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Dieter Rülker

Erhard > Meine Bergfreunde


Dieter Rülker 75 – (k)ein Nachruf



Kein Nachruf, er lebt ja noch. Vielleicht doch ein Nachruf, weil es viel wahrscheinlicher ist, dass er länger lebt als ich. Er lebt ewig. Heute am 17.11.2014 wird er 75 Jahre alt. Er wird mindestens 100. Vor wenigen Tagen habe ich in Sizilien am Fels den Petersburger Kletterern Dieter als 100- jährigen auf Russisch glaubhaft verkaufen können. Zur Zeit bereitet er sich auf den x-ten Marathon vor. Neben Klettern und Radfahren seine große Leidenschaft. Also alle Sportarten, die etwas mit Anstrengung und Ausdauer zu tun haben. Mir reicht Klettern, Dieter nicht. Obwohl er es ja gerade dabei zu hoher Meisterschaft gebracht hat. Seine Welt seit Geburt, genauer seit 61 Jahren. Na gut, er hat ja nicht viel anderes in seinem Leben gemacht. Was er natürlich abstreiten wird. Er hat als Ingenieur mit Leidenschaft die Karossen für das beste DDR- Auto, den Wartburg- Tourist, gebaut, wie er behauptet. Aber nur, wenn er nicht klettern war und das war er oft. Aber eigentlich ist Dieter auch ein richtiger Bergsteiger. Bis zur Wende war er die treibende Kraft der Nationalmannschaft Bergsteigen der DDR. Wahrscheinlich war keiner so oft in den Bergen diesseits des Eisernen Vorhangs wie er. Über Erfolge, Misserfolge und haarsträubende Abenteuer im Kaukasus und im Pamir kann er tage- und nächtelang wunderschön erzählen (aufschreiben, lieber Dieter!). Ich danke dem Schicksal ihn während einer längeren Bergfahrt näher kennengelernt zu haben. Es war im April 2008 in der marokkanischen Thaghia- Schlucht bei einer Erschließerfahrt einer Generation jüngerer Bergfreunde. Wir drei älteren  wurden vermutlich mitgenommen wegen der besseren Verteilung der Unkosten des Übergepäcks. Mit Dieter und Peter war das ein ganz großes Erlebnis. Nie habe ich mich sicherer gefühlt; nach anfänglichen Ängsten. Die allerdings recht privater Natur waren. Mein Bergfreund Günter Jung war da gerade in den großen Bergen der Welt für immer geblieben und ich hatte nach einem Sturz das dumme Gefühl ihm bald folgen zu müssen. Und diese Sicherheit in einer Seilschaft mit Dieter hatte ich dann weiter bei uns in den heimatlichen Bergen. Wenn Dieter dabei war, konnte man davon ausgehen, stets wieder heil anzukommen. Man zeigt ihm eine schöne Wand, er stieg einfach ein und man hatte nie das Gefühl, dass es schwer wird oder dass er gar herunterfallen könnte. Im schlimmsten Fall stieg er einfach wieder zurück. Er stand einfach, er hat ja das Felsgefühl. Und wenn er lange stand, dann dachte man, dort kannst du dich ausruhen. Aber weit gefehlt, das Gegenteil war oft der Fall. Aber einmal hat es auch ihn erwischt. Seit dem Sturz an der Amselspitze durch Griffausbruch mit Kopfverletzung geht er auch nur noch mit Helm klettern.
Einen einzigen wunden Punkt gibt es in seiner Laufbahn. Und der heißt Höllenhund Herrenpartie, er ist einer der beiden Erstbegeher. Einer der schönsten Kletterwege in unserem geliebten Elbsandsteingebirge. Ich habe ja schon immer gesagt, wo Glück ist, kann auch Pech sein. Genau dort trifft das zu: Der andere war auch so ehrgeizig wie Dieter, vielleicht sogar ein bisschen mehr. Und wenn zwei solche Alphatiere aufeinandertreffen, dann …. Und da ich schon einige Freundschaften wieder gekittet habe, traue ich es mir zu, die beiden wieder an einem Tisch bei einem Glas Wein nach vielen Jahren am Fels wieder zusammenzubringen. Das möchte ich gern noch sehen.
So, lieber Dieter, binden wir uns bitte noch ein paar Mal, auch gemeinsam, ein!

 


Erhard, am 17.11.2014  an einem trüben nassen Montag hier in Leipzig

 
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