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Die Babarine > Die Alten vom Berg > A - I

Hans Arnold
* 08.06.1902
† 26.03.1998
Der Mann, der wohl am häufigsten in Sächsischen Gipfelbüchern steht.

Nach erfolgreichem Abschluß der Lehre als Maschinenbauer und zur Würdigung dieses Ereignisses, schlug ich meinen Lehrfreunden eine Tour in die Sächsische Schweiz vor. Bei gutem Wetter ging es von Rathen aus hinauf zum Honigsteinrücken. Mich faszinierte der Anblick von Felswänden und Türmen un­gemein, so daß ich vom Kletterbazillus infiziert wurde. Das Lamm war meine erste Felsbegehung und tags darauf ging es zur Nonne, die wir zu zweit ohne Seil bestiegen. Im Juni brachte Bergfreund Huste vom Klub ,,Wolfstürmer" ein Seil mit und führte uns auf den Talwächter und den Türkenkopf mit unserer ersten Abseile. Nun folgten für uns Woche um Woche Entdeckungen und Erkundungen in den Heimatbergen. Bald führte ich den Mönch und die schwierige Wehlscheibe. Meine Begeisterung kannte keine Grenzen.
Inzwischen fand ich Anschluß an den Kletterklub ,,Bärensteiner 1910" - mit seinen aktiven Kletterern. Im September erfolgte eine Tour in das wunderschöne Bielatal mit großartigen Klettereien, die mein Können steigerten, so daß der Klub mit meinen Führungen einverstanden war. So unter anderem Kanzelturm, Große und Kleine Herkulessäule und dann schließlich die für mich legendär gewordene Ostkante am Schiefen Turm. Ostern 1921 kehrte Hans Rost aus Gefangenschaft heim und eilte sofort in seine geliebten Berge, an den Emporturm, von wo ab er mich unter seine Fittiche nahm. Viele schwierige Touren in den verschiedenen Klettergebieten folgten. So hatte ich auch das Glück, an der Erstbegehung der ,,Rostkante" am Hauptwiesenstein beteiligt zu sein. Der Kletterweg, der nach heutiger Schwierigkeitseinstufung die erste VIIIb in der Sächsischen Schweiz war. Es folgten schwierige Wege am Bloßstock, Wolfsturm, Kastenturm, Rosenturm, Gamsspitze und vielen anderen mehr.
Durch die regelmäßigen Touren der ,,Bärensteiner" lernte ich viele bekannte Kletterer kennen, deren Schilderungen ich immer interessiert verfolgte und davon auch vieles bis heute gut in Erinnerung behalten habe. Zu den eindrucksvollsten Bekanntschaften ge­hörten Willy Baudisch, Paul Schöne, Otto Dietrich, Emanuel Strubich, Otto Bruchholz, Hans Heilmaier, Karl Hradezky und andere.

Mit Hans Arnold ist 1998 der älteste Erschließer des Elbsandsteingebirges im 96. Lebensjahr verstorben. Er war der letzte lebende Teilnehmer der Seilschaft, die am 28. 05.1922 unter Führung von Hans Rost die Erstbegehung der legendären ,,Ostkante" am ,,Hauptwiesenstein" gelang. Diese Kletterroute, später im Bergsteigermund als ,,Rostkante" bezeichnet, gilt als erste VIIIb in der Sächsischen Schweiz.

Als 1
6jähriger hatte Hans Arnold mit dem Klettern begonnen: am 20.04.1919 bestieg er als ersten Gipfel das ,,Lamm", am 30.08.1989 absolvierte er seine letzte Bergfahrt. In 70 Kletterjahren hat er es auf 13446 Gipfelbesteigungen gebracht. Eine grandiose Leistung!
Das Bielatal mit seinen bizarren Felsgestalten und wunderschönen Wandklettereien war seine zweite Heimat. Die ,,Ostkante" am "Schiefen Turm" war sein Lieblingsweg an seinem Lieblingsgipfel. Er hat sie 548mal begangen. Als er sie am 13.05.1951 zum 500. Mal im Vorstieg kletterte, hatten seine Bergfreunde vom ,,Klub Bärensteiner 1910" anläßlich dieses sagenhaften Jubiläums auf jeden Griff ein Bonbon gelegt.
Hans Arnold hat 9 Erstbegehungen im Vorstieg gemeistert: ,,Mittlerer Verborgener Turm, Sprung" (2), ,,Bär; Ostkante" (VIIb)' ,,Poblätzschwand, AW" (1. anerk. Begehung; VIIa), ,,Affenhorn, Nordostweg" (IV), ,,Frienstein, "Himmelsleiter" (VIIa), ,,Hallenstein, Kopfsprung" (3/II), ,,Laasenturm,"Ostkante" (III), ,,Großer Eislochturm, Talseite (VI) und ,,Südostkante" (IV). An den Ersttouren ,,Hansenstein; Nordostwand" (VIIa) und ,,Zeichengrundturm, Norostweg" (Vlla) war er im Nachstieg beteiligt.

Er stieg am Fels mit einer Leichtigkeit, Ruhe und Eleganz: daß es stets ein Genuß war, ihm zuzuschauen. Und er liebte auch das Springen am Fels; außer den beiden Erstsprüngen ist er z.B. vom ,,Vexierturm", vom ,,Höllenturm", vom ,,Kanstein-Vorgipfel" und vom ,,Pfingstturm" aufs Massiv zurückgesprungen.

Hans Arnold hat viele Jahre aktiv in der Expertenkommission (KBK) der FK Felsklettern Dresden mitgearbeitet. Zu seinen Stärken gehörte es, sich für alles Neue zu interessieren und sich immer wieder zu bemühen, die Jugend mit ihrem neuen Gedankengut zu verstehen. Es war ihm vergönnt, bis ins hohe Alter gesund und geistig frisch zu sein. So hat er in den letzten Jahren noch aktiv an den Vortragsabenden der IG ,,Sächsische Bergsteigergeschichte" teilgenommen. Am 06.11.1996 hatte er dort als 94 jähriger letztmalig zur Eröffnung des Abends einen kurzen Sinnspruch vorgetragen.

Hans Arnold wird uns als hervorragender Bergsteiger, als fröhlicher Sänger, vor allem aber als Mensch mit edlem Charakter und hohen moralischen Qualitäten in guter Erinnerung bleiben.

 
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