- www.barbarine.de

Suche auf Seite
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Erhard > Literarisches > Dies und Das



Die unheimliche Begegnung mit der dritten Art im Sandstein
oder
Ich werde älter !?


Donnerstag:
Die Begegnung fand am Himmelfahrtstag abends statt, als wir vom Klettern zurück kamen.
Vom Klettern am Himmelfahrtstag, wovon sonst? Besoffene haben wir unten auf dem Elbhangweg genug gesehen und gehört. Trotz des scharfen Windes, an diesem Bilderbuchtag des Jahres 2002, nachdem uns dieser Wind von der Teufelsturm-Ostwand vertrieben hatte.
Uns, die vier „Radeberger Taugenichtse“ und mich, den die Schlüsselstelle zum Windspiel machte. Den Nachmittag verbrachten wir dann endlich kletternder Weise im Windschatten der Meuerturm - Westwand.
Völlig ausgepumpt erreichte ich als Erster den Kiosk der Gaststätte am Falkenstein. Fünf große Bier sofort hatte ich ganz hastig und völlig unglaubwürdig bestellt, als ob um diese Zeit 19.00 Uhr noch jemand so durstig wäre. Glaubhaft waren meine durstigen Begründungen nicht. Pech für mich sozusagen, dass die anderen zu spät kamen; als der Durstlöscher schon bestens seine Wirkung auf den nüchternen Magen zeigte. So kam es dann, dass ich nicht mehr alt wurde am nahen Lagerfeuer im Seitental des Zahnsgrundes. So konnte ich unsere Gäste aus Karlsruhe, Daniel und Wolfgang, also sozusagen richtige Wessi´s nur kurz mit ein paar dummen Wessi-Witzen begrüßen. Da zeigte sich bereits das erste Mal die moralische Stärke dieser jungen Leute, dass sie solche Spitzen locker weckstecken.
Ich lag also an Peter´s bevorzugten Bofenplatz. Peter, der noch nie anders als an diesem Platz neben(!) der Hütte geschlafen hat, seit 40 Kletterjahren (wie ich – schon 42!), sommers wie winters.
Ab und zu weckten mich irgendwelche Schreie vom Lagerfeuer her, die die textliche Begleitung zu  Tino’s Gitarre darstellen sollten. Vermutlich hat Morpheus oder der Alkohol gegen 4 Uhr früh gesiegt.

Freitag:
Mit den ersten Sonnenstrahlen war ich losgefahren zu den Frauen auf meiner Hütte, zum Frühstück. Da begegnete ich dem joggenden David am Elbufer! Der war also eher aufgestanden als ich!
Dann gingen wir klettern. Kaum an der Wolfsfalle angekommen, wurden sofort alle Wege von unten eingehangen, von links nach rechts. Dann wurde getauscht. Die nächste Lästerwelle rollte über die Wessi´s am Champagnerriss hinweg. David und Wolfgang brachten zwar Zwischenspiel, Landkarte und Globetrotter, aber die Risskletterei war ungewohnt und verletzungsträchtig.
Die Nachtstunden brachten für David und Wolfgang  weitere Erlebnisse:
Abends waren sie noch am Falkenstein, am Renger-Gedächtnisweg, auf unsere Empfehlung hin- mit Handriss! Leider verstiegen sie sich oben im Weg, landeten im Original-Schulterriss, wo schon viele Säcke hängen, erreichten im Dunkeln den Gipfel über die „normale“ Variante und waren erst nach langer Abseilerei um 22.30 Uhr wieder auf der Hütte am Lagerfeuer.
Dort erzählten sie in einer Sangespause am Lagerfeuer von ihrer letztjährigen  „Schnuppertour“ am Falkenstein:
Schusterweg, verstiegen, dunkel geworden, Seil beim Abseilen und Abziehen verklemmt, nochmal hoch, in der Postelwitzer 30km-Zone zu schnell gefahren, um 1000 DM ärmer und um viel Erfahrung reicher und ganz locker zu Hause im Wessiland wieder angekommen!

Samstag:
David weckt Wolfgang um 6.00 Uhr mit einer Tasse Kaffee. Auf zum Falkenstein, Zittauer Weg, Reibung mit 10 Ringen. Ein bisschen lang vorm Frühstück. Nach diesem von der Hütte weg auf zum Rokokkoturm. Gemeinschaftsweg besetzt. Alternativ dazu lassen sich unsere Vorsteiger auf den Siebziger Weg ein. Wir anderen, das Fußvolk und die Wessi´s probieren uns am Amboß, Heißes Eisen und Wilder Kopf, Direkte Westkante. Letztere seit Jahren mein unerfüllter Vorstiegsklettertraum. Der auch an diesem Tag nicht endet, obwohl ich den schwierigen unteren Teil des Weges mehrmals in allen Varianten aber nur toprop klettere. Nachmittags werden wir von einem Regenschauer am Ende der Rostigen Wand noch mal richtig eingeseift.
In den späten Nachmittagsstunden verabschieden wir uns von der Hütte, von unseren neuen Freunden
mit den ersten Tropfen des herannahenden Gewitters. Sie haben noch eine lange Heimfahrt vor sich.

Resümee:
Da kommen zwei junge Leute, zwei Tage und zwei Nächte, 48 Stunden, schlafen insgesamt davon 4 und klettern mehrere 100 m im ungewohnten Sandstein und sind froh und munter und zufrieden. Kann ich nicht (mehr)!

 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü