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Die Babarine > Sächsische Schweiz



Vor über 30 Jahren, erschien im westlichen Teil Deutschlands, "Felsenheimat Elbsandsteingebirge" ein Novum, eine Sachbuch über die Sächsische Schweiz, geschrieben von zwei ehemaligen Sachsen und das im Westen. "Felsenheimat Elbsandsteingebirge" gehört heute zu dem, Standartbuch, über das Thema Elbsandsteingebirge. Mit viel Glück ergattern Liebhaber das Buch heute im Antiquarischen Buchhandel und man muss schon tief in die Tasche greifen um in den Besitz des Buches zu kommen.



Jubiläum: 30 Jahre „Felsenheimat Elbsandsteingebirge“


Wenn ein Buch vor 30 Jahren erschienen ist, dann gibt es für sein Schicksal nur zwei Möglichkeiten. Entweder fegt der Zeitgeist darüber hinweg und es verstaubt allmählich vergessen im Regal. Oder aber es kann auch der nächsten Generation Geschichten erzählen, wird berührt, gelesen und durchgeblättert. Das Buch „Felsenheimat Elbsandsteingebirge“ ist schwergewichtig. Was seine Maße und seinen Inhalt betrifft. Und es gehört ganz sicher zur zweiten Kategorie. Kaum ein Mitglied der IG Sächsische Bergsteigergeschichte fehlt bei dem abendlichen Treff in den Geschäftsräumen des SBB Anfang Dezember. Hier soll der „30. Geburtstag“ des legendären Bergschmökers gewürdigt werden und der Mut und die Entschlossenheit seiner Herausgeber. Dicht gedrängt sitzend, warten alle gespannt auf die Erinnerungen von Dietrich Hasse und Heinz Lothar Stutte. Die beiden sind extra aus Bayern angereist. Nicht jeder im Raum hat das Glück, selbst ein Exemplar der „Felsenheimat“ zu besitzen. Aber alle haben schon ehrfürchtig durch seine Seiten geblättert, Fotos und Kunststiche betrachtet oder Geschichten rund um die Historie des Sächsischen Bergsteigens nachgelesen. Ich selbst war, als es 1979 herauskam, noch nicht einmal in der Schule. Aber als ich das dicke, über zwei Kilo schwere Buch viele Jahre später in einer Bibliothek das erste Mal entdeckte, war ich sofort fasziniert. Das, was ich da im breiten Querformat in Händen hielt, war mehr als ein Bergbuch. Zwischen den Seiten verbarg sich ein Kaleidoskop an gesammeltem Wissen und an Erinnerungen; bekannte Bergsteiger bekamen auf einmal ein Gesicht, Facetten von der Geologie über Kunstbetrachtungen bis hin zu den Abenteuern an den steilen Wänden im Elbsandstein waren da akribisch genau gesammelt und liebevoll mit Bildern, traumhaften Landschaftsfotos oder Gedichten untermalt. Im Buchhandel war es damals schon nicht mehr zu erhalten. Immer wieder habe ich deshalb im Internet geforscht und es endlich vor zwei Jahren für einen nicht ganz unerheblichen Betrag bei einem Antiquar im Rheinland erstanden. Logisch, dass auch ich an diesem Abend zur SBB-Geschäftsstelle gekommen bin. (Natürlich zusammen mit meinem lang ersehnten Exemplar und der Hoffnung auf ein Autogramm.)
Den Abend eröffnet Herbert Richter. Deftig, treffend und mitreißend, wie es seine Art ist, würdigt er in seiner Einführungsrede Buch und Herausgeber gleichermaßen. Er selbst hat vor 30 Jahren eine Geschichte beigesteuert. Die „Felsenheimat“, darauf weist Herbert deutlich hin, ist ein Gemeinschaftswerk. Mitautoren waren unter anderen auch Fritz Wiessner, Steve Wunsch, Gisbert Ludewig, Irmgard Uhlig, Peter Diener und viele andere. Aber ohne den Enthusiasmus von Dietrich Hasse und Heinz Lothar Stutte wäre das Buch nie zustande gekommen. Beschämend sei, sagt Herbert, dass es nie in der DDR erscheinen durfte. Dort, wo doch die Leser lebten, für die es gemacht war. Doch die „Felsenheimat“ war ein Werk von zwei „Republikflüchtigen“. Die Strafe war die Ignoranz der Herrschenden. Erst der Fall der Mauer brachte die glückliche Wendung für alle Beteiligen: das Buch, seine Leser und auch seine Herausgeber. Alle lauschen an diesem Abend auf der Könneritzstrasse gespannt, als Dietrich Hasse beginnt, von der Vergangenheit zu erzählen, wie lange und vergeblich er in den 70er Jahren im Westen nach einem Verlag suchte. Das Manuskript war seit seinem Weggang aus der DDR 1955 gereift. Heimweh nach den sächsischen Felsen hatte die Feder geführt, Freunde lieferten unentgeltlich und enthusiastisch Material. Für den bekannten
Bergsteiger und Kenner des Sächsischen Gebirges war klar, die Zeit war überreif für eine Würdigung des Sandsteingebirges und eine neue Betrachtung des Sächsischen Kletterns. Doch erst durch seinen Freund Heinz Lothar Stutte konnte der Traum in die Realität umgesetzt werden. Beide verband sie die Sehnsucht nach den heimischen Bergen. Das Lesen des Manuskripts, erzählt Heinz Lothar Stutte, habe seine Seele berührt. Und so begann die „schönste Aufgabe, aber auch das größte finanzielle Abenteuer“ seines Lebens. Er war ein recht erfolgreicher Fotograf, veröffentlichte Bilder im Großformat oder gewinnbringende Kalender. Wie man ein Buch macht, davon hatte er allerdings keine Ahnung. Aber er glaubte an die „penible und systematische Arbeit Hasses“. Und so informierte er sich über Papierpreise und Druckformalitäten und beschloss, im „Einmannverlag“ eine Auflage von 6000 Buch-Exemplaren herauszugeben. Er und Dietrich Hasse waren Perfektionisten. Eine Mischung aus Bildband und Geschichtensammlung entstand, oft in mühsamer Nachtarbeit, im Zimmer auf dem Bauernhof, auf dem Heinz Lothar Stutte zur Miete wohnte, oder bei Hasses in München. Vier verschiedene Druckpapiere wurden verwendet, das Buch im seltenen Querformat gesetzt und die Fotos mit brillanter Qualität in Bozen auf Papier gebracht. Das Resultat: Das Buch war genau so, wie sie es wollten, aber die Kosten stiegen schließlich von 150.000 auf über 200.000 DM. Erfahrene Verleger vom Rother Verlag schüttelten den Kopf. Das Buch würde nicht genug Käufer finden, war ihre Prognose. Vom Deutschen Alpenverein erhielten sie im Jahr 1980 den 1. Preis für das „Beste Sachbuch des Jahres“. Dennoch behielten die Schwarzseher erst einmal Recht. Sie spürten schmerzhaft den „Eiserne Vorhang“, erzählt Stutte. Ein Buch, das sich mit einer Landschaft im „Ostblock“ beschäftigte, fand wenig Resonanz. Im ersten Jahr konnten sie nur 1000 Bücher verkaufen. Dann schrumpften die Verkaufszahlen, bis schließlich im gesamten Jahr 1988 nur noch 55 Bücher verkauft werden konnten. Der Fall der Mauer brachte die Erlösung in vielerlei Richtung. Nun konnten sie wieder unbeobachtet und frei in die Heimat zu den Freunden reisen und nun konnte auch endlich ihr Buch zu den Lesern kommen, für die es eigentlich bestimmt war. Und die griffen dankbar zu. Und stellten die „Felsenheimat Elbsandsteingebirge“ meist auf einen Ehrenplatz im Regal. Mitte der 90er Jahre wurde das letzte Buch verkauft. Wenn Bergfreunde heute immer wieder fragen, ob es denn keine Neuauflage der „Felsenheimat“ geben könnte, reagieren Dietrich Hasse und Heinz Lothar Stutte abwehrend. Noch einmal, sagen sie, würden sie so ein Abenteuer dann doch nicht mehr auf sich nehmen wollen. Aber das Feuer, mit dem sie ihren Traum verwirklicht haben, das spürt man an diesem Abend in der SBB Geschäftsstelle noch immer. Sie hätten mit der „Felsenheimat“ den für sie „schönsten Gipfel der Bergliteratur“ erstiegen, schwärmt Heinz Lothar Stutte zum Schluss. Und wir, die Zuhörer, pflichten ihm bei. Eine schönere Liebeserklärung in Buchform an das Elbsandsteingebirge gibt es nicht.

Quelle Mitteilungsblatt Sächsischer Bergsteigerbund 2010 Nr.1
BettinaWobst

 
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