- www.barbarine.de

Suche auf Seite
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Erhard > Literarisches > Persönliches > Enkel


Konrad in Mallorca im Oktober 2009

Liebe Mutti!

Du kannst Dir ein Beispiel nehmen, hier, wie man Urlaub macht, ohne Berge und so wie ich das will. Mit den beiden alten Großeltern, Barbara und Erhard, die es mit mir ganz einfach haben. Sie legen bei Urlaubsbeginn am Flughafen ihren Willen ab und zu Hause wieder zu. Ausruhen können sie sich später auch ohne mich.
Schade, dass nicht immer Sonne und Wind waren. Ich kann dann den ganzen Tag ohne Unterbrechung mit den Wellen spielen und kämpfen. Erhard sagt zwar es ist zu kalt, aber das stimmt nicht. Außerdem habe ich sie überzeugt, dass Meerwasser gut bei so einer Erkältung ist, wie ich sie habe. Am besten war es am Strand von Sa Calobra. Nach der stürmischen Überfahrt mit dem kleinen Boot waren die wilden Wellen am Kiesstrand genau richtig für mich zum Toben. Man wird hin und her geworfen. Lustig wurde es, als Barbara ins Wasser gehen wollte, aber die Wellen sie umwarfen und sie sogar um Hilfe rief und Erhard einfach weiterfilmte. Na ja, danach konnte er sich was anhören!
Um sie bei Laune zu halten, gehe ich auch mit Wandern. Da kommen wir aber nicht weit, denn ich habe immer Hunger. So machen wir aller paar Minuten oder Meter eine Rast und es gibt etwas Leckeres aus dem Rucksack und ich brauche nicht weit zu Laufen. Und spätestens nach einer Stunde tut mir der Fuß weh und Erhard muss mir grausame Abenteuergeschichten erzählen, die ich so liebe, damit ich noch drei Meter weiterlaufe. Aber er scheint alt zu werden, denn seine Geschichten haben immer mehr Kapitel und werden kürzer.
Wenn ich will, kann ich sogar gut und weit laufen. Mit Erhard bin ich die berühmte wilde Schlucht „Torrente de Parais“ weit hineingelaufen. Laufend, springend und kletternd haben wir die gewaltige blockgefüllte Schlucht erkundet, viele überholend und die Fixseile nicht benutzend, also sportlich einwandfrei (nicht „uuunsportlich“, wie Erhard sagt). Dabei habe ich sogar etwas gelernt. Ich kenne jetzt den Unterschied zwischen Stalaktiten und Stalagmiten, die dort in großer Zahl an den Höhlenwänden sind. Es ist ganz leicht, sie zu unterscheiden. Erhard hat mir eine Eselsbrücke gebaut. Ich kann sie dir aber nicht verraten, weil ich sonst, wie hier in der Schlucht, rote Ohren kriege.
Auch abends haben sie Angst um mich. Sie sagen, wenn ich weiterhin so viel esse, werde ich bald neue Sachen brauchen und du kannst darauf schon mal sparen. Auch Angst um das Hotel „Eden“, in dem wir wohnen, wie jedes Mal. Zwar nicht mehr, dass es abbrennt, wie vergangenes Jahr. Darauf achten sie und das Personal wenn ich zum Toaster gehe. Aber sie sagen so was von Insolvenz oder Pleite nach jedem meiner 10 Gänge zum Buffet. Dabei esse ich nur das was mir schmeckt. Und nicht mehr, als mit aller Gewalt reingeht. Zum Beispiel am Anfang einen großen Teller Spaghetti. Erhard sagt, das schaffst du nie! Aber das ist nur die Vorspeise. Dann gibt es Milchreis und zwei kleine Cremtörtchen. Und weil dann alle so dumm gucken, esse ich noch mal eine größere Portion Milchreis und vier Törtchen und dann richtig viel Eis. Eigentlich kann ich überhaupt nur und immer Eis essen. Dann gehe ich zur Bar und spiele mit den Großeltern oder viel lieber mit Rosa und trinke was mir schmeckt. Nächstes Jahr wird wahrscheinlich Sangria mein Lieblingsgetränk, was Barbara und Erhard trinken.
Und die Abende vergehen wie im Flug. Meist wird es spät, denn mein Saurierbuch kann ich immer noch nicht auswendig. Erhard ist manchmal sehr streng zu mir. Wenn er sagt, du gehst jetzt ins Bett, sag ich einfach, ich gehe wenn ich will. Und Erhard darauf, ja, aber keine Minute später! Bevor diese Minute rum ist, beginnt Barbara zu mahnen. Da habe ich es noch leichter. Ich sage einfach: „Bärbel, warum musst du immer übertreiben!“ Und „Hmmm!“
Mit Rosa habe ich es nicht so leicht. Sie weiß alles besser. Solche Mädels sind zwar süß, aber ganz anders. Nun hat sich auch noch herausgestellt, dass sie als Hamburgerin auch klettert. Und spricht sogar vom 6. Grad, den sie in der Kletterhalle vorsteigt (wo ich die Kletterhallen nicht leiden kann). Nun habe ich ein Jahr Zeit zu trainieren. Auf jeden Fall muss ich dann besser sein als Rosa. Dann gehen wir hier auf Mallorca zusammen mit Erhard klettern. Mal sehen wer dann besser ist. Ohne Klettern ist Mallorca natürlich auch gut, besonders weil man auch Geburtstag feiern kann. Rosa hat immer Geburtstag, in Mallorca. Da werde ich eingeladen und bei Mario am Strand wird gefeiert und ich kann mit Rosa Tretauto fahren. Das übt für später.

Also, Mallorca können wir schon mal die nächsten Jahre buchen, zumindest im Oktober. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche und wie mir es dort gefällt!

Dein Konrad


 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü