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Die Babarine > Die Alten vom Berg > J - W

Oscar Schuster - geb. 01.10.1873 -  gest. 05.06.1917



Oscar Schuster war, „die große Persönlichkeit“ des Sächsischen Bergsteigens in den Jahren des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis zum 1. Weltkrieg. Geboren am 01.10.1873 als Sohn einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie in Markneukirchen im Vogtland. Auf Reisen mit seinen Eltern, lernte er sehr früh die Berge der Alpen in Italien und der Schweiz kennen. Als Gymnasiast besuchte er das Wettinergymnasium und die Kreuzschule in Dresden. Bereits im Jahre 1888, im Alter von gerade mal 15 Jahren,  begann Schuster seine Laufbahn als Bergsteiger im Sächsischen Fels. Ab 1889 führten Ihn Bergfahrten bereits in die Alpen und 1890 stand der noch junge Oscar Schuster bereits auf dem Matterhorn.

Anfänglich betrachtete Oscar Schuster die „Mittelgebirgskletterei“ noch als bloßes Training für seine Hochgebirgstouren. In den folgenden Jahren, erkannte Schuster jedoch mehr und mehr den eigenständigen Charakter des Kletterns im Sandstein und wurde einer seiner herausragernsten Erschließer in der frühen Hauptehrschließerzeit. Über 40 Erstbesteigungen und weitere 54 Beteiligungen an Erstbesteigungen, stellen Oscar Schuster in die erste Reihe der Bergsteiger jener Tage.

Oscar Schuster war jedoch nicht nur Sandsteinkletterer, er war auch ein exelender Alpinist jener Zeit. Bis 1903 bestieg Oscar Schuster allein 740 Gipfel in den Ost- und Westalpen und war mit 55 Erstbesteigungen oder Erstbegehungen auch ein bedeutender Erschließer der Alpen . 1907 bestieg Oscar Schuster, Berge auf den norwegischen Lofoten. Von 1910 bis 1914 kam Oscar Schuster in den Kaukasus wo er bedeutende Gipfelsiege erlangte. Am 27.06.1914 um 13 Uhr erreichte Oscar Schuster mit seinem freund Walter Fischer den Gipfel des Dombai – Ulgen mit 4015 m der höchste Berg des Weskaukasus. Es sollte sein letzter Gipfelsieg sein. Bei der Rückkehr im Tal erhielten Sie die Nachricht vom Beginn des 1. Weltkrieges. Auf dem Rückweg in Richtung Türkei wurden Oscar Schuster und Walter Fischer als Angehörige einer Feindlichen Nation in Russland interniert. Oscar Schuster, erlag den Strapazen der langjährigen Gefangenschaft an 05.06.1917. Ersollte seine Sächsische Heimat nicht wieder sehen.

Die Erstbegehung des Schusterwegs am Falkenstein im September 1892


(Oscar Schuster Tagebücher)

Der erste Versuch, diesen kühnen Wart zu bezwingen, den ich mit meinem Freunde M. Klimmer aus ? Dresden unternahm, mißlang. Es war um 1891, wenn ich nicht irre. Wir gingen über Postelwitz zur Westseite des Berges. Ich versuchte, daselbst in die Höhe zu klettern, hatte aber kein Glück; nun wandten wir uns gegen Norden (oder besser gesagt Nordwesten), wo eine steile Gasse durch die Wand hinabzieht, die aber ziemlich hoch oben abbricht. Ein sehr steiler Kamin vermittelt den Anstieg zur Gasse. Da aber das Wetter miserabel, der Fels naß war, so gelang der Versuch nicht - vielleicht ist ein Hinaufkommen ohne künstliche Hilfsmittel sogar ganz ausgeschlossen. Nun ging's durch greuliches Gebüsch auf die Ostseite. Hier fanden wir eine Leiter versteckt, kurz darauf eine zweite. Mit Mühe wurde eine derselben wieder zum Kamin zurückgebracht und angelegt. Trotzdem war ein Hinaufkommen nicht möglich. Nun ging's mit der Leiter wieder zur Ostseite. Dort machten wir trotz des Regens einen Versuch in dem jetzt gewöhnlich zum Anstieg benutzten Kamin. Endlich gaben wir, ohne zur ersten Terrasse gelangt zu sein, den Versuch auf und wanderten nach Schandau zurück.

Die I. Besteigung über die Ostwand (= Schusterweg),


Dienstag, 27. Sept. 1892 Früh 7.05 Uhr fuhr ich mit Klimmer vom Böhmischen Bahnhof ab. Über Schandau wanderten wir durch den Lattengrund zum Schrammtor. Von dort ging es pfadlos zur östlichen Wand des Falkensteins. Dieses Mal gelang es uns, den untern Kamin, der oben sehr glatt wird und nur wenig Griffe besitzt, zu besiegen und auf das erste Band zu steigen. Dieses verfolgten wir in nördlicher Richtung, bis es abriß. Böse Platten erhoben sich unmittelbar über uns, es schien unmöglich, die Wand zu erklettern. Da machte ich den Vorschlag, die unter der Wand stehengebliebene Leiter heraufzuholen und an den Platten anzulegen. Nach harter etwa einstündiger Arbeit hatten wir die Leiter glücklich am Seile über den Kamin hinaufgeschafft und an den Platten angelegt. Leider reichte dieselbe nur etwa 5 Meter hoch, dann begann die Kletterei. Dieselbe gestaltete sich zu einem sehr bösen Stück Arbeit. Ungemein glatt und abschüssig erheben sich die Platten, von kurzen Absätzen unter-brochen. Es geht direkt aufwärts, bis ein schmales Band den Ausweg nach links zu einem zweiten Bande zeigt, über dem sich die Wand überhängend erhebt. Man wendet sich nunmehr gegen die Nordostseite. Ein Spalt wird übersetzt, dann geht es auf dem Bauche über zwei Platten aufwärts, über die Überhänge hineinragen. Nach Überwindung dieses Stückes steigt man direkt durch eine kurze Rinne hoch zu einer starken Kiefer. Ein horizontales Band wird nun nach rechts verfolgt und darauf wieder ziemlich schlecht zu einem zweiten Baum direkt angestiegen. Dieses Stück war unter den damaligen Zuständen das gefährlichste der ganzen Tour. Schmale Grasbänder nur machten ein Hinaufkommen möglich, dieselben trat ich beim Abstieg zum Teil ab. (Jetzt ist an dieser Stelle ein Seil an einem Eisenstift befestigt.) Es folgt nun abermals eine Platte, die zu einer merkwürdigen Felsverklüftung hinaufführt. Diese Verklüftung wird durchstiegen, man gelangt wieder zu einem Baumstamm. Nun geht's im Reitsitz - das rechte Bein hängt frei über eine Riesenplatte hinab - hinüber nach rechts zu einem Band. Hier verloren wir viel Zeit. Ich machte an verschiedenen Stellen Versuche, die aber nicht zum Ziele führten. Schließlich verfolgte ich das Band nach links zu einer Art Felsnische. Durch diese geht es mit guten Griffen hinauf auf einen breiten Absatz, der ziemlich tief in das Massiv des Berges einbiegt. Ein Riß vermittelt den weiteren Anstieg. Derselbe wird jedoch nicht bis zum oberen Ende verfolgt, son-dern etwa in der Mitte auf ein ganz schmales Band gegen links ausgestiegen, das zum stolzen Gipfel hinanleitet. Um 1.10 Uhr nachmittags war derselbe besiegt. Er ist ziemlich unregelmäßig gestaltet und zeigt, - da große Zerklüftung herrscht -mehrere Spitzen. Auf der mittleren Spitze finden sich Initialen. Ziemlich abgespannt ließen wir uns nieder und betrachteten die herrliche Aussicht, deren Beschreibung ich einer kompetenteren Feder überlasse. Da wir den Abstieg um keinen Preis wieder auf der Anstiegsroute nehmen wollten, entschlossen wir uns, gegen Nordwesten auf der Route unserer Vorgänger abzusteigen. (Dies mißlang, da sie mit dem zum Abstieg gewählten Turnerweg nicht vertraut waren. Also stiegen sie zurück zum Gipfel, um sich nun doch wieder ihrer Aufstiegsroute zuzuwenden.)

Ich muß gestehen, daß es mir vor dem Abstieg bangte. Doch wir müssen hinab! Und das Vorhaben glückte. Um 15.30 Uhr etwa erreichten wir das untere Band (I. Terrasse). Da wir seit früh 7 Uhr etwa nichts genossen und getrunken hatten, stillten wir hier unsern ersten Hunger. Dann ging's durch den untersten Kamin und hinab nach Schandau.

Nach anfänglicher Verwendung künstlicher Hilfsmittel, am Beginn seiner bergsport-lichen Laufbahn, kam Oscar Schuster zunehmend davon ah und wurde zum Verfechter für ein „sportlich einwandfreies ", hilfsmittelloses Klettern im Elbsand-steingebirge. Auf ihm aufbauend, war es schließlich Rudolf Fehrmann, der die Hilfsmittellosigkeit im Sächsischen Bergsteigen vollends durchgesetzt hat.

Die Schusterplakette am Falkenstein
Ein Nachruf



Fern der Heimat, zu Astrachan verstarb im Juli 1917 Oscar Schuster, ein Opfer des unersättlichen Weltkrieges, in der Blüte seiner Jahre; er, dessen Fuß von allen Alpinisten wohl die meisten Alpengipfel betrat, der unerschrockene Wahrheitssucher und treue Bergfreund. Von der Wand seines letzten ärmlichen Heimes grüßten den todkranken  Kriegsgefangenen die Worte des Psalms: "Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen meine Hilfe kommt", die Worte, die der Leitstern seines Lebens gewesen. Die von berufener Seite stammenden Nachrufe auf  Oscar Schuster, welche bald nach seinem Tode erschienen, betonten übereinstimmend, wie er neben seiner Tätigkeit als Bergsteiger nie, besonders in den letzten Jahren seines Lebens, die Fortbildung seines inneren Menschen aus  dem Auge ließ, wie er, dem die äußeren Umstände gestattet haben würden, sich ausschließlich dem Bergsteigen zu widmen, sich noch in den dreißiger Jahren seines Lebens, nie müßig und unablässig bemüht, neue Kenntnisse und  Erkenntnisse zu sammeln, mit allem Eifer dem Studium der engeren Philosophie hingab. "Es war, wie es in einer von R. Fehrmann verfaßten Lebensskizze Schusters heißt, das Leben eines Kämpfers; reich, ungewöhnlich reich an Kampfzügen gegen die Naturgewalten, ebenso wie im Ringen um die Wahrheit, ein Leben voll fröhlichen Schauens,  wie ernsten männlichen Denkens." Wie er, fern allem sportlichen Snobismus, auch inmitten der Bergwelt, stets der tief  denkende Mensch blieb, erhellt sich dem, der seine hinterlassenen Tagebuchaufzeichnungen durchliest, aus so manchen kurzen Bemerkungen, manchem selbstverfaßten  oder zitierten Verse, die er sich notierte auf einsamer Hütte, durch die Ungunst der Witterung zu unerwünschter Untätigkeit gezwungen.

Nach mehrfachem vergeblichem Bestürmen eines neuen Anstieges in der Wettersteingruppe schreibt er die Worte in sein Tagebuch:

        "Die Vorwärtsdringenden,
        Die Aufwärtsstrebenden
        Die Ringer um des Glückes Huld
        Die brauchen am meisten unter Lebenden
        Die Simsonsstärke der Geduld."

Wie erwähnt, ist Oscar Schusters Bedeutung als Mensch und Bergsteiger bald nach seinem Tode von berufener Seite  gebührend gewürdigt worden. Als Ergänzung dieser Nachrufe, welche vorwiegend die hochalpine Seite seiner bergsteigerischen Laufbahn behandeln, mögen die folgenden Mitteilungen über seine Bergfahrten in der Sächsischen Schweiz dienen, die seinen durch letztwillige Verfügung in den Besitz der Akad. Sektion Dresden des D.u.Ö.A.V. übergegangenen Tagebüchern entstammen. -- Er selbst hat in früheren Jahrgängen von "Über Berg und Thal" über seine zahlreichen Neutouren Berichte im Führerstil veröffentlicht, es dürfte jedoch nicht ohne Interesse sein, auch die  unter dem unmittelbaren Eindruck des Erlebnisses niedergeschriebenen Tagebuchaufzeichnungen, an welchen ich mir nur geringfügige Kürzungen und stilistische Abrundungen erlaubte, und welche ich mit einigen erläuternden  Anmerkungen versah, kennen zu lernen. Leider sind bei einem Brande in früheren Jahren die zehn ersten Tagebücher vernichtet worden, welche über seine allerersten Kletterfahrten im heimischen Felsengebirge Aufschluß geben würden, die erhaltenen Tagebücher beginnen mit dem Jahre 1893.



 
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