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Die Babarine > Die Alten vom Berg



Als Vorwort aus: „Klettern im Sächsischen Fels“ von Karl Däweritz 1983

Das Felsklettern im Elbsandsteingebirge begann als Bewegung der bürgerlichen Epoche. Zwar verweisen, zahlreiche Spuren im Gebirge darauf, dass bereits Ausgang des Mittelalters waghalsige Männer diesen oder jenen Turm als Beobachtungsposten oder als länger benutzbare Wohnstätte bestiegen haben. In den Wirren vergangener Kriegsjahre wird sicher mancher Einwohner der Gebirgsdörfer auf der Flucht vor der plündernden und sengenden Soldateska Kletterkunststückchen vollbrach haben, die heute längst vergessen sind. Aber alle diese Menschen waren keine Bergsteiger im heutigen Sinne Ihre Beweggründe standen vielmehr unter dein Handlungszwang wirtschaftlicher Interessen.

Viele bedeutende Berge und Felsen der Sächsischen Schweiz, so unwirtlich diese Landschaft vor Hunderten von Jahren auch gewesen sein mag, waren den Menschen seit langem bekannt und wurden in der klassischen Literatur dieses Gebietes genannt und beschrieben.

Die Felstürme und Zinnen der Sächsischen Schweiz erweckten bei den Touristen seit Beginn des 19.Jahrhunderts Staunen und Bewunderung. Aber noch wagte niemand den Entscheidenden Schritt zu ihrer Eroberung. Abweisend und unnahbar standen sie den Menschen gegenüber. Abschreckend - erdrückend - gewaltig. Wohl suchte und fand das geschulte Auge bedeutender Maler jener Zeit die außergewöhnliche Schönheit der bizarren Felswildnis des Bielatales oder des Wehlgrundes. Aber zwischen den Menschen und den steilen Sandsteinkegeln zog sich eine unsichtbare, unüberbrückbar scheinende trennende Kluft.
Wie lange noch?

In den höchsten Regionen Europas, den Alpen, war dieser Bann längst gebrochen.
1786 bestiegen Michael Paccard und Jaques Balmat den 4 810 m hohen Mont Blanc. 14 Jahre später standen die ersten Menschen auf dem 3 798 in hohen Großglockner. In den Fünfziger-Jahren des 19.Jahrhunderts wurden bedeutende Viertausender des Wallis betreten, 1865 fiel, krönender und durch die Abstiegskatastrophe zugleich furchtbarer Höhepunkt dieser Epoche, als letzter großer Alpengipfel das Matterhorn. In dieser Zeit, in der sich der leidenschaftliche Italiener Carrel und der zähe, ausdauernde Engländer Whymper einen erbitterten Kampf um den »Berg der Berge« lieferten, schlug auch die Geburtsstunde des sportlichen Felskletterns im Elbsandsteingebirge: die Schandauer Turner Tröger, Hering, Frenzel, Wähner  und Fischer bestiegen am 6. März 1864 den Falkenstein. Zwar entsprach die Art und Weise der Durchführung jener Falkensteinbesteigung noch lange nicht unseren heute im Gebirge geltenden Klettergrundsätzen, da die Schandauer Turner vielerlei Hilfsmittel zum Höhengewinn benutzten. Aber die Motive ihres Handelns bildeten die entscheidende
Voraussetzung für das neue, sich anbahnende Verhältnis der Menschen zu der sie umgebenden Landschaft. Die Tat jener mutigen und unternehmungslustigen Männer um Gustav Tröger, zumeist Vertreter des bürgerlichen Mittelstandes, entsprach, aufbauend auf ihre turnerisch, sportliche Betätigung, ganz dem Sinne des von Friedrich Ludwig Jahn geforderten vaterländischen Turnens. Die Besteiger des Falkenstein zogen als erste mit jenen Gefühlen und Zielen in die Berge, die sich bis in unsere Zeit als Triebkräfte des sportlichen
Felskletterns erweisen: Abenteuerlust, Heimatliebe und Freude an vielseitiger körperlicher Betätigung.
Bei der bergsportlichen Erschließung der Sächsischen Schweiz unterscheiden wir verschiedene Epochen.

Die erste Besteigung eines Felsmassiv aus sportlichen Motiven erfolgte 1848 mit der Durch-steigung des „Abratzkykamin“ auf die Festung Königstein, durch Sebastian Abratzky.

Die Epoche der bergsportlichen Früherschließung begann 1864 mit der Besteigung des Falkenstein. Markante Erstbesteigungen dieser Zeit waren 1873 Frienstein, Hoher Torstein und Mittlerer Torstein. 1874 Mönch und Talwächter. 1882 Hinterer Gansfelsen. 1886 Vorderer Gansfelsen, Lokomotive –Dom, Sommerwand und Vorderer Torstein. 1888 Nonne.
In dieser Zeit fanden noch künstliche Hilfsmittel, wie Leitern, Steigbäume, Griff- und Tritteisen Verwendung.

Ab 1890 setzte die Epoche der Bergsportlichen Haupterschließung der Sächsischen Schweiz ein. In den folgenden Jahrzehnten wurden alle Gipfel der Sächsischen Schweiz bestiegen. Unterbrochen durch die beiden Weltkriege des 20. Jahrhundert.

1910 wurden die Grundsätze des Sächsischen Felskletterns erstmals formuliert. Der Grundsatz des „freies Klettern“ beruht auf den Verzicht künstlicher Hilfsmittel, die Fortbewegung des Kletterers am Fels darf nur mit eigener Körberkraft an natürlichen Haltepunkten erfolgen.

1923 wurden erstmals die Schwierigkeitsgrade von I bis VII definiert. Wobei der VII. Schwierigkeitsgrad bereits 1909 mit der Besteigung der Jungfer erreicht wurde.

Wollte man die gesamte Geschichte des Sächsischen Bergsteigens dokumentieren, würde dies eine Bibliothek füllen.
Deshalb sollen stellvertretend für alle Sächsischen Bergsteiger, einige markante Geschichten hier erzählt werden.
In loser Folge soll hier über Personen aus über 100 Jahren Bergsteigen , die Reihenfolge ist keine Wertung, erzählt werden.








 
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