- www.barbarine.de

Suche auf Seite
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Erhard > Literarisches > Andere über mich



Mein Bergfreund Erhard Klingner



"Dago" Dankwart Medger


Irgendwann, ich weiß heute gar nicht mehr wann, wo und bei welcher Gelegenheit liefen wir uns über den Weg. Es war, wo sonst, in unseren heimatlichen sächsischen Bergen.
Dem Namen nach, war Erhard mir schon ein Begriff, er kletterte seit geraumer Zeit mit meinem Freund Peter. Na ja und einige Anekdoten waren mir auch schon zu Ohren gekommen.
Da stand er mir nun gegenüber…Eine etwas desolate, Energie geladener, munter vor sich hin schwatzender in die Jahre gekommener Bergsteiger.

Nun muss ich dazusagen, ich selbst, bezeichne mich auch als etwas desolat, geschwätzig und eigensinnig. Also aus meiner Sicht nichts ungewöhnliches eher Liebenswertes. Irgendwie war der Kerl mir von Anfang an sympathisch. Unvermittelter Dinge ging es dann auch gleich zur Sache, vertrauensvoll griff jeder ein Seilende und wir legten Hand an den Fels.

Was dann kam, sollte sich mehr oder weniger stetig wiederholen. Munter schwatzend, lautstark nach Sicherungsmöglichkeit suchend, naja und von unten betrachtet mit gelegentlicher Nähmaschine, ging es Richtung Gipfel, den wir dann auch erreichten. Das verbindende war seine und meine legendäre Nähmaschine.Glücklich und zufrieden erreichten wir wieder den Boden.
Erhard: „ich muss da noch wo hin …“ , in Eile packte er sein Kletterzeug in einen nach meiner Meinung viel zu kleinen Rucksack und oh Wunder alles passte rein. Mit einem „Danke, war schön, man sieht sich“ entschwand Erhard mit eilenden Schritten.
Des Öfteren, war es halt so, dass Erhard irgendwie immer in Eile war, „ oh es ist schon spät – meine Frau wartet schon …. ich muss weiter, hab mich noch mit …. am …. Verabredet“ immer im Trapp, immer im Stress.  

Mein Freund Peter und ich, wir sind ja eher die gemütlichen, ja kein Stress am Fels, der rennt ja nicht weg und ein Tropfen edler Hopfensaft will in Ruhe genossen sein.

So zog Jahr um Jahr ins Land, des Öfteren verband uns in den Jahren das Seil, unser beider Haupthaar wurde immer grauer. Wir wurden Älter etwas Ruhiger aber wohl nicht Weißer, noch immer ziehen wir, wie eh und je durch die Gebirge. Manche Bergfahrt, mache Flasche Bier und manch Glas Rotwein Liesen uns Freunde werden.

Berühmt und berüchtigt, sind auch die sogenannten Abkürzungen, die Erhard gelegentlich im Gebirge gern vorschlägt, die jedoch von seinen Begleitern vorsichtshalber ignoriert werden. Dabei kann es vorkommen, da Erhard sich ja dann auch nicht den Abkürzer ausreden lässt, wie im Folgenden erlebt:
Sardinien – Wir wahren oberhalb unseres Agrotourismo klettern, der Hinweg wurde zum Teil mit dem Auto bewältigt, den Rest ging es zu Fuß. Also wir bewegten uns auf vorgesehenen Straßen und Wegen.  Unser Häuflein in die Jahre gekommener Berg Fexe genoss einen genussreichen Klettertag.
Der Rückweg ging wie vorgesehen zu Fuß Richtung Auto.  Tief unter uns, konnten wir unsere Zelte sehen. Erhard sinnierte nun darüber, dass der Gerade Weg wohl auch der kürzere wäre - heißt in Falllinie zu den Zelten. Eigentlich sollte er ja mal aus Erfahrung klüger werden, aber – wer wagt der gewinnt – oder verliert.
Also, keiner ließ sich überreden, den Abkürzer mit ihm zu nehmen. Mit „ich wollte sowieso noch ein Stück laufen, schwenke Erhard rechts in Richtung Falllinie zu unseren Zelten ab und entschwand.Wir anderen nahmen den bekannten Weg.
Auf unserem Agrotourismo, glücklich angekommen, ließen wir es uns gut gehen und genossen in der Abendsonne eine Flasche Bier. Wer fehlte war Erhard. Die Zeit verging, wer immer noch fehlte war Erhard ….
Letztlich kam unser Erhard dann doch des Weges … leicht angeschlagen … mit „leichten Blessuren“  und um ein Abenteuer reicher.
Bei einem Sardischen Rotwein und einem Mirto, berichte er uns dann von seinem Abstieg, nicht ohne einen anklang von Selbstironie.
Kampf durch die Gebirgsflora Sardiniens  - um in Falllinie zu bleiben (ist ja theoretisch der kürzeste Weg), abseilen ins unbekannte – letztlich Absturz zum rettenden Weg –
Ja ja … die Abkürzungen.

Was bleibt, Erhard ein echter Kerl, zuverlässig, hilfsbereit, humorvoll, energiegeladen, etwas anders als andere …. halt ein guter Bergkamerad und Freund.


 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü