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Frank Richter
* 25. Juni 1945,
in Thüringen

Durch seine imponierende Fotografierkunst sowie seine Bücher zur Landschaft Elbsandsteingebirge und zum Sächsischen Bergsteigen hat sich Frank Richter einen hochgeschätzten Namen gemacht. Seit der Gründung des Nationalparks Sächsische Schweiz gehört er zum festen Stamm der Nationalpark-Verwaltenden, wo er im Sachgebiet Öffentlichkeitsarbeit tätig ist. Schutz der Naturals lebenserhaltende Nationalpark-Aufgabe, Wandern und Klettern als faszinierendes Nützen und Erleben der Natur - Frank Richters übergreifendes Wirken mit dem Ziel eines möglichst harmonischen Zusammenklangs können wir durchaus als Glücksfall bezeichnen. Ein ausgewogener, überzeugender Naturschutz gilt für den weithin umweltbewußten Kreis der Wanderer und Bergsteiger des Elbsandsteingebirges seit fast 100 Jahren als traditionelles Anliegen. Diesen Sachverhalt und noch mehr damals Diskutiertes hat Frank Richter 1988, somit vor der Nationalpark-Gründung, in einem bemerkenswerten Aufsatz dargestellt. Publiziert wurde jener unter dem Titel „Verbotene oder erlebbare Landschaft? (Gedanken zur Naturschutzarbeit aus Bergsteigersicht)“ in der Schriftenreihe der Berliner Humboldt-Universität „Mitteilungen aus der kulturwissenschaftlichen Forschung“, Heft „Touristik“. Die Auffassung, daß unsere Umwelt sowohl für sich selbst wie auch für uns Menschen da ist und erhalten bleiben soll, also geschützt werden muß, der dafür aufgeschlossene Mensch aus ihr, zumal ihren schönsten Bereichen nicht „hinausgeschützt“ werden mag, ist für uns alle ein überaus wichtiges, unverzichtbares Anliegen. Dabei ist es wichtig, daß es zwischen den mitunter erbitterten Kontrahenten zu gemeinsamen sachgerechten Entscheidungen kommt. Kein Zweifel: Wir alle haben, wo notwendig, das nötige Maß Disziplin aufzubringen! In Frank Richter hatte der Kreis der sächsischen Bergsteiger schon damals einen profilierten, dabei nicht einseitigen, von beiden Seiten ernstgenommenen Interessenvertreter, was seine spätere Berufung zum Nationalpark Sächsische Schweiz eindeutig bewies. Zu den in Sachsens „Schweiz“ heimischen Traditionsträgern jenes sensiblen Elbsandstein-Tourismus, zu denen, die das mit der Muttermilch eingesogen haben, zählt Frank Richter aber nicht. Geboren am 25. Juni 1945, stammt er aus einem kleinen Ort nahe dem thüringisch-vogtländischen Greiz. Dort verbrachte er seine Kindheit, ging zur Schule und lernte den Beruf eines Elektromechanikers. Im Jahr 1965 begann Frank in Dresden das Ingenieurstudium Elektronik. Aufmerksam auf die landschaftliche Schönheit und das Klettern im Elbsandsteingebirge machte ihn 1966 das begeisterte Erzählen eines jungen Mädchens aus seiner thüringischen Heimat. Sie war noch voll erfüllt von ihren Erlebnissen während einiger Ferientage in der Sächsischen Schweiz. Franks Neugier hatte sie damit auf jeden Fall geweckt. Nur wer konnte ihm mehr dazu sagen? Ein Kletterer in Dresden war schnell vermittelt, und der führte ihn am 25.09.1966 auf den Türkenkopf. Frank war davon stark beeindruckt. Wenig später kam es zur Verbindung mit dem „K. V. Bergbrüder 59“. Das Jahr 1969 brachte Frank den Abschluß des Studiums. Als Elektronik-Ingenieur arbeitete er bis kurz nach der Wende in der Entwicklungsabteilung eines Dresdner Betriebes, unterbrochen durch den unvermeidbaren anderthalbjährigen Wehrdienst. 1991 holte Ihn Dr. Jürgen Stein in den neugegründeten Nationalpark Sächsische Schweiz zum Aufbau der Öffentlichkeitsarbeit. Bereits 1969 hatte Frank seine Frau Erika geheiratet, die aus dem Kreis der Dresdner Kletterfreunde kam. 1974 und 1979 wurden die Söhne Martin und Christoph geboren. Im Jahr 1976 war Frank zur Gruppe von Bernd Arnold gestoßen. Schon vorher hatte sich für ihn das Fotografieren zu besonderer Leidenschaft entwickelt. Bald stieg er vom Kleinbildformat auf 6 x 6 um. Filmentwicklung und Schwarzweiß Vergrößerung im Heimlabor waren selbstverständlich. Daß die Bilder meist bereits am nächsten Tag vorlagen, fand bei den neuen Kameraden natürlich vollen Beifall. Einen wesentlichen Impuls für seine vielbeachtete Fotoausbeute brachte Frank 1976 die Erstbegehung von Bernd Arnolds Superroute „Wand der Abendröte“ am Nonnengärtner (IXb /UIAA VIII). Damals hatte das Unternehmen als der bergsportliche Höhepunkt  der Elbsandstein-Erschließung bis zu diesem Zeitpunkt gegolten, wenn auch der Schwierigkeitsgrad IXb von Bernd Arnold bereits im Frühjahr 1970 mit der Schwager-Nordwand erreicht worden war. Mit solchen Foto- Ergebnissen wurde Franks Mitwirken für den Gefährtenkreis um Bernd zur Selbstverständlichkeit, was von ihm natürlich vollen Einsatz forderte. Ohne ausgetüftelte Seilhilfe kam der, der in steilem Fels Extremkletterei fotografieren wollte, auch früher nicht aus. Das hierzu nötige Abseilen oder Hangeln am Seil, um halbwegs´geeignete Aufnahmepunkte zu erreichen, dies dann noch mit der schweren und empfindlichen Kameraausrüstung, das verlangte seit je einen Mordsaufwand. Der Einsatz von Steigklemmen bot später eine echte Erleichterung. Hinreichende bergsportliche Erfahrung und ein solides, routiniertes Klettervermögen spielte bei all dem von jeher eine wichtige Rolle. Mit bis VIIb vorgestiegenen Routen wie etwa Nordturm-Talweg, Spannagelturm-Bruchholzkante und dergleichen konnte Frank diese Forderung voll abdecken; nachsteigend ging es bei ihm auch mal bis VIIIb (UIAA VII). Aber nicht nur Franks Fotografieren hat seinen Ruf begründet, auch zum Klettern selbst hatte er, nicht zuletzt durch sein gründliches, umfassendes Beobachten, über die eigene Erfahrung hinaus einiges zu sagen, das sich in publizierten Artikeln und schließlich seinen Büchern niederschlug. Wohl gab es da mitunter heiß diskutierte Sachfragen, zu denen ich völlig andrer Meinung war als er; unserm Verhältnis zueinander hat solcher Kleinkrieg jedoch nicht geschadet. Immerhin gibt es seitdem im Wortschatz meiner Frau eine von damals stammende, gern benutzte Stilblüte, nämlich „Agitier mich nicht!“ (nach Bertelsmann-Wörterbuch: „Beeinflussung mit den Mitteln der Kunst im Sinne der kommunistischen Doktrin“). 1980 berief man Frank Richter zur Mitarbeit in die Zentrale Fachkommission Felsklettern. Bernd Arnold und Gisbert Ludewig hatten ihm zugeredet, die Aufforderung anzunehmen, da man sich hiervon doch gewisse Einflußmöglichkeit für eine sinnvolle Weiterentwicklung des Sächsischen Bergsteigens versprach. Aber die Bilanz des Erreichten war eher nüchtern, als Frank nach vielem Unerfreulichen und Reibereien Anfang ‘89 ausschied. Sein Vorhaben, ein Buch über das heimische Bergsteigen jener Jahre zu schreiben, wurde ihm während der DDR-Zeit nicht zugestanden. Hierfür mußte erst die Wiedervereinigung kommen. Da hieß dann sein erstes, im Text mit instruktiven Kartenskizzen wie Bildern ausgestattetes Buch „Wanderungen im Elbsandsteingebirge“ (Verlag J.Berg, München 1991). Das beim gleichen Verlag 1993 erschienene Richter-Buch hieß „Klettern im Elbsandsteingebirge“ und brachte einen mit wertvollen Fotos, Grafiken, Tabellen usw. ausgestatteten, hervorragend gelungenen Überblick über das Elbsandsteinklettern, Schwerpunkt jüngere Zeit. Im Jahr 1994 schloß sich der ebenso gediegene Text- Bild-Band „Elbsandsteingebirge - Sächsische Schweiz“ an, 1997 der Titel „Sachsen - Streifzüge durch romantische Landschaften“, wobei den Textteil diesmal Andrea Krüger geschrieben hatte, und 2002 schließlich das ähnlich gegliederte Werk „Dresden“, diesmal, abgesehen vom einführenden Essay von Prof. Dr. Günter Jäckel wieder ausschließlich von Frank Richter erarbeitet. Die drei letzten Bücher erschienen im Rosenheimer Verlagshaus. Wie man sich über Frank Richters Fotografien stets rundum freuen konnte, so auch über die Bücher, sie als Kostbarkeiten für jeden Bücherschrank. Was sonst noch zu erwähnen wäre, sind einmal zahlreiche größerformatige Frank-Richter-Kalender über mehrere Jahre hin, weiter seine zahllosen Bilder, teils auch Aufsätze in Zeitungen, Zeitschriften und sonstigen Büchern, dann gab und gibt es immer wieder Ansichtskarten von ihm, ebenfalls von ihm gefertigte, zum Teil vom Nationalpark
herausgegebene reich illustrierte
Faltblätter sowie Hefte zu verschiedenen Themen, beispielsweise „Künstler sehen die Sächsisch-Böhmische Schweiz“, „Wandern auf dem Malerweg“, ebenso „Geologische“ und „Vogelkundliche Wanderungen“ im Elbsandsteingebirge, schließlich „Panoramaweg zwischen Bad Schandau und Saupsdorf“ und manch anderes mehr. Frank Richter hielt und hält zudem immer wieder einmal Vorträge, in erster Linie natürlich über sein Lieblingsthema Elbsandsteingebirge oder über die Romantik mit ihren Malern, wie z. B. „Caspar David Friedrich - Spurensuche in der Sächsischen Schweiz“. Er legte immer größten Wert auf gediegene Vortragstechnik. So hatte er sich zu einer Zeit, als es so etwas in der DDR noch nicht zu kaufen gab, die Überblendtechnik für seine Dia-Projektoren selbst gebaut. Nach der Wiedergründung des während der Nachkriegszeit verboten gewesenen Sächsischen Bergsteigerbunds im Dezember 1989 hatte Frank seinen Gemeinsinn bewiesen, indem er für einige Zeit die mit viel Arbeit verbundene Redaktionsleitung der neuen SBB-Zeitschrift übernahm. Kein Zweifel, daß wir von Frank Richter noch manches Sehens- und Hörenswerte geboten bekommen werden. Dafür mögen ihm viele weitere Lebensjahre in hinreichender Frische beschieden sein. Zum Glück sind heute 60 Jahre wohl ein rundes Alter, ein hohes kann man es jedoch kaum nennen.

Quelle:
Dietrich Hasse - Mitteilungsblatt des SBB 2005 Nr.3
"
Frank Richter - ein Sechziger"

 
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