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Schiwoche in Montal, in den Dolomiten, vom 23.02. bis 02.03.2013




Liebe Chemnitzer Schifreunde mit Gerd an der Spitze!

Danke, ich bewundere Euren Mut, mich mitzunehmen. Denn wo ich bin, passiert immer etwas. Entweder an mir oder an anderen, dann aber meist durch mich. Jedoch meist in den Bergen, aber hier waren die Berge ja sehr sanftmütig. Deshalb ist nichts passiert. Aber das konntet ihr ja nicht wissen. Peter Hering hat mich in die gemeinsame Busfahrt eingeschleust, danke. Aber, was ihr nicht wissen konntet: Ich bin auf dieser Fahrt des mehrfachen Todes gestorben. Fast. Und war so:

  • 1. Vor Neid und Ärger gestorben: So schön habe ich mir den Dolomiti Superski nicht vorgestellt. Ich war nur im Sommer ein paar mal zum Klettern dort, aber im Winter sind die Dolomiten ja viel schöner! Da habe ich ja mein halbes Leben umsonst gelebt! Schwer zu verkraften so kurz vorm 70. Lebensjahr!

  • 2. Beinahe alle Knochen gebrochen: Bei solchen langen schönen breiten flachen glatten gepflegten Pisten kann ja jeder gut Schifahren. Dachte ich. Ich wurde von Tag zu Tag besser, dachte ich. Und schneller. Bis, eben, bis ich unterm Lagazuoi mal die Schi so schnell laufen ließ, dass es zu einem sehr langen lebhaften Sturz kam und ich mir vom 82- jährigen Horst die Schier wieder einsammeln lassen musste!

Oder: Abfahrt vom Tondi di Faloria bei Cortina d’ A.; mit Maria von ganz oben in einem Schuss 1000 Höhenmeter runter zum Bus, bis die Oberschenkel brennen, bekomme den Standschwung nicht hin in der unebenen Eisfläche vorm Bus, springe ungewollt über den 1m hohen Eiswall und stehe direkt vor dem Buseingang in Armlänge von Frank, dem Busfahrer! Das war knapp!

  • 3. Beinahe die Sprache für immer verloren: Bei der Abfahrt vom Lagazuoi konnte ich als einziger Nichtortskundiger das Runterfahren nicht erwarten und erwischte die falsche Abfahrt. Im Ergebnis dessen durfte ich einen 200 m hohen Hang wieder hochlaufen und den anderen hinterherfahren. Dabei geriet ich so außer Atem, dass ich noch lange nicht einmal mehr sprechen konnte. Sehr peinlich!

  • 4. Beinahe verwest! Und das kam so: Am Nachmittag dann doch vom Lagazuoi nach Norden abgefahren, mit Maria und Werner. Als es steiler wurde, und enger, habe ich einen Schwung nicht hinbekommen, bin über den hohen Pistenrand geflogen, habe mich im Tiefschnee vergraben und lange Zeit gebraucht wieder herauszukommen. Alle fuhren an mir vorbei. Und am Abend haben sich meine neuen  angeblichen (Schi-) Freunde Manfred und Frank lange und anschaulich darüber ausgelassen, wie ich im Frühjahr gefunden worden wäre, wie: „Schöne Schi, die Schuhe sind auch noch brauchbar, ach, sieh da, Kleidung liegt auch noch hier, und dort ein paar Gräten!!“ Schöne Freunde!

  • 5. Bin beinahe blind geworden: Beim Benutzen des Schwimmbades früh halb 7 bin ich Margot begegnet, so wie Gott sie schuf!

  • 6. Fast vor Erschöpfung gestorben: Zwei Mal!. Fast. Einmal mitten beim Schifahren auf einem Steilhang hinter Gerd. Aber das war zu erwarten. Denn ich hatte bis dahin nie für möglich gehalten mehr als 2 Tage hintereinander Schi zu fahren und das von früh bis abends. Aber alles wie immer überlebt. Und dann beim „Ziehweg“ vom Lagazuoi nach La Villa, wo mich die nette alte kleine hübsche Maria im Skeetingschritt so getrieben hat,, dass das Wasser in meinem Körper danach nur noch in den Schischuhen stand!

  • 7. Vor Schönheit gestorben, beinahe: Man stirbt leicht: Geh mal zum Heiligkreuz, wenn keine Menschen da sind und verweile. Genau! Das ist ein heiliger Ort! Da sucht man in der ganzen Welt und plötzlich ist man da! Mir ging es so.

Und noch mal: Das 2. Mal einfach beim Schifahren gestorben. Beinahe hätte ich gesagt, verweile doch, du bist so schön, mein Leben! (dann wäre der Tod eingetreten). Wir, Maria und ich waren den ganzen sonnigen Tag an der Civetta fast ohne Unterbrechung Schi gefahren und wurden immer schneller. Und sie sagte zu mir, endlich mal jemand mit dem man ohne viel Halt und Quatschen Schifahren kann!  


Da entstand auch der Spruch des Tages:

Willst Du gut fahren mit den Schi’a
musst du fahren hinter der Maria
Aber, willst du dein Leben mal verliern
musst du fahren hinter Gerd sein Schiern


So, liebe Chemnitzer, es war eine wundervolle Schiwoche an 7 Tagen in 6 verschiedenen Schigebieten. Deshalb habe ich Euch aus Dankbarkeit einen Kalender „Dolomiten aus der Luft“ geschenkt. Einfach wars nicht, an so einen Kalender zu kommen. Es ist ja schwer, so nette gute ehrliche Chemnitzer zu übertreffen, aber wir Leipziger sind da einfach cleverer: Ich verrate Euch im Nachgang wie es war: Ich habe in Helm, in den Sextner Dolomiten, mir die hübscheste Südtiroler Liftstationschefin rausgesucht, hinter der in der Liftstation so ein wunderschöner Kalender hing, bin runter gefahren, in die Gondel eingestiegen, habe dabei meinen Handschuh rausgeworfen und oben habe ich bei der Hübschen dann auf meinen Handschuh gewartet. Da ich aber keine Lust hatte, sie kennenzulernen, habe ich statt sie den Kalender genommen. So oder so ähnlich wars. Zumindest haben es Frank und Manfred am Abendbrottisch so von mir serviert bekommen. Wers glaubt, wird selig!

Im Nachgang ist doch nicht alles gut. Für mich war es zu viel des Guten. Großer Fehler von Euch, mich mitzunehmen. Ich habe nachgedacht und bin zu dem Ergebnis gekommen, einen Antrag bei der UNO zu stellen. Dass künftig nicht die, die immer dort hin fahren (Ihr!), in den Dolomiten Schifahren, sondern alle anderen Menschen auf dieser Welt: Afrikaner, Asiaten, europäische Hartz IV – Empfänger und so weiter. Gut, nicht wahr! Ja, so bin ich!

Und wer das alles für wahr hält, ist selber schuld!

 
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