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Mein Bergjahr 2015

Als ob es nur Berge gibt. In meinem Kopf. Natürlich nicht, aber es ist immer noch das bestimmende „Element“. Einige Zeichen deuten darauf hin, dass sich das ändern wird, ich bin selbst gespannt.
Also Berge, wie jedes Jahr bisher. Seit 55 Jahren bergsüchtig. Und seit der Wende 1989 auch winterliche Berge. In den Wintermonaten bedeutete das Skifahren, meine österreichischen Bergfreunde sind mit schuld. Nicht nur auf der gepflegten Piste, sondern möglichst abseits Skitouren zu gehen. Bis vor ein paar Jahren oft allein, meist im Lüsenstal von Praxmar aus, in den letzten Jahren im Januar ziemlich zahm an den flachen Bergen der Königstour hinterm Hochkönig. Diesmal habe ich am Langeck meinen einzigen und letzten großen Sturz hingelegt. An der Stelle, wo ich vor drei Jahren einen Halo im Schneesonnennebel gesehen habe. Mich, vor mir, beim Skifahren. Groß und schön, über mir im Himmel. So, wie ich schon immer werden wollte! Na gut, ein Gesicht hatte die Gestalt nicht. War das nun die Vorahnung auf den kommenden Sturz? Jedenfalls hatte ich diesmal an dem Tag ein gutes Gefühl beim Skifahren. Wie man sich täuschen kann! Ich fuhr nach meiner Meinung richtig gut und schnell, auf breiter Piste. War sicher an der Stelle nicht richtig konzentriert, durch wen oder was vielleicht abgelenkt. Jedenfalls habe ich einen Schneehügel übersehen und dann hat es mich schon in der Luft zerlegt. Ich habe mich und meine Ausrüstung aufgesammelt und bin nachdenklich geworden, nachdem der Schmerz nachließ. Ja, wann endlich wirst Du vernünftig, lieber Erhard usw. Es kann doch nicht immer gut gehen! Ist es aber auch diesmal. Danke.


    
Und im Februar noch nach Hafling bei Meran. Dort ist dann wieder Familienskifahren, mit Sohn Ingo und Enkel Konrad. Beide gute Skifahrer oder Snowboarder. Die Zeiten sind vorbei, wo man Konrad ins Krankenhaus fahren musste, nach einem Sturz. Eine fast ereignislose Woche, kommt selten vor. Ach ja, ich erinnere mich, ereignislos, auch weil er sich weigerte, mit mir über das Dach einer tief verschneiten Berghütte zu fahren! Endlich mal ein vernünftiger in unserer Familie.

 

    
Dann kam das Frühjahr und der Sommer. Beginnend Ende März mit einer individuellen Genusswoche im Piemont, ohne Berge! Hätte ich mir glatt sparen können, da es mir meine Frau nicht als Pluspunkte in meiner 50jährigen Ehe anrechnete. Sie dachte, es wäre der Einstieg in meinen schon seit Jahrzehnten von ihr gewünschten (geforderten!) Ausstieg aus meinen Bergen. Na gut, habe ich diesmal gerade noch abwenden können. Außer verschlammten Schuhen und einer mir fremden Kultur ist nichts mehr in Erinnerung. Mit dem Geld hätte ich mir mal ein richtig gutes Seil kaufen können!


     
Nachdem ich Anfang März meine Kletterhallensaison im No Limit beendet hatte, begann das Anklettern am 18.03. im Holzberg ausgesprochen schön und interessant mit meiner Felsenfest – Seniorenklettergruppe. Ich habe nur meine Kletterlehrerin Julia und Kerstin in Erinnerung, eigenartig, und meinen geliebten Handriss im Sektor Valentinstag! Und am 11.06. durfte ich wieder am Dölziger Schornstein meine Störche beringen. Wieder eine schöne Geschichte in meinem Leben: Mein Storchenfreund Dietmar Heyder, der sonst alle Störche in Sachsen beringt aber hier wegen „Unzugänglichkeit“ nicht, vermutete  zwei kleine Störche. Aber als ich die beiden schon ziemlich großen wegnahm (der eine bedrohte mich, s. Foto!), sah ich einen ganz kleinen darunter. Dem haben wir das Leben gerettet. Wir kamen im richtigen Moment. Dietmar hat ihn danach in einem anderen Nest einem Storchenpaar, das nur einen Nachwuchs hatte, untergeschoben. Und nach ein paar Wochen konnte er sich von der gelungenen Aufzucht überzeugen.



    
Ich übergehe viele Ereignisse und erwähne nur meine zweite Hochzeitsreise Mitte Juli in Tschechien, Eger. Auf einem Schlößchen, aber meinem Kontostand angemessen. Eigentlich bewundernswert, ich, 50 Jahre durchgehalten, mit der gleichen Frau! Ein Bild von damals, anbei. Andererseits ein ganz trauriger Moment. Ich hatte eigentlich den Willen und den großen Wunsch, diesen Tag vor genau 50 Jahren auch genauso nachzuvollziehen: Damals, am 17.07.1965, war ich nach der Verehelichung auf dem Standesamt von Turnov in einer mir unverständlichen Sprache (ungültig!) Klettern. Am Blatnik, Hruba Skala, mit Fritz Eske, Günter Kalkbrenner und Helmut Paul. In meiner Erinnerung war beides schön, mehr verrate ich nicht. Nun wurde also dieser Wunsch der Wiederholung mir als ehelicher Untertan verweigert. Fiel mir aber leicht. Einerseits waren wir nicht mehr alle da auf dieser schönen Welt, andererseits habe ich ja angeblich „noch viel Zeit“ (sagte sie).


    
Am 1. Und 2. August hatte ich ein seltenes Vergnügen. In Auftrage der Veranstalter, Festung Königstein und Xadventure (Andersen Teubert) durfte ich bei der Veranstaltung „Festung Aktiv“ den Hauptvortragenden, Reinhold Messner, begleiten. Ich habe bereits darüber (wie auch über vieles andere) geschrieben. Nur so viel: Meine große Hochachtung vor seiner Berg-, Intelligenz- und Lebensleistung hat er immer noch, nach meiner vierten längeren Begegnung. Aber ihn als ganz normalen netten Menschen allein und lange nächtlich beim „Ratschen über Berge und Menschen“ (orig. Messner) kennenzulernen, das war schon wieder sehr beeindruckend.


                                                                                                       Bild von Hartmut Landgraf, Sandsteinblogger

Der sogenannte Haupturlaub ging wie jedes Jahr zu meinen Bergfreunden in der Schweiz. Diesmal war wieder das Haslital dran. Mit Sepp, dem noch älteren als ich, haben wir von unserem Campingplatz in Innertkirchen aus die Granitplatten des Tales besucht. Sie waren uns gewogen, sie haben uns nach ein paar Abenteuern, nach vielen Seillängen überm Räterichsbodensee, Handegg und Steingletscher wieder (fast) unversehrt gehen lassen. Eigentlich nichts besonderes, wenn man Routen macht, die in Känels Plaisierkletterführer stehen. Aber diesmal langte es sogar für einen Sturz. Den habe ich schnell vergessen, aber nicht die Wanderungen unter den großen Nordwänden des Berner Oberlandes. Auch auf den Spuren Goethes, hat mich sehr beeindruckt. Entweder war der sehr gut zu Fuß oder ich bin es nicht (mehr).


    
11. bis 20.09. Hinterthal am Hochkönig
Hinterthal ist so ein „halbvergessener“ Ort. Er liegt auf der Nordseite des Hochkönig inmitten nicht ganz so hoher Berge. Kein Schwein kennt ihn. Aber von dort aus kann man alle Spielarten des Alpinismus unternehmen. Auch im Sommer und besonders schön auch im September zur Zeit des „Bauerherbstes“. Und es ist auch die beste Zeit für Wanderungen. Das haben wir auch diesmal genutzt und uns, Barbara und ich, einen kleinen Traum erfüllt: Nach langen Jahren wieder mal eine Zweitageswanderung. Also hoch auf den Hundstein 2117m mit ein bissl Seilbahnunterstützung. Eine urige Hütte auf dem Gipfel, bewirtschaftet von einem ebenso urigen Hüttenwirt mit einem bosnischen netten Ehepaar. Wir waren die einzigen Gäste in der Abendstunde, genossen einen grandiosen Rundblick über diesen Teil der Alpen mit vielen (30?) Dreitausendern im Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. Die auch den Lebensrhythmus der Hütte und seiner Bewohner bestimmen! Am nächsten Tag nach zeitigem Aufstehen dann westwärts  über die ganze hügelige Bergkette dem Tal entgegen. Endlos, wenn man es nicht (mehr) gewöhnt ist. Vorbei an Dolinenwarnschildern. Habe die Chance nicht genutzt, unauffällig für immer von der äußeren Welt zu verschwinden. Das haben aber andere für mich getan, wenige Tage später, in Kreta. Albert Precht, der große Kletterer aus Bischofshofen ist mit seinem Seilpartner beim Syncronabseilen abgestürzt. Nachdem ich kurz vorher noch bei seiner Mutter um eine gemeinsame Klettertour „gebuhlt“ habe.

 

  
Ü 70 am 29.09.
Es ist nun schon das 11. Treffens des „Bundes der Über- 60- jährigen Sächsischen Kletterinvaliden“ am 29.09.2015 in Eiland. Ergebnis: 12 ältere Bergfreunde bestiegen u.a. den Emporturm (es soll ja immer ein besonderes Bergerlebnis sein!) auf zwei verschiedenen Wegen, AKV- Weg und “Jünglinge empor!“, VIIa bzw. VIIb, davon zwei Bergfreunde den Nebenturm.
So, nun ist also Peter Kohbachs Bund der Ü 60… (jetzt Ü70!) nun nach 10 Jahren in die 70 er geraten und alle leben noch und erfreuen sich bester Gesundheit, was ja das wichtigste ist, neben der Freude am Fels und beim Klettern.

   


          
Sizilien, die jährliche Kletter- Novemberfahrt:
Darüber viel zu erzählen, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Besser geht’s nicht, vielleicht sieht’s man an den Bildern. Klettern am Meer, schöne Landschaft, immer gutes Wetter, nette Menschen, sizilianisches Flair usw. Auch diese „Bergfahrt“ war mir wieder einen ausführlichen Text wert. Natürlich wie alle nicht ganz ernst gemeint und nicht ganz jugendfrei.

   

        
Und viele Ereignisse bleiben hier noch unerwähnt, wie die vielen Tage auf meiner Berghütte in Gohrisch und die damit verbundenen Klettertage, vor allen im böhmischen Sandstein. Wo mir einige neue (für mich neu) lange schöne Kletterwege rotpunkt im VII. Grad gelangen. An einem davon brauchte ich drei Versuche und der ist mir deshalb noch ganz wertvoll in Erinnerung.

 

    
Wie auch die vielen Begegnungen mit Menschen, Natur, Kultur und anderes
Das Fazit:
Wieder ein Jahr aus und vorbei. Weg, kehrt nie wieder. Mein Lebenszollstock ist ein Stück kürzer geworden. 174 Ereignisse habe ich im Bild festgehalten. Fast die Hälfte waren es wert für ein oder mehrere oder gar viele Fotos. Muss vielleicht kein schlechtes Gewissen haben. Habe ja nur damit meinen PC und ein bisschen das Internet versaut. Ansonsten sind die Natur und Gott sei Dank auch mein Körper unversehrt aus dem interessanten Jahr herausgegangen. Getreu meinem Wahlspruch: Ich klettere wann, wo, und wie ich will, unter Berücksichtigung des Naturschutzes! Ich müsste vielleicht noch hinzufügen, auch des Schutzes der Menschen. Das bin ich ja meinem Ruf als Bergverführer und Weltverbesserers (wie es auf der Visitenkarte steht) schuldig.

Erhard Klingner, Anfang 2016 in Hinterthal

Bei einigen
Ereignissen gibt es ausführliche Berichte auf meiner Internetseite
www.barbarine.de


 
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