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Erhard > Literarisches > Bergfahrten > Teil 2



Hvar, die kroatische Insel der Versuchung für Kletterer, im November 2007


Es gibt mindestens zwei Gründe, um anderen Kletterern nicht über Hvar zu erzählen.
Der erste wäre, das beste Klettergebiet das ich kenne (nach unserem Elbi), mit jemand teilen zu müssen, sozusagen preiszugeben. Der zweite ist gravierender: Es liegt landschaftlich so toll und ist so gut eingerichtet und von der Natur so gut für Kletterer jeglicher Art gemacht, dass sich nun alle anderen Felsgebiete daran messen lassen müssen. Besser geht’s nicht. Plaisier pur und sicher.
Und daran ist ein Mensch größtenteils Schuld: Miroslaw Stec, der Slowake. Ein Kletterer per Exzellenz  mit einem Magistergrad, der hier das Land gekauft hat und seit Jahren hier sein Herz eingebracht har. Natürlich auch Kraft und Verstand und sicher viel Geld. Aber seine nette Art, seine Gastfreundschaft sind umwerfend und sein nie ermüdender Fleiß, das Gebiet von früh bis Abend zu pflegen und zu verbessern und sauber zu halten. Es gibt nichts peinlicheres, als wenn du siehst, wie der drahtige Kerl die Kippen und Teebeutel und sonstigen Unrat aufsammelt. Na ja, das mache ich an unserem K4 auch, aber dort stört das kein Raucherschwein.
Wir waren 10 Tage dort, in Sweta Nedjelja, dem kleinen Ort inmitten der Weinberge, im November, trotz Schlechtwetterprognose; aber dort gibt es kein Schlechtwetter. Auch in den anderen Klettergebieten der Insel, mit nur einem Ruhetag. Und der war auch nur, weil wir zu lange gebraucht haben, das abenteuerlich zugängliche Klettergebiet bei der gleichnamigen Stadt Hvar zu finden (Bei Wellen nicht möglich!). Und wir waren bei Miro sechs Mal im siebenten Kletterhimmel. Es erübrigt sich, hier das Klettern zu beschreiben. Das hat Boris Cujic in der Zeitschrift „Klettern“ im Februar 2007 mit dem Artikel „Insel hopping“ schon getan. Nur so viel: Wer es liebt, in senkrechten Fels mit den größten Griffen der Welt ( oder etwas kleineren, wenn es schwerer wird) fast immer in Reichweite des nächsten Zuges und dabei viele Meter an geologisch interessanten Bergkristallstrukturen zu berühren und sich darüber wundern und freuen kann, der wird hier zu Hause sein. Und wenn du Glück hast wie wir, kannst du auch bei Schlechtwetter klettern und die Brandung des tobenden Meeres an den in Reichweite befindlichen Klippen hören, riechen und spüren. Insbesondere dort, wo der einzeln stehende Turm vor der massiven Felswand sich in 30 m Höhe mit einem riesigen Klemmblock abstützt („Helm tragen“ steht auf dem Schild, Miro hat an alles gedacht!). Du lehnst am Turm, schaust zu deinem Kletterfreund weit oben hoch und meinst ein zittern zu spüren und etwas vom Lauf der Erdgeschichte zu ahnen. Dieser Turn hat es mir angetan. Du kannst ihn relativ leicht (5b) an der westlichen Meereskante ersteigen. Schöner geht’s nicht; direkt übers Meer geht’s hoch. Bei Brandung wirst du nass. Ein richtiger fotogener Weg. Ich wäre gern selbst dort mal Fotomotiv. Als es so weit war, ging die Sonne weg. Nun muss ich noch mal hin. Wegen der besonders fotogenen Kletterwege, wegen dem Bier und Tee bei Miro, wegen dem Motorbootfahren, dem Kajakfahren, den Erdbeerbäumen, dem DWS, den idyllischen Strandbuchten, der Sonne, wenn sie scheint und vielen anderem, das wir entweder verpasst haben oder von dem man nicht genug bekommen kann. Besonders dringend erscheint mir ein Besuch des Klettergebietes zu wärmeren Jahreszeiten, um die vielen äußerst spärlich bekleideten Kletterinnen zu treffen, die auf den Fotos der erwähnten Literatur und im Kletterführer „Croatia“ zu sehen sind. Und vielleicht kommt auch die Yacht aus dem Werbeprospekt vorbei, wo am Steuerrad eine äußerst attraktive junge Frau mit gespreizten Beinen steht und der bunte winzige BH mühe hat, die beiden schönen großen runden Dinger zu halten. Diese letzten Bemerkungen muss ich einfach machen, um meinen lieben Bergfreund Peter etwas für das lange Aushalten mit mir zu entschädigen und ein Lächeln auf seine Lippen zu zaubern, das er sonst nur bei einer guten Flasche Pilsener Urquell zeigt.
Auch deshalb kommen wir bald wieder.

Erhard Klingner

P.S. Wir sind noch mal hingefahren, im März 2009, und haben das damals verpasste, sowie die Vernichtung der Rotweinvorräte von Radovan und das Bild nachgeholt:

 
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