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Dago

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Mein Bergfreund Dago (Dankwart Medger)


Dago, 60 (2012), sieht von weitem ganz normal aus und ist doch ganz anders als alle anderen Menschen.
Beispiel 1:
Nehmen wir an, die Welt geht unter und einer überlebt. Richtig, Dago. Warum? Er kann (fast) alles. Und hat schon (ebenfalls fast) alle Höhen und Tiefen eines Menschenleben er- und überlebt.
Beispiel 2:
Für Beispiel 1 könnte es sogar mehrere Bewerber geben, aber Dago hat in jeder Situation sonniges Gemüt, hat ungeheure Freude am Leben, hat großes Selbstbewusstsein und landet auch nach jedem tiefen Fall wieder auf den Füßen. Meine tiefe Gratulation dafür, lieber Dago!
Er hatte bis jetzt ein bewegtes leben, das reicht eigentlich für drei. Aber nein, er musste auch noch Kletterer werden. Und da brachte er es sogar sehr weit. Denn erstaunlicherweise hat er einen ungünstigen Kletterstil, wie ich in aufregenden Situationen. Umso interessanter,
bemerkenswerter:
Es reichte bis zur Superlative am Großen Wehlturm (IXc), bis ihn das normale Schicksal eines Sandsteinkletterers ereilte, einmal an einer ungünstigen Stelle herunterzufallen. Er hat es mir erzählt: An der Feldwand in Rathen, nicht mal besonders schwer, am Ausstieg ist ihm die poröse Sandsteinrippe vor seinen Augen in den Händen zerbröselt. Und ab ging die Fuhre. Ergebnis: Ende der großen Kletterkarriere, Operationen, mehrere Eisen in den Gliedmaßen und ein moralischer Schock. Obwohl er weiterhin mit (angeblich) aufsehenerregenden Touren unterwegs ist. Meist Erstbegehungen, die ihm aber genau so regelmäßig wieder aberkannt werden. Sogar neue Gipfel sind dabei. Es sind anfangs euphorische Schilderungen von großen Kletter – Heldentaten, die dann eben im Nirwana versinken.
Manchmal denke ich da an meinen Bergfreund Peter Kohbach, der die schönsten und besten Touren Europas im böhmischen Sandstein gemacht hat und die ihm von den Tschechen aus fadenscheinigen Gründen nicht anerkannt wurden.
Ja, nun sitzt er da, der liebe Dago, Held der Arbeit, oder besser Antiheld der DDR, glücklich, zufrieden, aber erfolglos. D.h. wenn man das Potenzial eines klugen Menschen sieht. Und das ist er ja ohne Zweifel. Was ist nun leichter, aufzuzählen, was er nicht war oder in welchen Tätigkeiten und Berufen er sich versucht hat?
Hier das Letztere: Instandhaltungsmechaniker, Volksmarine, Autobauer (Melkus), Kraftfahrer,
Koch, Plastspritzer, Gerüstbauunternehmen, Sportgeschäft, Gaststätte in Österreich, Fuhrunternehmen, Gefängnis (ohne Schuld, einmal wegen Sozialismus, einmal wegen Kapitalismus), Versicherungs- agentur und Computerspezialist, letzteres bis heute. Erbauer einer Kletterwand in Kalkreuth. Nachmachen, nicht lästern!
Irgendwie hat er es auch noch geschaft, 2 Töchter, Katja und Katarina, zu wohlgeradenen Menschen zu erziehen.

Er kann einfach (fast) alles und man kann sich mit ihm über alles unterhalten. Und wenn Peter dabei ist, führt das zu endlosen Gesprächen über Kochen und vorher oder nachher gibt es die leckersten Speisen.
Auch in der Tat ist er äußerst kreativ.
Beispiel 1:
Auf irgendeiner Berghütte in der Sächsischen Schweiz, die in einem tiefen dunklen Grund liegt, kam die Idee auf, oben in den Felsen einen sonnigen Frühstücksplatz zu schaffen. Für Dago ganz einfach: Mit Wagenhebern den störenden Felsen ins Tal kippen. Musste auch der Schuppen unten neu gebaut werden, steht jetzt ein kleiner Dago – Gedenkstein neben der Hütte und oben ist nun ein herrlicher Platz mit liebevoll gezimmerter Holzsitzgruppe.
Beispiel 2:
Vor ein paar Jahren erreichte Dago der Notruf seines Freundes Holger. Ein Sturm hatte Sachsen überquert und die Bäume des Flugplatzes eingekürzt. Und da Dago auch Spezialist für Waldarbeiten ist (selbstverständlich, wie noch so vieles andere auch, allerdings ist auch ein Baum mal ganz anders gefallen, als gut war!), war das kein Problem, auch ganze Baumalleen fachgerecht einzukürzen. Und aus der kleinen Hilfsaktion ist dann so ganz nebenbei ein mehrjähriger Aufenthalt dort geworden mit zwischenzeitlicher Ehescheidung und mehreren Umzügen. Aber auch mit beinahe Beförderung zum Flughafenchef und Aussicht auf Festeinstellung, bis das Projekt wieder mal in der Versenkung verschwand. Noch Jahre danach zeugten Werbeaufkleber an seinem Auto vom damaligen Optimismus und Engagement für diese Lebensvision.
Aber irgendwann wäre er sicher reich und solide geworden. Aber die Frauen! Und gerade das macht ihn uns wieder menschlicher und noch sympathischer! Denn Frauen sind in der Mehrheit lieb, nett, fleißig und klug (beinahe hätte ich gesagt, nützlich), aber eben nur meist und nicht jede. Normalerweise hätte ich gesagt, Dago und Frau, das passt nicht. Aber siehe da, er war mehrmals verheiratet. Das Versprechen, sie zu heiraten, scheint viele blind gemacht zu haben. Ich kenne nur die Letzte. Marion, sehr nett. Trennung aus unübersichtlichen Gründen. Ich werde mich da raushalten, da nicht nachgrasen, habe in dieser Hinsicht mit mir selbst genug zu tun. Auch eine Adlige war mal dabei, der trauert er noch heute nach. Irgendwie muss diese ihn über Jahre hinweg mächtig beflügelt haben. Einige Erstbegehungen findet man noch unter diesen guten und außergewöhnlich klingenden Namen, "Dankwart Blodig von Sternfeld".

Manchmal war auch in dieser Hinsicht himmlische Ruhe in seinem Leben. Aber stets nicht lange. Zumindest nicht mehr, als Suzanna aus dem Isergebirge in sein Leben trat. Oder sagt man das anders, wenn eine große Glut in einen fast erkalteten Ofen geschüttet wird? Jedenfalls fiel uns der Unterkiefer runter, ja, sogar unsere Vornamen hatten wir vergessen, bei Dago’s Vorstellung seiner neuen Lebensabschnittgefährtin. Es war eine Traumfrau! In jeder Hinsicht, von Kopf bis Fuß. Erst dachten wir, sie wäre krank, wenn nicht im Körper dann im Kopf. Dago blühte richtig auf, er hatte ja nun weniger
Zeit  zum Klettern. Sie war sozusagen fehlerlos. Muss ein ganz seltenes Exemplar gewesen sein. Ja, gewesen. Mehr dazu später. Erst brachte sie Dago’s Hütte in Ordnung. Die Hütte, bei der manche weibliche Bekanntschaft gleich hinter der Türschwelle endete. Dago’s Hütte, ursprünglich ein gerade noch kurzbewohnbares Trockenklo mit Schlafgelegenheit, war die Lebensausbeute eines langjährigen Vagabundenlebens nach der letzten richterlichen Trennung. Aber genau bei Suzannas Erscheinen hatte er sie länger bewohnbar vergrößert. Nun war die Hütte der richtige Ort, um ihre Ordnungswut auszuleben. Bald war die Hütte ein Schmuckstück. Bis, ja, bis Suzanna verschwand, für immer; genau in dem Moment, wo Dago eine gut bezahlte Arbeitsstelle verlor und das Geld alle war. Aber er denkt noch immer gerne und ohne Groll zurück, wie er sagt. Und das täglich und immer, denn sie hat ihm beim Abschied ihren Hund geschenkt.
Kampfhund Monty, der offensichtlich die Liebe seines Frauchens im Blut hat. Denn selbst wenn ich ihn liebevoll quäle, jault er höchstens kurz auf und beißt mir nichts ab. Wenn der wüsste…! Nun sieht die Hütte wieder so aus, wie Dago ist. Hund, Herrchen und Zigaretten und wahrscheinlich viele nicht sichtbare Tierchen wohnen in friedlicher Eintracht.

Und draußen steht immer ein Auto. Meist immer ein anderes. Natürlich ist Dago auch ein guter Autofahrer. Er fährt es gern selbst kaputt und kann es auch dann selbst reparieren. Theoretisch. Besser ist es meist dann, ein neues zu kaufen. Der letzte Crash kam unverhofft, war unklug und übereilt, wie er selbst zugibt. Da er der einzige ist, der sich nicht an die Verkehrsregeln zu halten braucht („Anschnallen ist zu gefährlich“), nahm er kürzlich den steilen verbotenen Abschneider ins Kirnitzschtal. Dumm nur, dass dort ein Polizeiauto stand und Dago beim „Ausweichen“ gegen eine Mauer fuhr. Da hatte er allerdings die gesetzesmäßige Toleranzschwelle überschritten!
So, nun warten wir nur noch auf sein weiteres spannendes Dasein, auch um die gemeinsame Webseite www.barbarine.de mit neuen interessanten und ungewöhnlichen Leben und Details zu füllen! Als Webadmin ist ja sozusagen unverzichtbar.



PS: Seit nunmehr 3 Monaten ist wieder ein weibliches Wesen in Dago`s Leben getreten. Nett, hübsch, umgänglich und offensichtlich kommt Sie (Sylvia) mit Dago ganz gut zurecht. Die Liebe muss sehr groß sein, zumindest hat Sylvia, wie berichtet wird, Dago zu liebe sogar bereits Ihren 1. Gipfel bestiegen! Nachdem Sie in Finale ein vom Sturm und Regen zerstörtes Zelt überlebt hat….


Erhard Klingner

nach einem trüben Klettertag im März 2014 in La Selva bei Finale (Italien), der die Richtigkeit aller Angaben hier nochmals bestätigt, auch wenn Dago dazu völlig anderer Meinung ist.

 
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