- www.barbarine.de

Suche auf Seite
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Erhard > Literarisches > Persönliches > Rückblicke



Hoch- und Tiefpunkte beim Klettern 2005


Kann man sich mit 62 noch Kletterträume erfüllen? Ja, man kann, aber man kann auch schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückfallen!
Wie im Jahr 2005. Im Wonnemonat Mai machten wir ein paar wunderschöne Kletterwege mit direktem Ausstieg des Renger-Gedächtnisweges am Falkenstein, Wahnsinnsverschneidung am Goldstein mit der Leipziger DAV-Jugend, Fototour am Lilienstein an der Melanin (siehe Foto) und Finale an der Liliensteinnadel (da wird’s schon schwerer und man schwebt auf Wolke sieben), meist Rotpunkt und alles gut gesichert und schön hoch bewertet. Aber schon an der Sexyvariante am Falkenstein kam der erste Tiefpunkt. Am letzten Ring ganz oben, der siebente, geschah es wie im Albtraum eines Kletterers: Die Hände schon oben, aber man kommt nicht hoch!. Gleich beim ersten Versuch (es sollte wieder Rotpunkt werden) an der Schlüsselstelle hatte ich etwas dynamisch die linke Hand schon oben. Aber dort war nichts. Vielleicht ein paar Zentimeter rechts oder links. Aber wo ich hingefasst hatte war nichts. So wurde aus der optimistischen Aufwärtsbewegung ein der Schwerkraft folgender Fall. Kein Problem bei dem nahen Ring. Aber die weiteren Versuche wurden nicht besser, da der linke nun leicht verletzte wichtige Zeigefinger das Zweifingerloch mit etwas Blut füllte und dadurch die nächsten Versuche nicht besser wurden. Also zum ersten Mal nach langer Zeit aufgeben. Ich musste lange zurückdenken, dass mir so etwas passiert ist. Sollte ich schon jetzt in so jungen Jahren nachlassen? Oder sollte das nur der erste Tiefpunkt werden?
Der Test folgte wenige Tage später am Falkenstein – Direkte Westkante. Gedanklich hatte ich mich gut vorbereitet. Die letzte Begehung vor einigen Jahrzehnten rekapituliert, den wunderbar Mut machenden Bericht von Herbert Richter in „100 Jahre Bergsteigen in Sachsen“ von 1964 noch einmal gelesen und die Nacht vorher gedankenschwer schlecht geschlafen. Am Einstieg wurden dann aus den zehn Nachsteigern des Vortages nur noch einer, der mit Zweifeln an der Machbarkeit der Steilkante meine Einstiegswillen ziemlich dämpfte. Noch ein Wort und ich wäre nicht eingestiegen. Auch noch am ersten Ring in 25 m Höhe kamen mir begründete Zweifel am Erfolg. Zu ängstlich war ich die Sache angegangen, zu viel Schlingen gelegt, zu zögerlich gestiegen und dabei zu viel Kraft verbraucht. So wie Tino wollte ich es eigentlich machen: Eine 8er Schlinge mitnehmen, und in 15 m Höhe als einzige legen. Dafür fehlte mir heute der (Opfer-) Mut. Ich kann mir einfach die Worte von Hans Heilmeier über seine schlecht gesicherten Wege nicht zueigen machen: „Ihr Jugend, Ihr habt ja keinen Opfermut, ihr wollt immer nur Ringe, Ringe, Ringe sehen!“ Also eine nicht eingeplante Nachholestelle einrichten. Weiter ging es dann zügig die Handriss – Hangel hinauf am 2. Ring vorbei zum 3. Hier zieht man den Hut vor dem Erstbegeher vor bald 80 Jahren, genau: vor Otto Dietrich am 10.10.1920. Und bis hierher ist es ja nur 7c. Aber dann wird’s an Wulf Schefflers direktem Ausstieg interessant. Die Schwierigkeiten wachsen dort mit jedem Meter zum 4. Ring ins Extreme. Für Otto – Normalverbraucher, also für mich. Und richtig schön wird’s vorm 4. Ring. Du stehst gut dort 1 m vorm Ring, kannst sogar eine Schlinge legen, aber du stehst nicht lange, du musst hoch! Genau dort hintreten wo deine Hand in Brusthöhe eine Knotenschlinge hinter einem Köpfel gelegt hat. Aber die Hand oben im offenen Riss klemmt nisch! Komisch, dass man doch hochkommt. Wahrscheinlich hat mich bei diesem Zug jemand ganz leicht angedrückt. Der Wind oder wer, sonst wärs abwärts gegangen an dieser wunderbar ausgesetzten Stelle in fast 60 m Höhe. Aber ich glaube, besser kann man nicht fallen. Die Kante bricht unter mir überhängend weg. Also nur freier Fall, wenn die Schlingen nicht halten sollten. Nun sind wir am 4. Ring. Über uns neigt sich die Wand und in anspruchsvoller technischer Kletterei mit großem Respekt vor der zu überkletternden Baustelle der Erstbegeher gelangen wir glücklich auf den Gipfel. Also wieder ein Hochpunkt.
Es sollten noch viele solcher Wechselstimmungen beim Klettern in diesem wunderschönen Kletterjahr kommen. Meist Hochpunkte in Kroatien, Aostatal und Finale (Italien) und in den langen sonnigen Sandsteinwände Böhmens. Dumm hat Schwein. Wie lange hält das noch an? Hoffentlich noch lange!

Erhard Klingner in Gohrisch am 13.06.2005 und im fertig gestellt im Krankenhaus Schleiz am 05.01.2007


Tiefpunkt Suleika Harem Sturz

Hochpunkt Lustkante und Eistorte RP

Hochpunkt Teufeltalseite über 60

 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü