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Königstein 2015

Erhard > Ü 60 > Dies und das

Reinhold Messner auf der Festung Königstein 01. bis 02.08.2015
oder
Gott stellt jeden dahin, wo er gebraucht wird
(Den Erhard an die Seite von Reinhold, wenigstens ab und zu)

Endlich, könnte man sagen. Endlich kommt Reinhold wieder an die Wiege des Freikletterns. Na gut, zumindest in die Berge mit dem ersten Kletterführer, in dem die hohe Kunst des Kletterns ohne künstliche Hilfsmittel erstmals festgeschrieben wurde.  Liegt doch die Festung (fast) mitten im schönsten Gebirge der Welt und der Veranstalter der  „Festung Aktiv“ hatte die Idee, den großen Meister der Berge der Welt, das lebendige Denkmal des größten Grenzgängers aller Zeiten (der „Alpinkönig“ steht im Sandsteinschweizer, weitere Superlative gefällig?) hier zu dieser Veranstaltung mit meiner Hilfe einzuladen. Ich weiß bis heute nicht, ob es das liebe Geld (wahrscheinlich) oder meine angebotene Rundumbetreuung auf Grund meines zufälligen Bekanntheitsgrades dort in Südtirol (mein fünftes privates Treffen!) war, dass Reinhold der Einladung folgte. Und da ich in einigen langen abendlichen Gesprächen mit ihm seine Interessen an uns kletternde Sachsen kannte, war es auch ziemlich leicht, ein ihn interessierendes Programm zusammenzustellen. Zusätzlich zu dem abendlichen Vortrag „Über Leben“ auf der Festung. Auch wusste ich um seine hohe Meinung von uns sächsischen Kletterern. So galt es vor allem darum, ihn auf keinen Fall zu enttäuschen und seine Reise zu uns mit einem hohen Informationsgehalt in Sachen Klettern gestern, heute und morgen zu füllen.

Der Samstag
So geschah es. Ich holte ihn Mittag in Dresden ab und dann tauchten wir erst einmal in die Geschichte ein. Auf der Bastei  sahen wir uns die Ausstellung Kunst & Natur im "Schweizerhaus" an und mein Bergfreund Frank Richter, der Kurator dieser Ausstellung,  war so nett uns durch die Ausstellung kompetent, informativ und freundlich zu führen. Das war einer von Reinholds ganz großer Wünschen, diese berühmten Bilder der Hasse – Stiftung zu sehen. Seine sechs großen Museen leben ja zu einem Teil von den bildhaften Kunstwerken der Berge aus aller Welt. Es war sogar noch Zeit, Eindrücke an der Basteiaussicht zu sammeln. Weniger die eines Spießrutenlaufes durch die fast alles in Sachen Bergsteigen “kundigen“  Basteibesucher, sondern durch die Aussicht auf die Kletterfelsen über der Elbe an diesem wunderschönen Tag, geeignet zum Heldenzeugen.


      
Dem Wunsch des Veranstalters entsprechend waren wir dann Nachmittag rechtzeitig am Fuße des Königsteins und wurden von den Veranstaltern, Frau Dr. Angelika Taube ( Festungschefin)  und von Andersen Teubert (Xadventure) begrüßt. Zunächst ließen wir uns von Herrn Abratzky beeindrucken, der als Schornsteinfeger am 19. März 1848 aus Armutsgründen zum ersten Kletterer der Welt wurde. Dem widersprach der große Meister, geklettert wurde schon immer auf dieser Welt, die Hirten zum Beispiel. Und die Frage nach dem ersten Kletterer ist überhaupt unsinnig und an Paul Preuß kommt sowieso keiner vorbei, allenfalls der Fehrmann steht noch ganz hoch am (Kletter-) Himmel. Vielleicht kommen dann sogar wir alle, die Sachsen mit Fritz Wiesner und Bernd Arnold an der Spitze.


   
Anschließend war der Veranstalter der Meinung, dass Reinhold nur wegen dieser berühmten Festung, sicher von drei größten Europas die schönste, gekommen war. Frau Dr. Taube ließ es sich deshalb nicht nehmen, uns privat nach der Sperrstunde durch (fast) alle Bauten zu führen. Ein großes Erlebnis! Reinhold zeigte sich interessiert und geduldig. Meine größte Tat an diesem Wochenende war es, die Festungschefin von dem Königstein als ganz großes neues Bergsteigermuseum (mein Lebenstraum) mit Reinhold als einer der Schirmherren überzeugt zu haben! In ein paar Jahren; was lange währt wird gut, vielleicht.
Danach war der Vortrag auf der Freifläche des größten Tafelberges der Sächsischen Schweiz. Reinhold zog nun wie immer als die ganz große Persönlichkeit in Sachen Bergerlebnis 1000 Zuschauer in seinen Bann. Unter der Moderation von Thorsten Kutschke wurden zwei weitere Hauptpersonen des Wochenendes vorgestellt: Heinz Zak und Bernd Arnold. Das gab der Veranstaltung einen noch würdigeren Rahmen. In gewohnt sicherer Manier gab in den Pausen Reinhold Autogramme, signierte seine Bücher und ließ viele Selfies über sich ergehen.


    
Mitternacht war alles zu Ende. Am Parkplatz wurden wir noch von einem weiteren Bewunderer Reinholds überfallen. Peter Popp überreichte sein neuestes Kunstwerk „Teufelsturm im Winter“.


    
Bevor wir uns dann endlich in die Alte Försterei im Bielatal zurückzogen und noch zwei Stunden bei Käse und Wein (Danke Fam. Teubert!) Gott und die Welt und die Berge an uns vorbeiziehen ließen. Das sind die Sternstunden eines sächsischen Kletterers, der sich nicht scheute, alle erdenklichen Fragen zu Reinholds Leben zu stellen, unser geliebtes Gebirge in allen erdenklichen Facetten zu beleuchten und am Ende Reinhold als Bergkamerad, Freund, Kunstkenner, Sachkundigen und Richter in allen Fragen der Berge und vor allem auch als ganz normalen netten Menschen noch näher kennenzulernen. Danke Dir, Schicksal und Reinhold! Auch für Dein neuestes Buch und dafür, dass Du der Geschichte der Erstbesteigung des Matterhorns und den Schweizer Bergführern Gerechtigkeit getan hast!


    
Der Sonntag

So wünsche ich mir jeden Sonntagsmorgen: Im Saal der Alten Försterei gemeinsam mit Reinhold und Bernd Arnold ein sehr opulentes Mahl nach reichlicher südtiroler Art einnehmen und über Klettern reden. Schnell ist auch das Halbtagesprogramm gemacht, in Hohnstein. Erst in Bernds Büro- Heiligtum, von dem es heißt, dass nur wenige Auserwählte es betreten haben. Nachdem sich beide Alphatiere einem Gedankenaustausch hingegeben hatten, erfüllte sich mir (und sicher auch Reinhold, dem Reliquiensammler) ein Herzenswunsch: Ich konnte das Beil des Oliver Perry Smith sehen, das dieser am Wilden Kopf im Schulterriss des Alten Weges vor über 100 Jahren versenkt hat. Und mit dem  allerersten Ring der Sächsischen Schweiz am Großen Wehlturm sah ich erlebte handfeste Geschichte!


    
Ein Besuch der Burg Hohnstein war ein weiterer Herzenswunsch von Reinhold. Auch mit dem Hintergedanken, uns nach Kenntnis aller infrage kommenden Objekte bei  der Auswahl eines künftigen großen Museums beraten zu können. Und da es keinen besseren Kenner der Geschichte unseres Gebirges gibt, als meinen Bergfreund, den Bergsporthistoriker Joachim Schindler, übernahm dieser auch die Führung durch das historische Gemäuer. Erkenntnis: Ja, es ist noch (!) Leben auf der Burg; ja, es ist die interessanteste Burg mitten im Herzen unserer Felsenwelt; ja, es gibt sie noch!
Aber es gäbe noch soooo viel zu tun!


    
Nun blieb sogar noch Zeit für einen Besuch der Brandaussicht. Bei einem kühlen Getränk kam es zu einem Gedankenaustausch über unser Klettern in der Sächsischen Felsenwelt, die bei Reinhold einen ganz hohen Stellenwert hat. Besonders unverständlich bleibt ihm allerdings, wie allen sachkundigen fremden Bergfreunden auch, dass wir uns selbst die aus der Historie heraus angelegten Beschränkungen der kletterbaren Felsenwände (leider nur Gipfel) auferlegt haben. Und nun nicht in der Lage sind, das zu ändern. Ich habe es ja schon mit meiner Geschichte „Tod eines Kletterers“ vor ein paar Jahren aufgeschrieben, wie einfach das wäre, s. www.barbarine.de.


    
So, das waren 24 Stunden mit Reinhold. Bei der Rückfahrt zum Flughafen  gab es noch eine fruchtbare Diskussion über die Ursprünge der Sächsischen Kletterregeln zwischen Reinhold und Joachim, im Ergebnis dessen der Achim ganz einfach in drei Tagen die „Details so genau wie möglich wunschgemäß aufgeschrieben und auch Scans gefertigt“ (so orig. Schindler!) hat
Was bleibt nach dem Abschied?  Die Hoffnung auf ein Wiedersehen. Bis dahin wollen wir, jeder auf seine Art, die Berge genießen
Erhard Klingner, an einem heißen Tag in Leipzig im August 2015

 
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