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Erhard > Literarisches > Bergfahrten > Teil 2



Teneriffa November 2003

(Ein Kletterurlaub)



Teneriffa ist gut für alle, die Wind, Sonne, Meer und karge Landschaft lieben. Karg von weitem. Denn im Detail gibt es ungeheuer viel zu sehen an Flora und geologischen Formationen. Fast könnte man meinen, hier sieht man noch, wie die Erde durch vulkanische Aktivitäten entstanden ist. Lava, geschmolzenes Gestein in allen Arten. Aber eigentlich alles nichts ungewöhnliches. Denn die genannten Eigenschaften dieser Landschaft sind auch meine. Ich habe wahrscheinlich auch Lava im Blut. Wie könnte es sonst sein, dass ich nach so vielen Fehlern und so viel Lehrgeld immer noch klettern gehe (aber darüber habe ich an anderer Stelle schon berichtet). Wahrscheinlich in der Hoffnung, mal richtig schön und schwer zu klettern. Oder Lava im Blut bereits am ersten Klettertag, da habe ich in der Sonne sieben spanische Jungfrauen ge..., Verzeihung, sieben spanische junge Frauen gesehen; wahrscheinlich für jeden sonnigen Wochentag eine zum..., nochmals Verzeihung, ein gutes Omen für jeden heil überstandenen Klettertag und der vielen Sonne geschuldet.
Ja, es waren sieben Klettertage und ein paar Wandertage, genau richtig, um sich mit körperlicher Belastung fit für den heimischen Winter zu machen und den Kopf frei zu bekommen für neues.
Auch die vielen Kakteen waren sozusagen wesensverwandt mit mir. Schön erst auf den zweiten Blick und tüchtig mit Stacheln besetzt. Da ich gern mit kurzen Hosen rum laufe, habe ich nun wunderbare Zeichen an den Beinen und ein paar Stacheln mehr. Die vielen Kakteen müssen die Spanier sehr lieben. Es sind sicher sehr schlaue Leute; früher haben sie das ganze wilde unzugängliche Gelände terassiert und genutzt. Das muss sicher sehr viel Arbeit gemacht haben. Das machen sie nun nicht mehr.. Jetzt züchten sie Kaktusse, die wachsen von allein und überall. Vor allem auf dem Weg zum Kletterfelsen. Ich habe mal versucht hinter den Nutzen dieser Pflanze zu kommen. Das Ergebnis ist roter Saft überall (siehe Foto) und viele Stacheln an den Händen.
Nach langem Aufenthalt in der Sonne habe ich durch nachdenken die guten Seiten der wunderbaren Kakteen erkannt- im Zusammenhang mit der Geburtsrate der Eingeborenen! Ja, am sonnigsten Tag, als mich eine glutäugige  geringbedeckte (!) Jungfrau zwischen den Felsen ansprach, na gut, grüßte, und als dann abends bis kurz vor Mitternacht sehr viele offensichtlich sich selbst überlassene überflüssige (!) Kinder Rumtobenderweise mich am Schlafe hinderden, fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren: „Die Kakteen!“.
Wahrscheinlich steht irgendwann so eine hübsche junge Spanierin mit wenig Sachen an (von unbekleidet gar nicht zu denken!) mit dem Rücken zu einem Kakteenfeld (wo soll sie sonst hin, es gibt ja so viele?), vermutlich vor einem jungen Mann, den Schein wahrend zurückweichend- welche Wahl hat sie dann?
Oder besteht gar ein direkter Zusammenhang zwischen Sonne und Kakteen oder Kakteen und... furchtbar diese Sonne...
So, ich schreibe mal im Schatten weiter. Ach ja, eigentlich wollte ich über Klettern auf Teneriffa berichten. Hatte ich schon gesagt, dass wir in der Sonne klettern waren? Also, klettern waren wir auch, Manfred und ich. Der mit der unregelmäßig laut tickenden Uhr im Körper, seinem Herzschrittmacher und derjenige, der es bisher am längsten mit mir ausgehalten hat, also kurz gesagt, einer auf den Verlass ist. Wir waren in fünf guten Klettergebieten. Für alle, die es genauer wissen wollen: Wenn man keine Klettergebiete dieser Welt kennt, ist es das Beste! Aber im Ernst: Durch die Vielfältigkeit und Fremdartigkeit von Natur, Landschaft, Flora (Fauna gibt es so gut wie nicht mehr- bereits gefressen), Fels und Menschen, natürlich auch durch die Tage zwischen dem Klettern am Meer (Sonne!) war es ein wunderbarer Kletter-Wander-Bade-und Freßurlaub. Sogar Manfred hat sich bestens erholt und sieht fast wieder wie ein normaler Mensch aus. Eigentlich auch kein Wunder bei dem Stress, dem er zu Hause ausgesetzt ist (Haus Garten Frau in Hinterhermsdorf). Die Ergebnisse am Fels waren gut, wenn man davon absieht, dass man bei der Mehrzahl der Wege, die bei 6b und darüber liegen, seine Grenzen aufgezeigt bekommt. Alles kurz und schwer. Deshalb haben wir in jedem Gebiet fast alle Touren 6a gemacht. Meist nach Gefühl und Erfahrung, da Wegbeschreibungen nicht immer gut oder vorhanden waren. Besonders schön war es in den Canadas, einer winzigen bizarren gelben Felsengruppe unterhalb des Teide, sozusagen auf dem Grunde eines erdgeschichtlich alten zerrissenen Riesenvulkanes. Dort waren wir zwei mal, haben zehn Wege geklettert und der beste und längste Weg war die Nummer 98 ganz oben über dem dunkelgrünen Strauch neben der Pinie, bei dem die Seile fünf Meter von der Wand weghingen beim Abseilen. Aber keine Angst, es waren die größten Griffe der Welt. Schade, dass mich dort die Spanierinnen mit meinem muskelspielenden schmalen Oberkörper nicht gesehen haben. Sie wären ebenso wie ich in der Sonne dahingeschmolzen. Hatte ich schon gesagt, dass die Sonne schien? Nun, sie schien zwei Wochen lang und das wird auch der Grund sein, dass hier kein vernünftiger Kletterbericht zustande gekommen ist.
Einen (Hinweis) hätte ich noch:  Nach dem Besuch des Klettergebietes Gui de Isora, der mit Bezwingung des einzig mir möglichen Weges und der völligen Erschöpfung meines von der Sonne (!) ausgezehrten Körpers endete, tröstete ich mich in der besten und einzigen Bar, allerdings  der schönstgelegensten originellsten und bestgeführtesten von Teneriffa und dem besten Vino Tinto meines Lebens. Und siehe da, nach dem dritten Glas verwandelte sich meine liebe Frau Barbara in eine feurige Spanierin (oder waren es zwei?)

 
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