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Konrad in Side, in der Türkei,

2012 mit den Großeltern Barbara (Bärbel) und Erhard (Ehad).

Über Skateboard fahren  und nicht viel anderes

Geheime Abschrift des Briefes an seine Mutter

Hallo Mutter!

Eigentlich gibt es nicht allzu viel Neues. Die Großeltern Bärbel und Ehad sind eigentlich ganz lieb, meistens machen sie alles so wie ich es will; deshalb ist es auch wieder ein guter Urlaub für mich. Zum Beispiel mein Skateboard: Ich sollte das absolut nicht mitnehmen, nur über meine Leiche, sagte Bärbel. Aber dann sage ich einfach, Bärbel, musst du denn immer übertreiben! Und schon ist sie geschlagen. Und Ehad kann mir sowieso nichts ausschlagen. Er hat die vernünftige Meinung, dass Erziehung zu Hause stattzufinden hat und nicht im Urlaub. Aber wahrscheinlich scheint er langsam alt zu werden und will nur seine Ruhe haben oder klettern gehen.
Diesmal sind wir in die Türkei gefahren, statt wie sonst immer nach Mallorca. Und das war gut so, weil hier das Wasser ganz warm ist und man auch gut Skateboard fahren kann. Ich bin nun hier in Side sozusagen stadtbekannt. Ich habe mein Brett immer dabei, nur im Wasser nicht. Schade! Aber Ehad will mir eins bauen, wo ich drauf schlafen kann. Ich kann überall skaten: Den ganzen Strand entlang, auf dreckigen Parkplätzen, sogar im Hotel. Eigentlich immer und fast überall. Und diesmal bin ich sogar unverletzt geblieben. Vor allem weil ich mich weigerte, hinter einem Auto hergezogen zu werden. Wo doch gerade die Wunden vom Sommer wieder verheilt sind! Trotzdem gibt es nun wieder tolle Bilder, nicht nur vom vielen Essen (All Inclusive diesmal!), sonder auch von mir. Meist auf dem Skateboard und sogar viele in der Luft. Sieht richtig gut aus! Mit Palmen im Hintergrund. Und auf diesen Bildern sehe ich sogar richtig glücklich aus. Ich könnte immer und nur Skateboard fahren. Oder vielleicht Gitarre spielen und Musiker werden. Also alles, wozu man keine Schule braucht. Ingo ist Musiker und lebt auch und sogar gut. Das habe ich dem Ehad auch gesagt und dass Geld nicht alles ist auf dieser Welt. Da wusste er nicht, ob er Lachen oder Weinen soll. Nach einer weile sagte er, dass ich dann mir die vielen Wünsche und ständigen teuren Geschenke von den drei Vätern abschminken könnte. Also habe ich beschlossen, doch noch ein paar Jahre die Schulbank zu drücken, wie manche Erwachsene so sagen. Aber Ehad sagt, wenn man schon dasitzt, kann man sich auch Mühe geben, das Zeug zu lernen, denn später ist es zu spät. Und als Beispiel führt er an, wie schwer er sich am Computer tut. Den gab es ja früher nicht. Und wer weiß, wohin das Leben einen so treibt und was man später dann braucht. Sagt er. Sogar im Landesinnern der Türkei bei dem Ausflug mit dem Mietauto habe ich mein Skateboard benutzt. Also zu sagen, ich bin damit gefahren, wäre übertreiben. Glatte Flächen gab es da nicht. Aber in dem weit abgelegenen Dorf habe ich schon meine Sprünge gezeigt. So etwas hatten die Dorfbewohner noch nicht gesehen! Und später an der Wassermühle habe ich statt der anstrengenden Wanderung der beiden Alten auf dem Naturparkplatz meine Sprünge geübt. Oder am Strand, spätabends, wenn alle Kinder ins Bett müssen, bin ich mit Ehad den Strand entlang gefahren. Jeden Abend weiter. Kilometerweit auf der schönen glatten Strandpromenade. Da haben mich alle bewundert und ich musste das Brett oftmals den jungen Türken ausleihen und es war ein Wunder, dass nichts passiert ist. Und dann hat Ehad mir immer neue Aufgaben gestellt: Auf einem Bein, vor, zurück, eine Hand unten und so weiter. Das war lustig. Überhaupt: Am Strand und im Wasser war es immer lustig. Beim Wasserballspielen und auf der Luftmatratze, mit Ehad sowieso. Er war sicher ein lustiges Kind, und wenn wir Wasserschlacht machen, kann man das spüren. Auch auf meiner Haut. Bloß gut, dass man meine ganzen Verletzungen nun auch auf den Fotos sehen kann. Bärbel sagt immer, es ist ein Wunder, dass wir wegen Ruhestörung kein Strandverbot bekommen. Und dass sie sich für die zwei lautstarken großen Kinder sehr schämt und wegsieht und weggeht, wenn wir nicht endlich aufhören! Noch hat meist Ehad gewonnen. Aber es sieht nicht gut aus für ihn: Nächstes Jahr bin ich schon größer und sicher stärker. Allerdings will er mich dann nicht mehr mitnehmen! Das Beste haben wir uns für den letzten Tag aufgehoben. Wir machen Parasailing, Ehad und ich. Wir werden an Fallschirme gehängt und mit einem starken Motorboot über 100 m hoch gezogen. Für Ehad war das wieder „nichts“ und er hat mich während des Fluges geärgert. Dumm nur, dass man das auf den vielen Fotos und dem Video sehen kann. Ich bin eben manchmal doch noch Kind. Und aus diesem Grund werde ich darauf bestehen, nächstes Jahr wieder mitzufahren!   

Dein Konrad

 
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