- www.barbarine.de

Suche auf Seite
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Die Babarine > Die Alten vom Berg > A - I

Paul Ilmer geb. 05.06.1900, - gest. 11.04.1995

Wie ich Paul Illmer kennerlernte.
Dankwart Medger


Es war so etwa Mitte der 60. Jahre Ich muss damals so etwa 14 Jahre gewesen sein und ging nun auch schon einige Jahre klettern. Das Lehrbuch von Kurt B. Richter mit allem was damals zum klettern gehörte, hatte ich sozusagen intus. Mit meinen Bergfreunden von der damaligen BSG (Betriebs Sportgemeinschaft) Rotation Dresden, waren wir in den Schrammsteinen unterwegs. Am Fuß des Bergfex lagerte eine Gruppe von Schülern mit Ihren Lehrer und einige versuchten sich am Alten Weg.
Unser Ziel war jedoch die Westkante. Da ich die Westkante noch nicht hatte, durfte ich vorsteigen. Als ich nun den Gipfel erreichte saßen dort: ein älterer Bergsteiger und 2-3 von den Schülern. Wie es Tradition ist begrüßten wir uns mit einem zünftigen „Berg Heil“ und reichten uns die Hand.

Ich sicherte mich und holte Sam (Heinz Sparwart) nach. Der ältere Bergfreund erklärte den Schülern einiges vom Bergsteigen und benannte die umliegenden Gipfel. Dabei machte er sich zum Sichern des nächsten Nachsteigers fertig. Aber Ach oh Graus! Was war das?

Damals war es in Sachsen üblich mit der sogenannte Schultersicherung im Doppel-kreuz zu sichern, moderne Sicherungsgeräte waren noch in weiter Ferne.
. Doch was machte der offensichtlich erfahrener ältere Bergfreund. In der für Sachsen unmöglichen sogenannten französischen Alpin Sicherung, sicherte er den Nachsteiger. Trotz meiner jungen Jahre, konnte ich mich nicht enthalten, den älteren Bergfreund belehrend darüber aufzuklären was ich von seiner Sicherungsmethode halte. Ohne mich eines Blickes zu würdigen verrauschte mein Kommentar in den weiten der Schrammsteine. Stur sicherte er auf seine Weise weiter. Weiterer Kommentare enthielt ich mich. Etwas verwundert sah ich ein leichtes Grinsen im Gesicht meines Nachsteigers. Da in unserer Seilschaft noch einige am Fuß der Westkante warteten, zog es sich hin biss alle auf dem Gipfel waren. In der Zwischenzeit seilte die Seilschaft, des älteren Bergfreunds ab. Nachdem alle den Gipfel erreicht hatten, reichte Sam mir mit einem erneuten Grinsen das Gipfelbuch und zeigte auf den Eintrag der letzten Gipfelbucheintragung.

Um was lass ich da – Paul Illmer -, ich konnte es nicht fassen, der Paul Illmer? Mit hochrotem Kopf saß ich auf dem Gipfel; ich hatte gewagt, Paul Illmer, zukritisieren?!

Geschlagen wollte ich mich trotz allem nicht geben - „ aber ordentlich sichern, kann auch ein Illmer“
- war mein Kommentar.

Im laufe der Jahre traf ich ihn noch oft, den Paul Illmer und voller Hochachtung und Bewunderung denke ich an ihn, der noch im hohen Alter die Gipfel seiner sächsischen Bergheimat bestiegen hat.

Seit er 1915 den Alten Weg des Türkenkopf bestieg, blieb er bis ins Hohe Alter seinen Bergen treu. Einzigartig bleiben die Leistungen seiner Letzten Jahre:

Mit 80 Jahren! – durchstieg er noch einmal im Nachstieg seinen Illmerweg am Falkenstein (VIIc)
Zur gleichen Zeit fasste er den Entschluss alle Gipfel der Sächsischen Schweiz zu besteigen und erreichte dies auch im Alter von 87 Jahren!
Dabei bestieg er den Friensteinkegel im Nachstieg mit 85 Jahren (VIIIa)

Nachruf von Gisbert Ludewig zum Tod von Paul Illmer


Paul Illmer starb kurz vor Vollendung seines 95. Lebensjahres am 11.4. 1995. Er war nicht so sehr wegen seiner wenigen Erstbegehungen bekannt, von denen der nach ihm benannten Weg am Falkenstein (VIIc), an seinem 22. Geburtstag erstbegangen, wegen des „Briefkasten"-Überhanges ein echter Klassiker geworden ist, sondern vielmehr wegen seiner regelmäßigen, wöchentlichen Kletteraktivitäten bis ins hohe Alter hinein. Von Anfang an, ab 1914, war er, Klubmitglied bei der FKV, mit Spitzenkletterern zusammen (Ehrhardt Renger, Paul Schöne, Erwin Esche und immer wieder Willy Häntzschel, mit dem er in gesunder Wettbewerbsatmosphäre viele Spitzenwege durchstieg). Den Beweis für seine Aktivitäten liefern die bekanntesten Hahn-Fotos wie Falkenstein -Renger-Gedächtnis-Weg (Schöne/lllmer), Zinne - FKV-Kante (Kunis/lllmer), Barbarine - Talseite (Häntzschel/lllmer), Großer Wehlturm -Rengerweg und Kreuzturm - Nordwand, um nur einige zu nennen. In den 20er Jahren versuchte er das Problem „Schrammtorwächter -Nordwand" zu lösen, was dann aber erst Willy Häntzschel 1936 gelang. Eine Fußverletzung behinderte ihn oft, bewahrte ihn andererseits vor der Einberufung zum Kriegsdienst. Einmalig bleibt wohl sein Entschluss, mit fast 80 Jahren alle 1099 sächsischen Klettergipfel zu besteigen. Und das schaffte er auch - mit 87 (!) Jahren - eine unglaubliche Leistung! Dass es dabei oft zu Kuriositäten kam, blieb nicht aus. Im Brand fehlten ihm noch einige versteckte Gipfel. Sie wurden nach zeitaufwendigen Suchen auch gefunden und bezwungen. Aber wo hatte man die Rucksäcke zurückgelassen? Er und Seilgefährte Wilhelm konnten sich beim besten Willen nicht erinnern. Alles Suchen bis in die Dunkelheit hinein blieb erfolglos. In ihrer Not liefen sie zu Arnolds. Christine schaffte sie per PKW zum Bahnhof Bad Schandau. Von dort fuhren sie in Klettersachen mit ihrer Ausrüstung am Mann dann so unauffällig wie möglich nach Dresden zurück. Am nächsten Tag setzten sie ihre Rucksacksuche erfolgreich fort.

 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü