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Die Babarine > Bergsteigen > 150 Jahre Bergsteigen > Presse


Quelle:
Mitteilungsblatt des SBB - Der Neue Sächsische Bergsteiger - Heft 1 März 2014)

Gegenwärtig begehen wir das Jubiläum „150 Jahre Bergsteigen im Elbsandsteingebirge“. Im Jahre 1864 stiegen fünf Schandauer Turner nach mehrwöchigen Vorbereitungen auf den Falkenstein. Auch wenn sie Hilfsmittel wie Leitern verwendeten, sehen wir diese kühne Tat als Beginn
des Felskletterns aus sportlichen Motiven an. Regeln gab es natürlich noch nicht, die bildeten sich erst nach mehreren Jahrzehnten heraus und sind trotz vielfältiger Weiterentwicklungen im Grundbestandteil bis heute gültig: im Verzicht auf die Verwendung von Hilfsmitteln bei der Fort- bewegung. Ansonsten hat sich in dieser Zeit eine enorme Entwicklung vollzogen. Mehr als 20.000 Wege und Varianten führen auf über 1.100 Gipfel. Die Schwierigkeitsskala musste mehrfach erweitert werden, ist heute bis Grad XII belegt und nach oben offen. Dennoch sollte der Turnerweg mit einer simplen III nicht unterschätzt werden. Schließlich sind glatte Kamine nicht jedermanns Liebe.
Im Jahre 1964 wurde in großem Rahmen das 100-jährige Jubiläum begangen. Am 6.März nutzten viele Kletterer die Möglichkeit, bei allerdings schlechtem Wetter den Falkenstein zu besteigen. An den Pfingsttagen fanden dann mehrere Veranstaltungen statt. Den Auftakt bildete ein Festakt im Dresdner Rathaus, an dem viele Bergsteiger aus der Erschließerzeit teilnahmen (Albert Kunze, Arthur Hoyer, Karl Hradezky, Rudolf Nake, Erich Naumann, Arthur Agsten). Fritz Wiessner war aus seiner Wahlheimat USA angereist. Am Pfingstsonntag versammelten sich etwa 2.000
Bergstei- ger am Falkenstein. Eine Gedenktafel am Turnerweg wurde enthüllt, und ein Jubiläumsgipfelbuch wurde gelegt – man zählte 281 Eintragungen. Zu den Besteigern an diesem Tag gehörte auch der bereits über 80-jährige Erschließer Franz Goldberger. Außerdem gab es eine Festschrift, die zwar stark den damaligen gesellschaftlichen Bedingungen und Veröffentlichungsgepflogenheiten (z. B. überdurchschnittliche Hervorhebung der „Roten Bergsteiger“) unterworfen, aber dennoch gut gemacht war und viel Wissenswertes zum sächsischen Klettern vermittelte. Dagegen nahm sich das dünne Heftchen zum 125-jährigen Jubiläum 1989 vom Umfang her recht bescheiden aus, wenn auch einige Beiträge durchaus sehr interessant und lesenswert sind. Ins Gipfelbuch trugen sich am Jubiläumstag lediglich 18 Kletterer ein, unter ihnen Dietmar Heinicke, Franz Hasse, Lutz Protze und Helfried Hering. Dafür fand dann vom 24. Juni bis 1. Juli eine Jubiläumswoche statt, in der es eine nachgestellte Besteigung in historischen Kostümen gab. Zu diesen Jubiläumsbesteigern zählte der Wiener Karl Lukan, Autor des auch in der DDR erschienenen und hoch in Kurs stehenden Bergbuches „Wilde Gesellen vom Sturmwind umweht“. In dem allerdings nur spärlich gefüllten Jubiläumsbuch lesen wir auch Christian Glaser, heute Leiter der SBB-Arbeitsgruppe Neue Wege. Er ist der Verfasser des nachfolgenden Beitrages zur klettersportlichen Erschließung am Falkenstein bis 1945.

Michael Schindler

Klettersportliches vom Falkenstein von 1864 bis 1945
Der völlig frei vor dem Schrammsteinmassiv stehende Falkenstein, eines der Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz, wird auch vor Jahrhunderten schon Interesse auf sich gezogen haben. Nach einem Intermezzo im Mittelalter als Burganlage war vermutlich lange Ruhe auf dem Gipfel. Die Menschen damals hatten Wichtigeres zu tun, als eine Besteigung zu unternehmen. In einer Veröffentlichung von 1860 heißt es: „Zu besteigen ist er nicht, nur ein paar Wagehälse haben freilich auf Gefahr ihres Kopfes dieses Kunststück ausgeführt.“ Das mit dem Kunststück ist Spekulation, dafür ist die Besteigung 1864 durch Schandauer Turner auf dem heutigen „Turnerweg“ verbürgt. Diese wackeren Herren – Tischlermeister Gustav Tröger, Sattlermeister August Hering, Expedient Ernst Fischer, Maurer Johannes Wähnert und Tischler Heinrich Frenzel – fanden damals keinerlei Spuren einer in absehbarer Zeit vorher stattgefundenen Besteigung vor. Sie haben also alle Vorrichtungen wie Einhauen von Sprossen, Anbringen von Seilen und dergleichen neu angebracht. Das Werk wurde am 31. Januar begonnen, am 21. Februar fortgesetzt und am 6. März vollendet. Oben wurde die rot-weiße Turnerflagge gehisst und in einer Flasche eine Urkunde über die Besteigung hinterlegt. Interessanterweise wurde dieses Ereignis in der örtlichen Presse gar nicht erwähnt, die erste Veröffentlichung erschien dazu am 2. April 1864 in den „Dresdner Nachrichten“. Ausführliches über die Besteigung steht nur in „Über Berg und Thal“ von 1896. Dort berichtigte Gustav Tröger die in einem früheren Heft gemachte Darstellung, dass die erste nachweisbare Besteigung des Falkensteins 1868 erfolgt sei. 1868 erfolgte in Wirklichkeit die zweite nachg- ewiesene Besteigung durch die Dresdner Turner Bier und Miete. Davon zeugt eine Einmeißelung in Gipfelnähe. Von einer dritten Besteigung 1871 durch Götz und Höhne gibt es ebenfalls eine Inschrift am Gipfel. Die vierte Besteigung führten am 20. Juni 1878 wieder Schandauer Turner aus, nämlich der Goldarbeiter Schwenke, die Kaufleute Schönherr und Hering sowie der Restaurateur Berg. Anlass war eine Höhenbeleuchtung zu Ehren der Silberhochzeit König Alberts von Sachsen (1828–1903, König seit 1873) und Königin Carola. Nach der Übernachtung auf dem Gipfel wäre es beim Abstieg am nächsten Morgen fast zur Katastrophe gekommen, als ein Teilnehmer beinahe vom herabstürzenden leeren Wasserfass erschlagen wurde. Am 20.12.1878 fasste die Hauptversammlung der Section Schandau des Gebirgsvereins für die Sächsisch-Böhmische Schweiz den Beschluss, den Falkenstein im nächsten Frühjahr zugänglich zu machen. Glücklicherweise kam es aus Geldmangel nicht dazu, sonst wäre einer der bedeutendsten sächsischen Klettergipfel verloren gewesen. Am 27. September 1892 wurde von Oscar Schuster und Martin Klimmer ein zweiter Aufstieg auf den Falkenstein eröffnet, der „Schusterweg“, eine der großartigsten Touren im Elbsandstein. Beim Abstieg über den Turnerweg entdeckten sie dort die künstlichen Stufen, welche unter einer dichten Vegetationsdecke lagen, die man abziehen konnte. Interessanterweise fand der damals noch 18-jährige Schuster nichts dabei, eine unter dem Felsen stehende Leiter hochzuziehen und darüber kletterbares Terrain zu gewinnen. Erstaunlich eigentlich, kam er doch aus dem alpinen Bereich, wo solche Mittel unüblich waren. Zu dieser Zeit wurden bereits hilfsmittelfreie Besteigungen (Mönch, Nonne) durchgeführt, aber auch noch gehackt und gedübelt. Wie dem auch sei, Schuster wurde später zum Vorreiter dessen, was man heute sächsische Kletterethik nennt. Überhaupt hat der „Schusterweg“ bezüglich Hilfsmittel eine wechselvolle Geschichte. 1894 wird dort in den seichten Rinnen ein von Julius Dümler gestiftetes Drahtseil angebracht. Es sollte die weitere Begehung ermöglichen, da die bei der Erstbegehung vorhandenen Grasbänder inzwischen abgetreten waren. Oscar Schuster schreibt
dann aber am 8. April 1897 nach der Erstbegehung des „Alten Westweges“ ins Gipfelbuch: „Gott behüte dich, lieber alter
Falkenstein vor Drahtseilen, Eisenstiften und anderen Naturverschönerungsmitteln.“ Das Drahtseil wurde 1900 auf Wunsch des Postelwitzer Oberförsters Hahn entfernt, aber offenbar wieder angebracht, da es noch im Kletterführer von 1908 zusammen mit „einigen gemeißelten Tritten“ erwähnt wird. Im Mitteilungsblatt des SBB vom Mai 1930 wird auch von „Pfuscharbeit am Falkenstein“ berichtet: Einige Eisenklammern im „Schusterweg“ wurden abgesägt, „leider aber so dumm und ungeschickt, dass messerscharfe Kanten stehen blieben“.
Am 17. Oktober 1919 wurde im Weg eine Plakette zum Gedenken an den in der Ferne verstorbenen verdienstvollen Oscar Schuster angebracht. Sein Tourengefährte Walter Fischer hielt die Gedenkrede. Seitdem fassen die Vorbeikommenden bei allem Respekt dem Altmeister gern an die Nase. 1892 wurde der „Turnerweg“ durch Friedrich und Reinhard Meurer erstmals ohne künstliche Hilfsmittel durchstiegen. Am 29. Dezember 1895 erfolgte eine erste Durchsteigung unter Winterbedingungen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es zu einem Aufschwung im Klettersport. Man sieht das auch an den Besteigungszahlen. 1896 bestiegen lediglich 48 Personen den Falkenstein, dann aber: 1900 – 70; 1901 – 110;
1902 – 226; 1903 – 334. Am 1. März 1903 wurde der „Kunzeweg“ erstmals durchstiegen. Zum ersten Mal taucht dort Oliver Perry-Smith unter den Erstbegehern auf, der sich später zu einer legendären Gestalt im sächsischen Fels entwickeln sollte
und der auch am Falkenstein mit dem „Südriss“ 1913 einen Meilenstein gesetzt hat. Bis einschließlich 1906 gab es am Falkenstein nur Aufstiege bis zur heutigen Schwierigkeit IV. In dieser Zeit waren immerhin schon Jungfer, Teufelsturm und Dreifingerturm-Südriss erschlossen, also der heutige Schwierigkeitsgrad VIIb erreicht. Dass der Falkenstein so im Schatten der Erschließer stand, lässt sich wohl nur damit erklären, dass diese sich damals auf das Erreichen unbestiegener Gipfel
konzentrierten. Es gibt nur eine Ausnahme: den „Nordweg“ an der Zinne (damals Kleine Zinne genannt) vom 1. September 1906, der heute mit VI benotet wird. Als erste Sieben am Falkenstein wurde am 19. Mai 1907 von Rudolf Fehrmann der
„Neue Westweg“ eröffnet, ein Rissweg für Liebhaber, inzwischen mit einem nachträglichen Ring versehen. Als nächste Sieben entstand am 25. Juli 1909 der „Südwestweg“. Hier gibt es die Besonderheit, dass dieser Weg bereits 1907 im Abstieg durchstiegen wurde, einschließlich einer Abseilstelle. So ist der Weg auch schon im Kletterführer von 1908 beschrieben.
Bis zum 1. Weltkrieg wurden noch „Hoher Riss“, „Rohnspitzlerweg“, „Eckweg“, „Südriss“ und „Schandauer Weg“ erschlossen. In den Kriegsjahren
kamen „Strubichweg“, „Hoher Winkel“ und der „Südriss direkt“ hinzu, allesamt VIIb-Wege. „Südriss direkt“ und auch noch die „Kotzwand“ wurden während des vom 10.05.1917 bis 02.06.1919 geltenden Kletterverbots erstbegangen. Dieses Verbot sollte Beschädigungen in der Umgebung der Felsen, aber insbesondere die zunehmenden Unglücksfälle beim Klettern verhindern. Leben und Gesundheit jedes Einzelnen seien gegenwärtig auch für die Allgemeinheit ein zu wertvolles Gut, als dass es ohne Notwendigkeit aufs Spiel gesetzt werden darf, hieß es darin. Von Unfällen blieben die Kletterer auch am Falkenstein nicht verschont. Als Erster verunfallte am 6. Juni 1894 ein Berliner Professor am „Turnerweg“. Er kam mit Schürfwunden davon. Nach der Begehung des Schusterweges 1912 kam eine Seilschaft im Abstieg am Beginn der Stufen des „Turnerweges“ infolge schlechten Wetters und einbrechender Dunkelheit nicht mehr weiter – in späterer Zeit ein häufiger Grund für Bergwachteinsätze am Falkenstein. Zwei herbeigerufene erfahrene Kletterer, die Erstbegeher Karl Hradezky und Emil Vetter, bargen damals die Gruppe noch in der Nacht. Aus dem Jahre 1920 ist ein Unfall bei der Erschließung eines neuen Aufstiegs in der Südseite bekannt, der mit inneren Verletzungen endete. Am 5. April 1926 stürzte der Leipziger Richard Voigtländer am „Südriss“ tödlich ab. 1931 gab es einen Toten am „Hohen Riss“. Im August 1943 war dort der Tod einer Dreierseilschaft zu beklagen. Ein tödlicher Absturz durch Seilriss ereignete sich im Frühjahr 1942 an der „Nordwestkante“. Direkt im oft begangenen „Schusterweg“ wurden bis 1945 keine Unfälle registriert. Am 10. Oktober 1920 gelang Otto Dietrich mit der „Westkante“ die erste VIIc am Falkenstein, ein Weg allererster Güte, der inzwischen aber etwas im Schatten der „Direkten Westkante“ steht. Die zweite VIIc war dann 1922 der „Illmerweg“. Bei Fehrmann steht zwar dazu im Kletterführer von 1923 „lohnt nicht“, trotzdem vergisst keiner, der sich über den Briefkasten gewunden hat, dies so schnell, auch nicht den Ausstiegsriss. Möglicherweise hat Fehrmann seine Äußerung bald bereut, denn in seinen Kletterführernachtrag von 1927 findet sich ein Bild der Erstbegehung. 1922 gab es heftigen Streit um die erste Begehung des „Renger-Gedächtnisweges“ durch die Seilschaft um Paul Schöne wegen der Nutzung des 3. Ringes zur Unterstützung des Baumannes. Beim Ortstermin am 3. Juni 1923 gelang ihnen die einwandfreie Wiederholung nicht, dafür holten sich Rudolf Schneider und Gefährten an dem Tag die erste anerkannte Begehung. Damals war im Weg ein Wandbuch installiert. Im Bericht zur Vertretersitzung des SBB vom 12. August 1924 heißt es dazu: „In einer längeren Aussprache wird die Legung von Kontrollbüchern abgelehnt.“ Trotzdem blieb das ein Thema, denn Hans Heilmaier, Teilnehmer an der 3. Begehung, schrieb 1925 dazu: „Sind solch,Kontrollbücher' tatsächlich notwendig? Gilt nicht mehr das Manneswort, dass man den angegebenen Weg wirklich durchstiegen hat? Sind Treu und Glauben so aus der Mode gekommen?“
Prominenten Besuch aus dem Alpenraum erhielt der Falkenstein im Mai 1932: Toni Schmidt, einer der Erstbegeher der Matterhorn-Nordwand, durchstieg im Mai 1932 u. a. mit Fritz Birkigt und Willy Ehrlich den „Hohen Riss“. Ewiger Rekordhalter am „Hohen Riss“ wird wohl Hans Heilmaier (1899–1991) bleiben, der 1941 diesen Weg 21-mal durchstieg, insgesamt zwischen 1920 und 1962 genau 435-mal. Während an der benachbarten Zinne alle Wege bis 1945 innerhalb von 20 Jahren, zwi- schen 1899 und 1919, erschlossen wurden, kamen in den 1930er Jahren am Falkensteinweitere 5 Wege im Schwierigkeitsgrad VIIb/c hinzu, darunter „Häntzschelweg“, „Schefflerweg“ und „Schwefelbrüderweg“. Die
Erschließung bis 1945 endet am 16. Mai 1937 mit der „Nordwand“ Sie wird erst 1948 fortgesetzt und zwar dann ganz scharf mit dem „Wünschequergang“. Der wurde später mit VIIIb bewertet und zu DDR-Zeiten unter den so genannten Meisterwegen geführt.

Christian Glaser

Klettersportliche Entwicklung am Falkenstein nach 1945

Nach dem Wünschequergang 1948 kam die weitere Erschließung am Falkenstein nur langsam in Gang. Zunächst war das
1951 Dietrich Hasse mit Sonnwendweg VIIc und Westgrat VIIIb, danach Lothar Brandler (Südwand VIIIb, 1954) und 1956 Wulf Scheffler mit der Direkten Westkante VIIIb. In der Ära Bernd Arnold explodierte die Erstbegehungsintensität, über 20-mal allein taucht sein Name auf – vom sehr eindrucksvollen Direktausstieg zum Renger-Gedächtnisweg (VIIIa, 1968) über Direkter Westgrat (1969, VIIIb – mit Umgehung der komplizierten Baustelle im Originalweg) zum Drachenrücken (VIIIc, 1978) und schließlich in der Schwierigkeit immer höher bis hin zur Buntschillernden Seifenblase (1981, IXb) und zum Vakuum (Xa, 1983). Was blieb da für die anderen Erstbegeher? Neben Außenseitern wie Fremdenführe von Peter Hähnel und Hungerkante von Dieter Rülker (beide 1966, VIIIa) ragen einige neue Wege weniger wegen höchster Schwierigkeiten heraus, vielmehr wegen schöner Kletterei verbunden mit guter Weganlage: Reginawand von Holger Hebold, Schönwetterwand von Lutz Hilbenz oder Der Zittauer vom Zittauer Thomas Meier. Die Erstbegehungen der letzten Jahre sind meist im IX. bis XI. Schwierigkeitsgrad angesiedelt (Thomas Willenberg, Matthias Werner, Uwe Richter, Frank Meißner, Thomas Küntscher, Robert Leistner, Gilbert Mohyla, Chris-Jan Stiller). Es ist müßig, hier alles im Detail aufzuführen, das kann im aktuellen Kletterführer nachgelesen werden. Dort sind insgesamt 146 Wege und Varianten am Falkenstein verzeichnet. Man sollte niemals nie sagen (Rudolf Fehrmann im Kletterführer 1923: „Die Zahl ... lohnender neuer Wege ist nur noch sehr beschränkt.“), aber beim Betrachten der Routendichte auf Anstiegsskizze und Foto-Topo kann man sich nur schwer vorstellen, dass zukünftig für Erstbegeher noch viel zu holen ist. Lassen wir uns überraschen! Apropos lohnende Wege. Ich habe mal die Besteigungen des Jahres 2010 ausgezählt. Trotz einer gewissen Dunkelziffer (nicht jeder trägt sich ins Gipfelbuch ein bzw. einige ungenaue Eintragungen), kann man doch von der Häufigkeit der gekletterten Wege zumindest auf die Beliebtheit schließen. Es verwundert nicht, dass der Schusterweg an vorderster Stelle steht, bietet er doch mit Porzellankante, den schrägen Kaminen, Rinnen und mit den beiden Reitgraten schöne, abwechslungsreiche Kletterei in moderater Schwierigkeit. Das wollten 495 Seilschaften bzw. Alleingeher haben. Danach lange, lange nichts, bis in der Klasse 40 bis 45 Begehungen Südriss (auch direkt) und Kotzwand folgen. Überraschenderweise pegelt sich hier auch der klassische Turnerweg ein – wegen der Schönheit oder als Tribut an die Leistung der Schandauer Turner vor langer Zeit? Dann kommt schon der Renger-Gedächtnisweg (auch mit Varianten) mit 30 Begehungen. Etwa 15-mal wurden Reginawand, Schönwetterwand und Direkte Westkante durchstiegen. Dass der Hohe Riss, in früheren Zeiten ein sehr beliebter Weg, nur 13 Begehungen aufweist, überrascht ein wenig. Die folgenden Wege liegen zwischen 5 und 10 Durchsteigungen: Der Zittauer, Kombination, originale Westkante, Rohnspitzlerweg, Nordwestkante, Südwand (mit Varianten), Drachenrücken, Nordostweg, Falkenschlucht und Strubichweg. Immerhin dreimal wurde die Buntschillernde Seifenblase ins Gipfelbuch eingetragen. Letztlich tauchen noch knapp 30 weitere Wege und Varianten mit Einzelbegehungen auf. Das heißt aber auch, dass fast 100 Aufstiege keine Begehungen im Jahr 2010 erhielten. Die Begehungen innerhalb eines Kalenderjahres lassen allenfalls eine Tendenz erkennen, um signifikante Aussagen treffen zu können, erscheinen Zählungen über mehrere Jahre sinnvoll.

Michael Schindler


 
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