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Die Babarine > Bergsteigen

 

Bergsteigerische Erschließung des Elbsandsteingebirge


(Aus: Kletterführer „Sächsische Schweiz“ 2001 Dietmar Heinicke)


Schon weit vor Beginn des sportlichen Kletterns wurden einzelne markante Gipfel bestiegen. Alte Balkenlage, Stufen und Löcher weisen
daraufhin, dass diese Felsen teilweise Befestigungen getragen haben, wie Falkenstein, Rauschenstein, Mönch und Steinschleuder.
Nachweisbare Kunde von späteren Besteigungen liegt vor vom Mönch im Jahre 1777 sowie 1803 durch Kandidat Hanke und von der Steinschleuder 1816 durch Förster Auerswald. Die erste Besteigung eines Felsmassivs aus sportlichen Motiven erfolgte 1848 von Sebastian Abratzky durch den „Abratzkykamin“ auf die Festung Königstein, Die Besteigung des Falkensteins 1864 durch Schandauer Turner gilt als
die Geburtsstunde des sächsischen Felskletterns. Die Früherschließung dauerte etwa bis 1890, wobei größtenteils künstliche Hilfsmittel, wie Leitern, Steigbäume, Griff- und Tritteisen, zur Anwendung kamen. Markante Erstbesteigungen dieser Zeit waren:

1864 Falkenstein Turnerweg;

1873 Frienstein, Hoher Torstein, Mittlerer Torstein;

1874 Mönch, Talwächter;

1882 Hinterer Gansfels;

1886 Vorderer Gansfels, Lokomotive-Dom, Sommerwand, Vorderer Torstein;

1888 Nonne.                                    

Hauptsächlichste Vertreter dieser Erschließungsperiode waren Carl Beck, Friedrich Hartmann, Robert Kappmeier und Otto Ufer.

Ab 1890 begann die Haupterschließung des Gebirges in klettersportlicher Hinsicht. Die Ablehnung aller künstlichen Hilfsmittel sowie die
Einführung des heute noch gebräuchlichen Kletterschuhs begünstigte die Entwicklung. Während dieser Zeit wurden fast alle bedeutenden
Gipfel erstbestiegen oder auf bestiegene Gipfel neue Wege gefunden. Zuerst bildete sich die Kaminkletterei heraus, der später die Risskletterei folgte. Mit dem „Überfall“ an der Lokomotive-Esse 1903 wurde der erste Schritt zu den ausgesetzten und damals bedenklichen Klettereien an freier Wand getan, mit der Besteigung der Jungfer 1906 wurde erstmals der Schwierigkeitsgrad VII erreicht. Damit begann die Periode der schweren Wandkletterei. Die bedeutendsten Erstbesteigungen bzw. Erstbegehungen dieser Erschließungsperiode waren:

1892 Falkenstein Schusterweg;

1893 Heringstein Alter Weg und Nordweg, Fünf Gipfel, Goldstein;

1894 Meurerturm, Großes Spitzes Horn, Winklerturm;

1895 Vorderer Gansfels Gühnekamin;

1897 Püschnerturm, Neue Wenzelwand, Südlicher Osterturm, Nördlicher Osterturm;

1898 Rohnspitzc;

1899 Bloßstock, Brosinnadel;

1900 Morsche Zinne;

1901 Kreuzturm;

1903 Lokomotive-Esse;

1904 Chinesischer Turm, Große Herkulessäule;

1905 Großer Wehlturm, Kleiner Wehlturm, Schrammtorwächter, Höllenhund, Barbarine, Schiefer Turm;

1906 Wilder Kopf, Jungfer, Spannagelturm Perrykante, Dreifingerturm Südriß, Teufelsturm;

1907 Heringsgrundnadel.

In dieser Zeit wirkten besonders Dr. Oscar Schuster, die Gebrüder Meurer (Kaminkletterei); Martin Klimmer, Hermann Sattler,
Heinrich Wenzel (Rißkletterei); Rudolf Fehrmann, Albert Kunze, Walter Hünig, Rudolf Nake und Oliver Perry-Smith (schwere Wandkletterei) bahn-brechend, Im Jahre 1908 gab Rudolf Fehrmann den ersten Kletterführer heraus, der alle bekannten Gipfel und Aufstiege des Elbsandsteingebirges beschrieb. Fehrmann verwendete eine Schwierigkeitsbewertung mit 7 Stufen, die sich durch Begriffe wie leicht, mäßig schwer, mittelschwer, ziemlich schwierig, schwierig, sehr schwierig und außerordentlich schwierig unterschieden. In den Jahren bis zum ersten Weltkrieg entwickelte sich die Wand- und Rißkletterei weiter, wobei bei einigen Wegen bereits die obere Grenze des Schwierigkeits-grades VII erreicht wurde. Die herausragenden Erstbesteigungen und -begehungen dieser Etappe waren:

1908 Brandke
gcl, Hauptwiesenstein, Wolfsspitze, Mönch Nordostriß, Hinterer Gansfels Arymundweg;
       
Vorderer Gansfels Südwestwand, Vorderer Verborgener Turm;

1910 Kreuzturm Südriß, Südlicher Osterturm Emporweg, Großer Falknerturm Matthäusriß;

1911 Kleiner Falknerturm Herrmannswand.

Die bedeutendsten Erstbegehungen dieser Zeit führten Max Matthäus, Max Doltze, Arymund Fehrmann, Hans Neuber und Arthur Agsten
durch. Mit der Durchsteigung der „Weinertwand“ am Vexierturm 1912 leitete Eduard Weinert die sogenannte „große Linie“ der Wandkletterei
ein. Sie wird gekennzeichnet durch die Bezwingung hoher, schwieriger und ausgesetzter Wände, die Wagemut, Kraft und Ausdauer erfordern
und die Beherrschung einer höhere Technik verlangen. Dabei wurde besonders die Reibungskletterei weiterentwickelt. Bedeut-ende Erstbcgchungen in dieser Zeit führten Paul Schöne, Rudolf Klemm, Emanuel Strubich, Arno Sieber, Ehrhardt Renger und Otto Dietrich durch:

1912 Wolfsspitze Felsensportweg;

1913 Freier Turm, Hauptdrilling (l. sportlich einwandfreie Besteigung);

1915 Wolfsturm (1. sportlich einwandfreie Besteigung), Schrammtorwächter Südwand (1. sportlich einwandfreie Begehung);

1916 Bloßstock West wand, Kreuzturm Nordwand, Vorderer Torstein Sieberkante. Großer  Wehlturm Rengerweg;
      
Wilder Kopf Westkante, Jungfer Ostkante;                                        

1929   Hauptdrilling Dietrichweg, Falkenstein Westkante.

Diese Aufstiege gehören auch heute noch zu den klassischen Kletterwegen In den zwanziger und dreißiger Jahren wurden noch einnige
bedeutende Gipfelerstbesteigungen durchgeführt:

1920 Langer Israel, Bcrgfriednadcl;

1921 Friensteinwächter(l. sportlich einwandfreie Besteigung);

1922 Blasketurm, Sandschlüchteturm;                                                      

1924 Verlassener Turm;                                                                           

1927 Turm am Verborgenen Horn;                                                           

1929 Königsspitze;                                      :                                          

1930 Kaaba;                                                                                          

1932 Grenzspitze;                                                                                

1936 Vorderer Dürrebielewächter, Falkenturm, Kleines Jortanshorn;         

1937 Märchenturm, Heringsgrundscheibe;        

1938 Großer und Kleiner Glücksturm;

1942 Elfiturm.

In dieser Zeit wurde die klettersportliche Entwicklung von Walter Barth, Alfred Herrmann, Paul Schöne, Fritz Wießner (in den zwanziger Jahren) und Willy Häntzschel, Rudolf Stolle, Helmut Oehme, Fritz Scheffler, Richard Dreßler, Erwin Esche (in den dreißiger Jahren) maßgeblich bestimmt. Besonders die schwere Rißkletterei entwickelte sich, und es wurden einige klassische Probleme gelöst. Die bedeutendsten Erstbegehungen waren:1921 Bloßstock Schöneweg, Großes Spitzes Horn Nordriß, Rauschentorwächter Kuniskante;1922 Hauptwiesenstein Rostkante, Falkenstein lllmerweg;

1924 Frienstein Wießnerriß, Mönch Nordverschneidung, Barbarine Talseite;

1926 Goldstein Fritz-Schulze-Riß, Große Hunskirche Nordwand;

1932 Rauschenspitze Birkigtkante;

1936 Teufelsturm Talseite, Schrammtorwächter Nordwand

1938 Wilde Zinne Gemeinschaftsweg;

1939 Domwächter Westwand;

1944 Hoher Torstein Herbstweg.

Im Kletterführer von 1923 wurden erstmalig die Schwierigkeitsgrade von I bis VII genau definiert. Während des zweiten Weltkrieges kam das Bergsteigen im Elbsandsteingebirge fast zum Erliegen. Nach 1945 setzte eine neue Generation unter schwierigen Bedingungen die klettersportliche Erschließung fort. Durch den Mangel an Ausrüstungsgegenständen bildete sich das Barfußklettern besonders heraus. Es verfeinerte sich auch die Technik des Schlingenlegens. Neben bereits bekannten Namen tauchten neue auf, die für die sportliche Entwicklung
der Nachkriegsjahre Maßstäbe setzten, wie Walter Lenk, Karlheinz Gonda, Harry Rost und Herbert Wünsche. Die bedeutendsten Erstbegehungen dieser Zeit waren:

1946 Lolaturm Lolakante;

1947 Rohnspitzc Dolch, Rokokoturm Talweg, Dreifingerturm Ostrisse;

1948 Goldstein Wahnsinnsverschneidung, Rauschenstein Gondakante;

1949 Goldstein Eckweg, Rokokoturm Bergfinken weg, Meurerturm Westwand.

1951 Schiefer Block, Saugrund Wächter, Geyergucke, Heringsturm, Schandauer Turm, Bewachsener Turm;

1952 Nebelturm, Forstgrabenwand, Friensteinkegel;

1953 Teufelsspitze, GespaltenerTurm; 1955 Brandpyramide, Eckzahn;

1957 Winterbergnadel;

1958 Westlicher Turm der Jugend, Bewachsene Spitze, Glatter Kegel;

1959 Sonnenspitze, Vagabund;

1960 Sonnenwendkegel;

1961 Lößnitzturm, Raubschütznadel, Hexenspitze, Dresdner Turm, Glatze, Elbtalhorn, Golem;

1962 Klabautermann, Trockener Turm, Spitzbub;

1963 Regenturm, Satan, Zwölfer; 1966 Wolfsfalle;

1970 Krampus;

1971 Zitadelle;

1972 Vexiernadel;

1974 Freie Wand; 1978 Bonbon.

Etwa 1969 begann eine neue Etappe der Erschließung von extremen Aufstiegen, die alle bisherigen Leistungen um ein Vielfaches übertrifft.
Durch systematisches körperliches Training, Anwendung ausgefeilter Schlingen- und Seiltechnik, neuartige Sicherungsmethoden und eine ausgewogene Klettertechnik sind bisher zahlreiche extrem schwierige Aufstiege neu erschlossen worden. Dabei geht der Trend zur Durchsteigung von Direttissimas. Diese Etappe wurde zu einem großen Teil von Bernd Arnold bestimmt, mit solchen Wegen wie:

1970 Rokokoturm Siebziger Weg, Schwager Nordwand, Meurerturm Lineal;

1971 Teufelsspitze Talseite;

1973 Freier Turm Feuerwand;

1974 Mittlerer Torstein Westpfeiler und Nonplusultra;

1975 Lärmchenturm Spinne;

1976 Nonnengärtner Wand der Abendröte;

1977 Großer Wehlturm Superlative;

1978 Teufelsturm Schwarz und Weiß;

1979 Großer Wehlturm Direkte Superlative;

1980 Nordturm Unvollendete Sinfonie, Rauschenstein Lange Nordwestwand;

1981 Falkenstein Buntschillernde Seifenblase.

Neben den extrem schwierigen Erstbegehungen von Bernd Arnold wurde auf einzelnen Unternehmungen von Kletterern wie Herbert Richter, Hermann Potyka, Manfred Vogel, Dieter Ulbrich, Christoph Martin und Joachim Friedrich ebenfalls Herausragendes geleistet; so bei Aufstiegen wie:

1971 Großer Halben Linksweg;

1972 Wolfsspitze Meisterschreck;

1975 WildensteinscheibeTalweg;

1978 Rokokoturm Direkter Siebziger Weg (1. anerkannte Begehung);

1981 Bergfreund Lachen und Weinen.

Um 1980 schlo
ssen einige Kletterer (neben den oben genannten), wie Matthias Gäbler, Thomas Rudolf, Falk Schelzel, Werner Schönlebe,
Michael Techel, Mario Weippert, zu dem Leistungsniveau von Bernd Arnold auf. Sie holten sich auf extrem schwierigen Routen niedrige Begehungen bzw. kletterten diese ohne Unterstützung und verschiedentlich schon im Rotpunkt-Stil. Das Rotpunkt-Klettern war durch den fränkischen Kletterer Kurt Albert, den Pfälzer Wolfgang Güllich sowie durch die Besuche der US-Amerikaner (Henry Barber 1976 und 1979)
in der Sächsischen Schweiz publik gemacht worden. Ende der siebziger Jahre machte sich abermals eine Erweiterung der Schwierigkeitsskala erforderlich; das hatte die Einführung der neuen Schwierigkeitsgrade von Villla bis IXc zur Folge. Aufstiege mit dieser erweiterten Schwierigkeitsskala wurden erstmals in den Kletterführern von 1981 und 1982 beschrieben.1984 wurde der Schwierigkeitsgrad X offiziell eingeführt und die Sächsische Skala als nach oben offen erklärt. Erste Touren mit dem Schwierigkeitsgrad X waren im Kletterführer 1985 enthalten. Mit der Durchsteigung von Amselspitze Schallmauer 1982 wurde die vorerst letzte Etappe der Erschließung von extrem schwierigen Routen eingeleitet. Neben bereits bekannten Namen wird diese Periode von folgenden Kletterern geprägt; Jürgen Höfer, Christian Günther, Ralf Reißig und dem Tschechen Jinrdrich Hudecek. Markante Erstbegehungen dieser Zeit sind:

1983 Frienstein Hypnose, Falkenstein Vakuum, Rauensteinturm Kamikaze;

1984 Rauschenstein Hexentanz, Flachsköpfe Etappenrennen, Teufelsturm, Pferdefuß;

1985 Südliche Pfaffenschluchtspitze Inflation, Dreifingerturm Eiszeit, Westlicher    Rauschenturm Abenteuer der Tugend;

1986 Freie Wand Sibirischer Sommer, Rauschenstein Ende einer Legende;

1987 Ostervorturm Sportfest, Rokokoturm Garten Eden, Fünf Gipfel-Südturm Strangulation; Grottenwart Videoshow;

1988 Zyklopenmauer Zyklopenwand, Heringsgrundscheibe Gewalt und Zärtlichkeit, Brückenturm Erntefest;

1989 Wilder Kopf Ein irrer Blick, Schrammsteinkegel Perestroika (damals schwierigster Aufstieg in der Sächsischen Schweiz);

1990 Domerker Kap Hoorn, PolenztalWächter Navigation.

Der Trend geht - dem internationalen Niveau angepasst - dahin, dass die Aufstiege Rotpunkt geklettert werden. Elfiturm Lustgarten, Rauschenstein Ende einer Legende, Grottenwart Videoshow, Nebelturm Star wars, Südliche Pfaffen-schluchtspitze Inflation, Peterskirche Plasma als Wiederholungsbegehungen und selbst extrem schwierige Erstbegehungen wie Wildspitz/e Selbstkontrolle und Schrammsteinkegel Perestroika sind bereits Rotpunkt durchgeführt worden. Führende Kletterer sind dabei Alexander Adler, Jörn Beilke, Gerd Höfer, Andreas Schulze. In den 90er Jahren sind an bedeutenden und extrem schwierigen Kletterrouten hinzugekommen:

1991 Heringstein Überdruckventil;

1992 Sammlerwand Wunderbare Welt der Schwerelosigkeit, Peterskirche Good bye und Amen; Friseur 4711;

1994 Wilde Zinne Direkte Südwestwand und Gemeinschaftskante;

1995 Hoher Torstein Spiegelrand, Wildensteinwand Outbreak; Wilder Kopf Feuerlöscher, Großer Halben Kosmopolit,
       
Wildensteinscheibe Sehnengitarre;

1997 Wildensteinwand Abaton;

1998 Hafersackkrone End of an Affäre;

1999 Schluchtturm Rata Yaga, Klamotte Fly and smile.

Die Spitze unter den Erstbegehren extrem schwieriger Routen bilden Thomas Willenberg, Sven Scholz und Uwe Richter, gefolgt von Gilbert Mohyla, Rüdiger Helling, Thomas Küntscher, Michael Scholz, Falk Heinicke und Jens Manka. Der aktivste Erschließer des Gebirges ist Gisbert Ludewig mit über eintausend Erstbegehungen.



 
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