Menschheit anders ist, also Frauen, muss ich nicht erst nach Außerirdischen suchen und diese fragen, wie die Welt wirklich ist. Es genügt, das Rätsel Frau zu ergründen, zumindest versuchen sie zu verstehen, miteinander zuleben und nachzudenken oder umgekehrt.
Übrigens soll der Nobelpreis für alle Wissenschaften in diesem Jahr an den Menschen gehen (ein Mann?), der das Rätsel Frau gelöst hat. Ich gebe hier nur Denkanregungen.
Oder: Ohne Frauen wäre das Leben zu einfach, ohne Höhen und Tiefen. Aus dem Herzen gesprochen, es würde gar keinen Spaß machen. Besonders wer durch eine Frau die tiefsten Tiefen erlebt hat, durch manchmal kleine Differenzen sozusagen, und beschleunigt in den Lebensstrudel eines Malstroms in die Tiefe gezogen wurde, weiß hinterher, wenn er’s gesund überlebt hat, das Leben zu schätzen.
Beispiele gefällig?
Erwin: Erwin, mein Bergfreund und Bergführer aus der Schweiz, ist der „Hausmeister des Bergell“ und genau so ein wilder bunter Hund wie ich, nur dass er viel weniger Fehler gemacht hat und deshalb ein halbes Jahr jünger aussieht. Er hat oft die begehrtesten Frauen hinter sich am Seil und im leichten Gelände ihren Hintern vor sich. Da er aber seinen Ruf als gewissenhaftester pensionierter Zollgrenzbeamter und als „anständigster Schweizer Bergführer“ nicht verlieren will, liegen hier reihenweise gebrochene Herzen in den Bergen und Erwin ist immer noch zufrieden und solo. Übrigens haben diesen Titel erst seine „Freunde“, Alex und ich, ihm verliehen – er soll in Form einer riesigen Plakette (schwer und unlösbar!) an seinem Haus und in aller Welt bekannt gemacht werden!
Sepp: Sepp ist der Bruder von Erwin. Beide habe ich mal kennen gelernt beim Klettern in Spanien am Penon de Ifach,  dieser riesigen Felswarze, einem Penis nicht unähnlich, wie Erwin sagt. Sepp hat sich geändert, seine Frau Lilien ist jetzt immer mit dabei. Er hat vor einiger Zeit sich durch offensichtlich göttliche Fügung, durch Nachgeben des äußerlichen Druckes(wie habe ich das formuliert, lieber Sepp?) oder durch ein Wunder vom größten Himmelhund der Schweiz in den glücklichsten Sklaven der Welt verwandelt. Das wäre an und für sich nicht schlecht, wenn nicht die Frauen in fruchtbaren Gedankenaustausch treten würden. Zu meinem Leidwesen.
Erhard: Erhard kennt Anna, besser, kannte sie. Ich bin mal abgestürzt vor 30 Jahren. Also richtig. Im Winter in der Hohen Tatra, richtig bis runter, ein typischer Seilschaftssturz bei Schneetreiben und großer Kälte mit verheerenden Folgen, sprich mittleren körperlichen Schäden. Durch die Hilfe von Bergkameraden und einem Hubschrauber haben wir es bis zum Krankenhaus und zum Weiterleben geschafft. Als ich die Augen aufschlug sah ich in das Gesicht von Anna, die half mir beim Gesunden und polnisch lernen. Und da sie das hübscheste polnische Mädel war auf dieser Erde, beeilte ich mich mit dem Gesundwerden. Bis ich eines Tages in den Spiegel schauen konnte: Das war kein menschliches Antlitz mehr, grün und blau und verletzt. Das konnte sie nicht lieben! Der Schock saß tief. Wie können doch Frauen so leicht zu Himmelhochjauchzen und zu Todebetrübt führen!
Friedrich Schiller: „ Ehret die Frauen, sie weben und flechten himmlische Rosen...“



 
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