- www.barbarine.de

Suche auf Seite
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Die Babarine > nach 1945 > H - W

Peter Kohbach geb: 01.07.1945 in Radeberg.

Mit 15 Jahren stand Peter das erste Mal auf einen Gipfel der Sächsischen Schweiz, die seine Liebe und Leidenschaft werden sollten. In den 60er Jahren war Peter Kohbach an einer Reihe von herausragenden Erstbegehungen in der Seilschaft von Bernd Arnold beteiligt. In den 70er und bis in die 90er Jahre führte er eine Reihe von Erst-begehungen in Sachsen und in der Böhmischen Schweiz durch. Seit 1969 war Peter Mitglied der Nationalmannschaft Alpinistik der DDR. Bis 1998 nahm er an bedeutenden Unternehmungen unter anderen im Pamir, dem Tien-Schan und dem Kaukasus teil 1983 hatte er alle Gipfel der Sächsischen Schweiz bestiegen. Nach der Wende 1998 kam es zu vielen Bergfahrten in die Alpen unter anderem gelang ihm eine Winterbegehung der Matterhorn Nordwand. Neben seiner Sächsischen Bergheimat ist Peter seit 1998 in fast allen Sportklettergebieten Europas und Amerikas zu Hause.

Meurerturm – Route Zehn –

23.04.1966 VIIIc RP IXa – Bernd Arnold, Jürgen Rotzsche (Zack), Mannfred .Jungrichter (Mannel), Peter Kohbach

Heute am Ostersonntag wollte Bernd an der Meurerturmkante den 1.Ring schlagen, es war kalt und windig. Wir machten uns zum klettern fertig. Vom Block, rechts vom Krämerriss, machten wir ein Abzugsseil klar. Der Einstieg war schon unwahrscheinlich schwer. Bernd legte auch gleich einige Schlingen. Nach einer sehr schweren Stelle links der Kante, kam eine schöne Sanduhr, wo Bernd sich ausruhte. Noch drei Meter, dann war er an einer großen Sanduhr, links vom Ring des Krämerriss. Hier holte er Zack nach. Bevor Bernd weiterstieg, bereitete er alles zum Ringschlagen vor, etwa fünf Meter höher links der Kante, begann Bernd den Kronenbohrer in den Fels zu treiben, dabei saß er in einer Schlinge. Es dauerte nicht lange da war der Ring, gut verbleit an einer goldrichtigen Stelle. Für heute war unser Tagwerk getan und sogleich der Anfang  einer unwahrscheinlichen Erstbegehung. Nun seilten beide wieder ab und in zwei Wochen sollte dieser Weg vollendet werden.....

............heute am Sonnabend konnte ich schon gegen Mittag in der Schweiz sein. Unten von der Elbe sah ich an der Meurerkante dass es Bernd gelungen war höher zu kommen.Ich fuhr schnell bis zur Hütte, zog mich um und ging zum Meurerturm. Bernd hatte etwa sechs Meter höher den zweiten Ring geschlagen. Dieses Stück was er heute gemeistert hatte, war wahrscheinlich das schwerste des ganzen Weges. Ich machte mich fertig und Mannel holte mich zum ersten Ring. Der Einstieg war schon sehr schwer. Die folgenden Meter bis über das kleine Katzel an der Kante waren technisch sehr schwer und ich wunderte mich fast, dass ich diese Züge einwandfrei brachte. Ich kletterte heute barfuss und ich spürte, das es barfuss besser ging als in Batten. Am schwersten viel mir der Zug, nach dem ich links der Kante war, zu der Sanduhr. Es waren zwar größere Griffe da jedoch nichts für die Füße und außerdem hatte ich nicht mehr viel Kraft. In der Sanduhr ruhte ich mich gut aus. Zur gleichen Zeit kletterte Bernd vom zweiten Ring zum Gipfel. Unser Scharfschütze Peter, der am zweiten Ring an der Siebertkante schussbereit  mit seiner Kamera und seinem Rucksack voller Teleobjektiv, Linsen, und Filmmaterial in Stellung gegangen war, konnte einige erstklassige Aufnahmen abschießen. Als Bernd an der schweren Stelle vor dem zweiten Ring war und Peter schussbereit durch das Zielfernrohr stierte, schloss er vor Aufregung die Augen und vergaß den Abzug zu betätigen. Inzwischen war ich am ersten Ring angekommen und Bernd hatte den Gipfel erreicht. Damit hatte er auch über diesen Weg gesiegt. Als Mannel am zweiten Ring angelangt und Zack weiterstieg machte ich mich startklar für dieses Stück des Weges. Es begann mit einer brüchigen Rippe, nach der Rippe wurde es das „Letztes“, winzige Griffe und kleinste Tritte erforderten viel Kraft und unwahr-scheinliche Technik. Die Griffe waren so klein dass nur ein halbes Glied der Finger auf ihnen Platz fand. Etwa einen Meter vor dem zweiten Ring, war ich mit meiner Kraft am Ende. Zum Ring fehlte nur noch dieses kleine Stück. Ich langte ins Seil und zog mich zum Ring. Nun hatte ich Zeit um mich auszuruhen. Als Mannel auf dem Gipfel angekommen war, kam die Reihe an mich. Es war weiterhin sehr schwer, jedoch solche „Letzte“ Züge wie vor dem zweiten Ring kamen nicht mehr. Es war eine schöne Kletterei, jetzt nach dem zweiten Ring. Bald war ich an der letzten Schlinge und damit am Ausstieg der Meurerturm-Westkante. Aber auch der Ausstieg war noch einmal recht schwer. Endlich war ich im letzten Wandstück mit den Großen Griffen und schließlich auf dem Gipfel.Wir nannten unseren Weg „ Route Zehn“, weil es der zehnte Weg auf den Meurerturm war.Dieser weg war bisher unsere größte Leistung. Dieser Weg ist durchgehend unter die fünf schwersten Wege der Sächsischen Schweiz zu zählen.

Aus dem Bergfahrtenbuch von Peter Kohbach April 1966


 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü