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Die Babarine > Bergsteigen



Sicherungsmittel im sächsischen Fels


Die Absicherung von Kletterwegen in Sachsen, ist etwas speziell. Vor allen Gebietsfremde Bergfreunde stehen oft mit erstaunten Gesicht vor unseren Sandsteinfelsen.

Grundsätzlich werden Ringe nur von dem Erstbegeher geschlagen und sind in Ihren Abständen durch die sächsischen Kletterregeln reglementiert. Zwischensicherungen können nur mittels Schlingen, sofern möglich, gelegt werden.

Hierzu die „Sächsische Kletterregeln“

2.2 Sicherungs- und Hilfsmittel
Als Sicherungsmittel dürfen Seil, Seilschlingen, Karabiner, Ringe, Nachholschäfte und Abseilösen benutzt werden.
Die Verwendung von Klemmkeilen und -geräten ist nur dann zulässig, wenn sie vollständig aus herkömmlichem textilem Schlingenmaterial bestehen.
Die Verwendung von künstlichen Hilfsmitteln, durch die der Kletterer bei der Fortbewegung unterstützt wird, ist verboten. Dazu gehören
- das Benutzen aller Sicherungsmittel als Griff oder Tritt;
- das Anbringen und Verwenden von künstlichen Haltepunkten;
- das Benutzen von Leitern, Bäumen, herbeigeschafften Blöcken, Baumstämmen u. ä.;
- Seilwurf und Seilzug.
Der Gebrauch von chemischen und mineralischen Stoffen, die zur Erhöhung der Reibung am Felsen dienen sollen (z. B. Magnesia), ist verboten.
Jede vorsätzliche oder grob fahrlässige Veränderung der festen Felsoberfläche, die eine Besteigung ermöglicht, erleichtert oder erschwert, ist verboten. Das gilt auch für Veränderungen, die vorgenommen werden, um Sicherungsmittel überhaupt oder besser anbringen zu können. Eine Ausnahme bildet das Anbringen der Löcher für Ringe. Das Entfernen von brüchigen Felsteilen oder Lockermassen ist nur gestattet, wenn diese eine Gefährdung des Kletterers darstellen. Dazu dürfen Teile der Kletterausrüstung benutzt werden.
2.3 Anwendung des Seils
Das Seil dient – mit Ausnahme des Abseilens oder beim Rückzug – ausschließlich zur Sicherung. Alle Formen der Seilanwendung, durch die der Vorsteiger bei der Fortbewegung unterstützt wird, sind nicht zulässig. Wird ein Kletterweg ganz oder teilweise mit Sicherung von oben durchstiegen, gilt dies nicht als vollwertige
Begehung. Beim Klettern, Sichern und anderer Seilbenutzung muss darauf geachtet werden, dass die Felsoberfläche nicht beschädigt wird. Diesem Grundsatz muss sich der Kletterer unterordnen und entsprechend seinen Aufstieg und das Sichern der Seilgefährten den örtlichen Gegebenheiten anpassen.
Kletterrouten dürfen nicht on sight (o.s.), Rotpunkt (RP), Toprope (TR) usw. durchstiegen werden, wenn dabei durch Seilreibung der Fels beschädigt werden kann.
2.4 Anwendung der Seilschlingen
Zur Sicherung des Kletterers können im Bereich des Kletterweges Seilschlingen gelegt werden. Diese müssen unmittelbar am Fels oder an anderen natürlichen Haltepunkten befestigt werden. Das Legen von Seilschlingen muss stets aus der Kletterstellung erfolgen. Dabei darf ein Stab aus Holz oder Kunststoff benutzt werden. Beim Legen und Entfernen von Seilschlingen dürfen der Fels und Pflanzen nicht beschädigt werden. Wird in einer Schlinge geruht oder nachgeholt, ist die Kletterei in der Stellung wieder aufzunehmen, in der sie unterbrochen wurde, das heißt: an den zuletzt benutzten Griffen und Tritten. Ein Ruhen in einer Schlinge mindert den sportlichen Wert einer Begehung. Die Seilschlingen sind nach Beendigung der Kletterei vollständig zu entfernen. Alle Regeln zur Anwendung von Schlingen gelten auch für Klemmkeile und Klemmgeräte im Sinne der Ziffer 2.2 entsprechend.
2.5 Benutzung der Ringe
Ringe dienen zur Sicherung des Kletterers. Sie dürfen nicht zur Unterstützung der Kletterbewegung benutzt werden. Es gilt als unsportlich, das Seil in einen Ring einzuhängen, bevor er sportlich einwandfrei mit der Hand erreicht wurde. Wird die Kletterei am Ring unterbrochen, ist sie beim Weitersteigen in der Kletterstellung aufzunehmen, in der sie unterbrochen wurde.
Ringe von benachbarten oder kreuzenden Wegen dürfen benutzt werden, wenn damit keine wesentliche Abweichung vom Wegverlauf verbunden ist.

Historie:

In den Anfangsjahren des Sächsischen Bergsteigens, benutzen die frühen Bergsteiger noch Leitern und Steigbäume. Es wurde bei Bedarf Eisenstifte in den Fels geschlagen, der Ring war noch nicht bekannt. Gegebenenfalls wurden die Gipfel auch mittels Seilwurf erreicht.
Aber bereits vor die Jahrhundertwende vom 19./20. Jahrhundert änderte sich diese Haltung und es galt als unsportlich Künstliche Hilfsmittel einzusetzen.

1908 erschien der 1. Kletterführer „Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz“ von Rudolf Fährmann. Im Rahmen dieses Kletterführers wurden erstmals, Grundsätze zur Besteigung der Sächsischen Felsen formuliert. Das heißt, grundsätzlich wird auf die Verwendung von künstlichem Hilfsmittel verzichtet. Zur damaligen Zeit hieß dies, keine Verwendung von, Steigbäumen, keine Verwendung von Leitern, kein Seilwurf um Höhe zu gewinnen, kein Anbringen von Eisenstiften, keine Veränderung der Felsoberfläche. Als Zwischensicherung war nur ein Ring erlaubt.

Der 1. Ring an den Großen Wehlturm 1905 wurde von Rudolf Fehrmann geschlagen. Was sich in der Folge als gängige Praxis etablierte. Der Ring wurde meist als Sicherungsstand benutzt wen das Seil zu Ende war. Gelegentlich auch als unterwegs Sicherung, wen keine andere natürliche Sicherungsmöglichkeit bestand. Dazu musste der Kletterer sich am Ring ausbinden, das Seil durch den Ring führen und sich dann wieder einbinden!

Das fehlende Glied, die Einführung der Karabiner im Sächsischen, kam ab 1913 durch Georg Christophe, Berlin (Mitglied in DuÖAV Sektion Berlin und SBB). Er lernte sie im Sommer 1913 in den Alpen kennen und sah gleich die Möglichkeiten für die Sächsische Schweiz. Ab 1914 sollen sie schon gängige Praxis gewesen sein. Anfänglich, wurden noch Flaschenkarabiner sogenannte Feuerwehrkarabiner verwendet, diese waren aus Stahl gefertigt und zeichneten sich durch ein hohes Gewicht aus. Alsbald wurden aber spezielle Kletterkarabiner gefertigt, die in ihrer Form den Belangen des Bergsteigens  angepasst wurden. Moderne ALU Karabiner sind Mitte des 20 Jahrhundert entwickelt worden und fanden Ende der 60er Jahre Einzug in die Sächsische Schweiz.

Das Seil ist seit Anfang an Bestandteil des Bergsteigens. Bis in die 1960er Jahre waren die Bergsteiger auf Seile aus Hanffasern angewiesen. Seilrisse waren nicht selten und führten zu zahlreichen tödlichen Unfällen. Seile aus Kunstseide, die annähernd die Seilnormen heutiger Bergseile erfüllten, waren sehr teuer und fanden wenig Verbreitung. Moderne Kletterseile bestehen aus dem Kunststoff Polyamid und weisen meist eine Kernmantelkonstruktion auf, ein Kern aus verflochtenen Fasern wird von einem Mantel umgeben, der ihn vor Beschädigung schützt. Der Kern trägt die Hauptlast.



Schlingen, sind das speziellste Thema in Sachsen. Seilstücke verschiedener Durchmesser und Längen, Rundschlingen und Bandschlingen, stellen ein komplexes Sicherungsmittel dar. Abhängig von der Felsbeschaffenheit, Felsplatte, Sanduhr oder Riss,  bedarf es einiger Erfahrung dieses Sicherungsmittel  sicher anzubringen. Die Materialentwicklung der Schlingen war direkt mit der des Seil verbunden und verlief parallel.
Da Schlingen neben dem Ring, das einzige Sicherungsmittel ist, kommt der Schlinge in Sachsen eine besondere Bedeutung zu.
Seit jüngster Zeit wurde in Sachsen, nach anfänglichem  Wiederstand, das UFO eingeführt. Dabei handelt es sich um eine Art textilen Keil. Dies war möglich auf Grund des Regel Text:
Die Verwendung von Klemmkeilen und -geräten ist nur dann zulässig, wenn sie vollständig aus herkömmlichem textilem Schlingenmaterial bestehen.
„Die Verwendung von Klemmkeilen und -geräten ist nur dann zulässig, wenn sie vollständig aus herkömmlichem textilem
Schlingenmaterial bestehen"

 
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