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Konrad in Mallorca im Oktober 2010

Geheime Abschrift des Briefes an seine Mutter

Liebe Mutti!

Falls es Dir aufgefallen ist: Ich bin älter geworden, genau ein Jahr nach dem letzten Mallorca – Urlaub. Ich bin fast kein Kind mehr und es ist normal nach Mallorca zu fahren, ohne dass etwas passiert. Also zumindest nicht viel. Diesmal haben mir die Großeltern, die Barbara und Erhard, vorsichtshalber eine genaue Ausrüstungsliste mitgegeben und das sogar noch genauer kontrolliert, was ja in meinem Alter überhaupt nicht mehr nötig wäre. Aber diesmal haben wir viel Gepäck wegen dem Kletterzeug, das wir auch wegen Rosa mitnehmen und da wäre angeblich auch kein Platz mehr für Steine und DDR – Geld. Wie nachtragend doch ältere Leute sein können, wenn man kleine Fehler im Kindesalter gemacht hat!
Auch diesmal hat Rosa schon auf mich gewartet und ich auf sie. Erhard behauptet, ich würde nur wegen ihr dorthin fahren. Das stimmt aber nicht! Hauptsächlich fahre ich nach Mallorca, um mich auszuruhen von zu Hause und der Schule und um mal wieder lange im Wasser zu sein und Spaß zu haben und zu spielen.
Leider habe ich gleich am ersten Tag das Tretautorennen bei Mario am Strand gegen Rosa verloren. Aber das lag an dem schlechteren Auto. So war es gut, dass wir am nächsten Tag Klettern gingen an den Felswänden über dem Meer, unter den im Bau befindlichen 6- Sterne Hotel. Aber da ich dort nicht Barfuss klettern konnte, war ich auch nicht besser. Wahrscheinlich lag es an meiner Größe. Rosa ist immer noch ein klein bisschen größer; vielleicht muss ich aber auch noch ein bisschen trainieren. Ein paar Tage später an den großen Felswänden in Sa Gubia ging es dann schon viel besser. Schade, dass Rosa mich dort nicht gesehen hat.
Dafür hat sich Rosa an anderen Tagen richtig Zeit für mich genommen. Sie ist mit mir Einkaufsbummeln gegangen. Sie sagte, um meinen Geschmack zu schulen. Mir war es recht, ich musste ja deshalb auch nicht wandern.
Das größte Abenteuer war die Wanderung durch die berühmte Schlucht „Torrente de Pareis“, die einen hohen Wanderschwierigkeitsgrad hat, mit Kletterstellen darin und die man nur bei stabil gutem Wetter und mit Führer machen soll. Aber Erhard traute sich das mit uns. Mit Rosa und mir. Und beinahe wäre es auch nicht gut gegangen. Rosas Mutter Marion hatte es wahrscheinlich geahnt und ihr geliebtes Rosakind nur sehr zögerlich „freigegeben“. Gleich am Anfang wäre Rosa beinahe auf der Strecke geblieben. Sie war wahrscheinlich in ihrer Hamburger Gegend noch nie von Wege abgekommen, noch nie über glatte verschlammte steinige steile Pfade gelaufen. Der Anfang sah sehr gefährlich und unbeholfen aus. Aber irgendwie schaffte sie es dann doch noch und war am Ende ob der Schwierigkeiten vielleicht umso glücklicher. Jedenfalls mussten wir oftmals ganz schön lange auf sie warten. Da wir auch noch anderen begegneten, hatten wir manchmal viel Spaß dabei, wie ungeschickt sich manche anstellen. Wie sie überhaupt an Ende lebendig ankommen. Aber wahrscheinlich hält der liebe Gott seine schützende Hand nicht nur über Kinder und Betrunkene, sondern auch über Mallorca -–Schluchtwanderer. Am Ende wurden wir nicht nur mit einem herrlichen Badespaß in den hohen Wellen am Strand von Sa Calobra belohnt, sondern auch mit Getränken und Eis und mit einer ruhigen See bei der Überfahrt übers Meer zu unserem Heimathafen Porto de Soller. Und das Beste daran: Alles ist wie immer in Fotos und Videos festgehalten von Erhard.
Ja, wandern waren wir auch. Barbara und Erhard wollen immer wandern. Ich nicht. Aber manchmal hat man aber richtig Spaß dabei. Besonders wenn es hoch zur Muleta, zur Mühle, und zum Leuchtturm geht. Und wenn man eine nette schöne alte Frau wie Gerti dabei hat. Eine Frau, die noch nie wandern war, sich ihr ganzes Leben nur auf Golfplätzen und bei Reichen und Schönen herumgetrieben hat. Nun ist sie auch durch uns zu einer begeisterten Wanderin geworden und wir hatten dabei viel Spaß. Auch besonders am Abendbrottisch, wo sie es als angeblich sehr gewissenhafte selbstständige seriöse Frau es fertig brachte, immer eine etwas gefülltere Weinflasche zum Tisch zu bringen, aber leider auf unehrliche Art. Das Gute daran: Wir mussten oft darüber lachen, es war ja kein großes Verbrechen. Ich habe sie sogar manchmal belohnt, ich habe ihr vom Buffet einen besonders schönen Nachtisch zusammengestellt.
So komme ich auch diesmal gesund und erholt zurück.
Also, Mallorca können wir schon mal die nächsten Jahre buchen, zumindest im Oktober. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche und wie mir es dort gefällt!

Dein Konrad

 
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