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Erhard > Meine Bergfreunde










Lothar Roßner
Ein Gruß oder wie seine Bergfreunde ihn sehen
Lothar wurde am 25. 10. 1934 geboren, also vor einer unvorstellbar langen Zeit!
So alt wird kein Schwein, könnte man meinen; vor allem bei so einem interessanten Leben.

Es fing schon bei der Geburt an:

Gott sprach: „Es soll ein ganz besonderes Kind werden!“ Und siehe da, er wurde ganz besonders klein!
Der Teufel sprach: „Er soll etwas ganz besonderes werden. Sein Name sei Katze, mit deren Eigenschaften. Und er soll sieben Leben
haben!“
Gott sprach: „Er soll ein ganz besonders lieber, netter, fleißiger und bescheidener Mensch werden. Er soll Bergsteiger
und der beste aller Bergkameraden werden.“

So, nun wollen wir doch mal sehen, ob das alles eingetroffen ist.
Mit den Eigenschaften schon, aber sonst:.
Wenn man so sieht, wie er sich sein Leben lang immer mit vollem Einsatz engagiert hat. Erst in seiner Kinowelt als Künstler und Praktiker vor und nach der Wende; und sogar von seinem letzten Wessichef mit einem dreimonatigen vorfristigen bezahlten Abgang ins Rentnerleben belohnt wurde, was ja damals 1999 gar nicht so selbstverständlich war.
Später bei Alpin Technik. Wo ihm auch wegen seines Fleißes, Ordnungssinns und Mitdenken im Sinne des Unternehmens zu verdanken ist, dass die Firma trotz schwierigster Sanierungsarbeiten an einem 190m hohen Kühlturm den Ruf als sichere und ordentlichste Baustelle bekam.
Und immer für seine Sektion Empor Lindenau und dann den Alpenverein. Aber das ist ja nun bekannt. Dumm ist nur, dass er für das viele Lob und die Auszeichnungen sich nichts kaufen kann. Im Gegenteil, bei einer seiner vielen Arbeiten an der neuen Rathener Hütte hätte ihn beinahe doch der Teufel geholt: Das Geld langte 2007 schon lange nicht mehr, um sein Auto durch den TÜV gehen zu lassen, da reagierte er sich einfach an den Hüttenarbeiten ab. Und dabei wurde ihm auch noch sein guter Fotoapparat gestohlen, der ja unabdingbar für sein liebstes Hobby fotografieren und dokumentieren war. Da gestand er uns, dass er beinahe gesagt hätte: „Jetzt hat der Teufel mir das Auto und den Foto genommen, nun kann er auch mich haben!“. Gott sei Dank hat er das nicht getan!
Wie ist das nun mit den sieben Leben?
Ja, er hat sieben Leben. Bevor er Bergsteiger wurde, hat er bis zu einem Unfall am Reck geturnt. Er hat sich nur(!) die Wirbelsäule angebrochen (das erste Leben) und ist dann im zarten Alter von 19 Jahren, um das Schicksal herauszufordern und um die Prophezeiung zu prüfen, bergsteigen gegangen.
Der Anfang war so: 1953 ist er mit Fritz in die Sächsische Schweiz gefahren, das erste Mal Berge sehen. Sie waren noch nie klettern, aber ein Seil hatten sie schon vorsichtshalber mit, von Lothars Onkel den alten kurzen 16mm Hanfstrick, also eine bessere Wäscheleine. Am zweiten Tag nahm sie Max Donner zur ersten Klettertour an der Gans mit. Offensichtlich war Max ein guter Kletterer, aber ein schlechter Pädagoge. Max machte die Seilschaftseinteilung: „Katze, du gehst mit mir die Südwand und du, Fritz, gehst rechts allein den Gühnekamin hoch!“ . Als Fritz vor dem Kamin stand, erschien ihm ein Hochsteigen erst unmöglich. Aber als Max ihm das Kaminstemmen zeigte, war das kein Problem mehr. Nur der Weiterweg nach dem ersten Kaminstück erschien wieder aussichtslos. Also rief er dort nach Max, nach der anderen Seilschaft. Es muss so eine Art Hilferufe gewesen sein, denn alle Bergfreunde, die an diesem Tage in Rathen waren, erzählen noch von dem „Maaaaaa…aaaax“ – Ruf, der durch die Rathener Wände schallte. Irgendwann hörte Max ihn und antwortete, dass er nun auf seinem Weg in der Südwand (VII !) weitersteigen sollte. Er würde ihm vom Ring aus das Seil zuwerfen. So geschah es auch. Aber Fritz konnte mit dem losen Ende nichts anfangen. So kam später erneut das Seil mit einem Knoten herunter. Was sollte Fritz nun damit? Erhatte noch nie ein Seil oder einen Knoten gesehen. So wickelte er die Schlaufe um eine Hand und stieg bis zum Ring!. Dort zeigte ihm Max das Einbinden ins Seil. Sie lebten auch noch, als sie den Hartmannweg wieder abgestiegen waren und leben noch heute.
Vielleicht waren die Fahrten in die Sächsische Schweiz damals noch gefährlicher, als klettern. Weil diese mittels dem Konsumauto, dem LKW von Egon Glaser, auf provisorischen Holzbänken geschah. Wir Älteren können uns noch gut erinnern und  den Jüngeren versichern, wir hatten dabei mindestens genau so viel Spaß wie heute. Und wie man sieht, auch alles überlebt.
Den Namen „Katze“ hat er sich nicht nur durch die Überlebenstests in jungen Jahren verdient, sondern auch immer wieder im weiteren Leben verteidigt. Es gibt sogar noch Bilder, die das belegen. Auf einem sieht man Katze nackt in ein winziges, nur knapp gefülltes Kinderplasteplanschbecken mit einem wahnsinnigen Satz springen. Oder an der Neumannmühle, wie er vom Straßenrand in die flache Kirnitzsch springt!
Nach der Wende war Lothar in den Bergen der Welt, vorher nur in der Tatra, aber dort oft. Und alles überlebt. Uns hat er anvertraut: Einmal nur knapp, sehr knapp. In einer Mehrseillängentour war er einmal Seilzweiter, am Standplatz mit Standhaken und sicherte. Der Seilerste weit oben legte eine Schlinge unter einen Block, eine Knotenschlinge, wie es nur Sachsen tun. Und um die Festigkeit zu prüfen, zog er kräftig daran mit dem Ergebnis, dass der ganze große Block sich löste und mit dem Seilersten in die Tiefe Richtung Standplatz fiel. Doch kurz davor straffte sich das Seil, Lothar wurde mit samt dem Standhaken von seinem Platz weggerissen und…lebt noch Gott sei Dank unter uns!
Die Beweise der grusligsten Geschichte liegen in seinem Historienzimmer: Ein abgebrochener Abseilring, den vom Häntschelturm in den Affensteinen. Es war schon in den 50er Jahren, als nach der erfolgreichen Besteigung Lothar das durch den Ring gefädelte Abseilseil in hohem Bogen ins Tal warf und er mit dem abgebrochenen Ring in der Hand da stand und wie durch ein Wunder nicht hinunter fiel.
Er hat ein wunderbares Grundstück in Eilenburg, Hanglage mit Blick über die DDR; schöner geht’s nicht. Liebevoll mit künstlerischen Elementen innen und außen ausgestaltet. Bergfreundinnen aufgepasst: Es  gibt auch ein lebensgroßes Modell in Holz, eine Art Selbstporträt von Lothar mit großem Penis und weitere Sehenswürdigkeiten unter dem Motto: „Wunschdenken eines alternden Bergsteigers“ o.ä.. Jedenfalls ist er oft und gern dort. Eines Tages ist er dort fehlgetreten und umgefallen. Einige Stunden später ist er aufgewacht und konnte sich nach einiger Zeit ein bisschen bewegen und irgendwie dann lange Zeit später sogar ins Auto steigen und zum Arzt fahren. Diagnose: Wirbelsäule angebrochen, Glück gehabt!

Wie viel Leben waren das? Nur einige, die anderen sind uns nicht bekannt. Wir lauschen Dir gern, lieber Lothar, wenn Du mal wieder betrunken bist. Was ja leider nicht so oft vorkommt. Oder kommt jetzt erst der zweite Teil? Du hast es gut: Bleib einfach so wie du bist, dann hast du noch lange viele Freunde und kommst in den Himmel, siehe oben.

Deine Bergfreunde mit Erhard an der Spitze

 
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