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Klettern am Lilienstein


Auf Grund der ziemlich unbedeutenden Kletterfelsen zog sich die Erschließung des Liliensteines über einen längeren Zeitraum hin, da die Erstbegeher sich anfangs lohnenderen Objekten in anderen Teilen der Sächsischen Schweiz zuwandten.Am Lilienstein gibt es drei Klettergipfel. Das sind der "Heini" der "Liliensteinwächter" und die "Liliensteinnadel".
Als erstes wurde am Lilienstein die sogenannte "Liliensteinnadel" erstiegen. Am 14. September 1906 bezwangen Richard Pötzsch und Johannes Klitzsch von den "Mönchsteinern" aus Pirna den Gipfel, indem sie in der Scharte nach oben spreizten. Die Schwierigkeiten hielten sich in Grenzen und werden im Kletterführer mit "Zwei" eingestuft. Die nächste Erstbegehung an diesem Felsen finden wir in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Es sind der Nordwest- und der Talweg mit Schwierigkeiten "Drei" und "Fünf". Das erste Ausrufezeichen setzte der Ausnahmekletterer Walter Lenk mit seiner Seilschaft, als er am 30. Mai 1949 die Südostkante bezwang. Man hat sie mit der Schwierigkeit Vllc eingestuft. Auch optisch gesehen ist es eine beeindruckende Kante, die sich da in Richtung Gipfel zieht. Dies war auch der Startschuss für weitere anspruchsvolle Talwege, die sich den guten Kletterern anboten. In einem der letzten Kletterführer werden über zwanzig Aufstiege beschrieben, die sich bis zur Schwierigkeit im "achten" Bereich gehen. Wir können sie gut vom Hörnelteich aus sehen, weil sie sich deutlich von der Südseite des Liliensteins abhebt.
Nimmt man den Südaufstieg, um auf den Lilienstein zu kommen, sieht man links in der Ausstiegsschlucht den "Liliensteinwächter", Da er dicht am Massiv steht, ist er ziemlich unauffällig. Man erkennt ihn meist erst als Kletterfelsen, wenn man oben in Richtung Westaussicht geht und unterhalb auf dem Gipfel Kletterer sieht. Erstbestiegen wurde er im März 1921 durch die Königsteiner Herbert Thierbach, Alexander Weyhmann und 0. Weller. Es gibt 12 Wege und Varianten an ihm. Interessant ist, dass sich vor einiger Zeit ein Block in seiner Schartenseite löste, nach unten rollte, aber von einem Baum so abgelenkt wurde, dass er ohne Schaden anzurichten ein Stück tiefer zerborsten liegen blieb.
An der Nordseite des Liliensteins finden wir den "Heini". Im Kletterführer wird Helmut Großer als Erstbegeher angegeben. Er stammt ja aus Gohrisch und gehörte den "Hunskirchlern" an. Doch wie bei manch anderem Klettergipfel liegt auch bei ihm die Erstbegehung im Dunklen. Andreas Schneider aus Ebenheit teilte mir mit, dass sie schon als Kinder auf ihm herumgekraxelt sind. Bei solchen Gipfeln wird dann die zuerst dokumentierte Besteigung angegeben. Der "Alte Weg" ist mit der Schwierigkeit "Drei" eingestuft. Ansonsten ist er kleingedruckt. Dies zeigt an, dass er wenig bedeutend ist.
Man sollte ihn aber deshalb nicht abschätzig beurteilen. Im Endeffekt ist es egal, ob man von einem bedeutenden oder unbedeutenden Gipfel herunterfällt. Von Vorteil ist es aber, wenn man alle Klettertouren mit Vorsicht und Respekt angeht, Schlendrian und Routine sind keine guten Begleiter. Zwei Gipfel - die "Liliensteinbarbarine" und der "Waltersdorfer Turm" - waren ursprünglich als Kletterziel anerkannt, sind aber aufgrund der nicht vorhandenen Mindesthöhe wieder gestrichen worden.
Bei der "Liliensteinbarbarine" ist der Erstbegeher unbekannt. Um 1949 eröffneten die "TC Arnsteiner 1939" einen Talweg mit Ring in der Schwierigkeit "Sechs" oder "Sieben". Der obere Teil sieht jedoch so aus, als ob er jeden Moment herunterfällt. In dieser Hinsicht war es auch angebracht, ihn zu sperren. Der "Walterdorfer Turm" an der Nordseite wurde von Günther Dreyer vom "TC Zugspitzler 1912" als Erster begangen.
Es muss noch angemerkt werden, dass es zu DDR-Zeiten einen Arbeitsausschuss "Erfassung unbeschriebener Berggipfel des Elbsandsteingebirges" gab, der von Dietmar Heinicke geleitet wurde. Ihm oblag es, die sogenannten "Quacken" zu überprüfen und zu entscheiden, ob sie im Kletterführer aufgenommen werden. Anfangs schätzte man die Höhe der Gipfel ein, aufgrund von Unstimmigkeiten ermittelte man später mit Hilfe des Bandmaßes die genaue Höhe des Felsens. Am und im Umfeld des Liliensteins gibt es noch mehrere Kletterblöcke, die aus den verschiedensten Gründen nicht anerkannt wurden.
Dies sind:
"Lilienstein-Ostecke"- wahrscheinlich mit der "Auerhahngucke l" identisch
"Auerhahngucke ll" - unterhalb von ersterer, steht zu nahe am Massiv
"Liliensteinmurmel" und "Kleiner Turm" sind größere Blöcke im Absturzbereich.
"Ouarkkeulchenspitze" ist noch erwähnenswert. Sie steht auf der Steinbruchhalde und ist ein Überbleibsel des Sandsteinabbaus.
Bergfreunde mit Humor haben sie zünftig mit Ringen, Buch und Abseile ausgestattet.. Es ist jedoch möglich, dass man sie im Vorbeigehen übersieht.

Massivklettern am Lilienstein

Am Lilienstein muss man sich aber auch mit der Thematik des Massivkletterns befassen. Eigentlich sind bei uns nur Klettergipfel zugelassen, die freistehend sind (Gegenwärtig ca, 1100 mit über 17000 Kletterwegen). Massivwände sind dementsprechend von oben her erreichbar. Doch wie überall, gibt es zum Glück auch Ausnahmen. Drei Stellen hat man in der Sächsischen Schweiz für das Massivklettern frei gegeben.
Dies sind:

- Abrazkykamin an der Festung Königstein,
- ein Aufstieg an der Südwand des Großen Zschirnsteins,
- Westecke am Lilienstein.
lm März 1986 wurde zwischen dem BFA Dresden und dem StFB Königstein, vertreten durch den Vorsitzenden S. Anders und Mitarbeiter: Dr. J. Stein, eine Vereinbarung unterzeichnet, die das Klettern an besagten Stellen möglich machte. Das Büro des Präsidiums des DWBO hat auf Antrag des ZFK Felsklettern dann im März 1988 beschlossen, die Klettereien an diesen Massiven zuzulassen.



Lilienstein Westecke
Die Geschichte des Massivkletterns reicht jedoch weiter zurück. Es gibt eine Notiz vom 31. Dezember 1894, wo Oscar Schuster und Friedrich Meurer an der Morgenseite (N0- Wand) den Lilienstein bestiegen haben. Die jetzt frei gegebene Westecke wurde schon am 7. August 1943 durch Hans Heilmaier in der "Südschlucht" mit der Schwierigkeit "Vier" begangen. Die eigentliche Erschließung begann 1960 mit der Begehung der Westkante mit der Schwierigkeit Vllb. Der Erstbegeher Dieter Rauchmaul bezwang sie mit seinen Gefährten. Ca. vierzig Wege und Varianten, die bis in den "Zehner"-Schwierigkeitsgrad gehen, sind bis jetzt erschlossen worden. Auch ein Bergsteiger aus Ebenheit hat sich daran beteiligt. Es handelt sich um Andreas Schneider von den "Lorenzsteinern". Mit seiner Seilschaft stieg er an der "lnfluenzakante" (Vllb) nach oben. Nach einigen Ungereimtheiten finden wir heute seinen Namen im Kletterführer.
Ansonsten gibt es dort kein Gipfelbuch. Es sind zwei Wandbüchervorhanden, in die man sich eintragen kann. Mit Hilfe von zwei Abseilösen kann man dann relativ schnell wieder den Ausgangspunkt seiner Klettertour erreichen. Es ist jedoch von Vorteil, wenn man ein genügend langes Seil zur Verfügung hat, damit man nicht in Schwierigkeiten gerät.


 
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