Barbarine am PfaffensteinDie steinerne Jungfrau der Sächsischen Schweiz
Entdecke die Geschichte und viele interessante Fakten zur berühmten Felsnadel „Barbarine“ am Pfaffenstein, dem linkselbischen Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz und erfahre, was es braucht, damit sie uns noch lange erhalten bleibt.
Die Geschichte
Die Felsnadel „Barbarine“ ist der bekannteste freistehende Felsen im deutschen Teil des Elbsandsteingebirges, bestehend aus der Sächsischen und Böhmischen Schweiz. Er gilt zweifellos als bedeutendes Wahrzeichen des Pfaffensteins, oftmals sogar der gesamten Sächsischen Schweiz. Was der Eiffelturm für die Pariser bedeutet, ist sozusagen das einzigartige 42,7 m hohe Naturdenkmal Barbarine am Pfaffenstein für die Bewohner und Freunde der Sächsischen Schweiz.
Ortslage
Die fast 43 m hohe Barbarine steht südöstlich am Massiv des Pfaffensteins im Ortsteil Pfaffendorf der Stadt Königstein / Sächsische Schweiz. Die freistehende Felsnadel ist im Südosten dem Felsmassiv des Pfaffensteins vorgelagert. Der Name Pfaffenstein leitet sich von dem angrenzenden Ort Pfaffendorf (seit 1994 Ortsteil der Stadt Königstein) ab, dessen Bewohner im Mittelalter Zinsen an den Pfaffen (Geistlichen) der Festung Königstein zahlen mussten. Pfaffendorf wurde 1437 in diesem Zusammenhang erstmals erwähnt. Der Pfaffenstein mit der Barbarine zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen in der Sächsischen Schweiz. Der Pfaffenstein diente nicht nur in grauer Vorzeit als Siedlung. Auch in Kriegen zogen sich die Einwohner von Pfaffendorf auf den Pfaffenstein zum Schutz zurück. Das ist aus der Zeit des sächsisch-schwedischen Krieges von 1706 und den Befreiungskriegen 1812/1813 bekannt. Die vorhandenen Höhlen am Pfaffenstein waren gute Schutzräume, auch für Tiere, beispielsweise die "Steinerne Scheune" östlich am Pfaffenstein.
Die Sage zur Barbarine
Der Sage nach ist die Barbarine eine versteinerte Jungfrau, die von ihrer streng gläubigen Mutter bestraft wurde.
„Das immerwährende Mahnmal eines Strafgerichts, nach welchem es geschehen seyn soll, daß eine Mutter aus Pfaffendorf ihre Tochter sonntags habe heißen in die Kirche gehen, die Tochter aber sey währender Kirche auf den Pfaffstein in die Heydelbeere gegangen, und als sie die Mutter daselbst angetroffen, habe sie die Tochter im Zorn verwünschet, daß sie müsse auf der Stelle zum Stein werden; worauf solches augenblicklich also geschehen, und daher diese zum Stein gewordene Jungfer auf immer allhier stehe, und mit ihrem Steinbilde alle ungehorsame Kinder warne.“[1]
Meilensteine
-
Früher trug die schlanke Felsnadel noch den Namen „Jungfernstein“. So wurde der Stein auf verschiedenen Karten und Wanderführern vermerkt.
-
Jetzt taucht die Bezeichnung des Felsen als die „hohe Berberine“ auf. Der Name verändert sich Schritt für Schritt in Richtung des heutigen.
-
Auf der Äquidistantenkarte (das erste geschlossene topografische Kartenwerk Sachsens im Maßstab 1:25.000) taucht nun die Bezeichnung „Jungfernstein oder Barbarine“ auf. Heute kennt und verwendet man nur noch den zweiten Namen „Barbarine“.

Die Barbarine am Pfaffenstein, Foto: Paul Heine 1903. -
Die bergsportliche Erschließung beginnt mit dem Versuch des Kletterers Felix Wendschuh am 9. September 1905. Dieser gilt als erste dokumentierte Versuch einer Besteigung der Felsnadel Barbarine. Wendschuh stieß bei seinem Versuch bis unter den Gipfelkopf, zumindest aber bis zum Ende des Risses, vor. Die Geschichte, dass ihn der Wirt des Pfaffensteins, Hermann Keiler, unter Androhung einer Anzeige zur Umkehr gezwungen hat, dürfte wohl nicht stimmen. Keiler war selbst Bergsteiger und dürfte nichts gegen eine Besteigung gehabt haben, zumal auch die späteren Erstbesteiger den Versuch bei ihm im Wirtshaus nachweislich dokumentierten.
Zehn Tage später, am 19. September 1905, bezwangen der Dresdner Rudolf Fehrmann (zugleich auch bekannter Kletterführerautor) und der US-Amerikaner Oliver Perry-Smith gegen 17 Uhr als erste Bergsteiger die Barbarine. Schon am Vortag hatten sie es bereits bis kurz vor den Gipfel geschafft, waren aber zu erschöpft, um den letzten Vorsprung am Gipfelkopf sicher zu erklettern. Neben seinen Ruhmestaten als Bergsteiger war Oliver Perry-Smith auch ein erfolgreicher Skisportler. Der Alte Weg hat den sächsischen Schwierigkeitsgrad VI (nach neuerer Bewertung VIIa).
Erstbesteigung Barbarine
„Aus Pfaffendorf wird unterm 19. September berichtet: Der edle Klettersport in unserer herrlichen Sächsischen Schweiz ist am heutigen Tage um eine Errungenschaft reicher geworden. „Barbarine“, die steinerne Jungfrau, der sagenumwobene Felskegel am wildromantischen Pfaffensteine, ist erstiegen worden. Zwei Dresdner Herren, stud. jur. Pfehrmann und Oliver Perry-Smith, erreichten heute nachmittag gegen 5 Uhr den Gipfel. Lang und beschwerlich war der Aufstieg, gefährlicher wohl noch der Abstieg. Aber wer beide bei der Arbeit gesehen, mußte die Ruhe und die Sicherheit beider bewundern. Zur Erinnerung an die gefahrvolle Fahrt hinterlegten beide Herren ihre Karten und pflanzten als sichtbares Zeichen einen vom Bergwirt Keiler gestifteten Bergstock auf. – Schon am vergangenen Sonntag versuchten zwei Dresdner Herren den Gipfel zu erklimmen, kamen aber nur ungefähr bis zur Hälfte. Den beiden wackeren Kämpen aber sowie allen Freunden des Kraxlersports in unseren heimischen Bergen bringen wir von dieser Stelle ein kräftiges „Bergheil!““

Sächsische Elbzeitung vom 23. September 1905 -
Am 8. April 1906 gelang Oliver Perry-Smith, Rudolf Fehrmann und Arthur Hoyer die zweite Besteigung. Walter Hahn war mit seinem Fotoapparat zugegen und bannte die Besteigung auf Glasplatten. Verschiedene Verlage stellten von diesen Fotos Ansichtskarten her. Teilweise waren diese Karten, wie die vom Kunstverlag Max Köhler aus Dresden, mit: „Die erste Besteigung der Barbarine am Pfaffenstein, am 8. April 1906.“ falsch beschriftet. Es handelte sich richtigerweise um die zweite Besteigung der Barbarine.

Verlag Max Köhler, Dresden, Public domain, via Wikimedia Commons -
Tragisch endete der Wettkampf um die 1000. Besteigung der Barbarine im Sommer 1921. Die Seilschaft Kurt Nitzschmann, Ernst Strobel und Arthur Nittel wollte sich diesen Titel sichern und führte am 8. September 1921 sieben Besteigungen (Nr. 993 bis 999) hintereinander durch. Bei der siebenten Besteigung stürzte Ernst Strobel durch Seilriss tödlich ab, Nitzschmann und Nittel verblieben auf dem Gipfel. Daraufhin machte Albert Haude die 1000. Besteigung ungesichert, brachte ein neues Seil auf den Gipfel und ermöglichte den beiden anderen das Abseilen.
-
Die Stadtgirokasse Königstein (Sächs. Schweiz) gab während der Hyperinflation im Jahr 1923 Schuldscheine bzw. Notgeldscheine aus, wie zum Beispiel dieses Exemplar vom 19. November 1923 mit dem Bild der Barbarine.

-
Am 8. Juli 1924 eröffnete der Klub „Kesseltürmer“ (Alfred Hermann, M. Hoffmann, E. Pokorny, F. Richter und P. Hofmann) eine besonders schwere Route an der Talseite. Sie gelang im fünften Versuch und hat die Schwierigkeit VIIc.

BK1950, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons -
Der damalige Besitzer der auf Privatland befindlichen Barbarine brachte im Sommer 1930 aus Verärgerung über die zunehmende Besteigung der Barbarine die Idee zur Sprengung der Felsnadel ins Gespräch.
Der intensive Besuch von Wanderern und Bergsteigern hatte das Areal um den Fuß der Barbarine so stark beschädigt, dass eine vom Eigentümer gewünschte Aufforstung aufgrund des versandeten und verkarsteten Bodens nicht möglich war.
Nach Intervention durch den Landesverein Sächsischer Heimatschutz und der Bergwacht erfolgte ein Verkauf des Waldgrundstücks auf dem die Barbarine steht an den Arnsdorfer Bergsteiger und Parkettfabrikanten Arno Größler, welcher von der Sprengung absah.
-
Der Bergwirt vom Pfaffenstein, Richard Keiler, behauptete gleichzeitig, dass er bereits 1916 ein Flurstück mit der Barbarine gekauft habe und zweifelte daher an dem Besitz Größlers. Es wurde eine Vermessung veranlasst, um Klarheit zu schaffen. Diese ergab, dass die Barbarine ein „Grenzstein“ ist, der zum Teil auf dem Grundstück der Familie Keiler, welche damals die Pfaffensteinbaude betrieben, lag (Pfaffensteinflurstück Nr. 168). Die Talseite der Barbarine gehört dem Waldbesitzer unterhalb des Pfaffensteins (Flurstück 133 der Gemarkung Pfaffendorf). Damit dürfte die Felsnadel Barbarine der wohl schönste Grenzstein der Sächsischen Schweiz sein.
-
Im Sommer 1944 schlug ein Blitz in den oberen Gipfelkopf. Er riss die dort installierte eiserne Gipfelstange herab, hinterließ mehrere tiefe Risse und spaltete den Gipfelkopf in fünf große Teile. Unter der Leitung des Dachdeckermeisters Rudolf Kaden wurden daraufhin erste Reparaturarbeiten am Gipfelkopf der Barbarine vorgenommen.

Verlag Löffler & Co, Greiz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons -
Um den Absturz von Teilen des Gipfelkopfes, insbesondere durch Frostsprengungen zu verhindern, goss eine Gruppe Bergsteiger 1946 die Vertiefungen auf der Gipfelfläche mit Stahlbeton aus. Die auseinanderbrechenden Felsteile wurden durch Anker zusammengefügt. Das Ziel war es, den bedeutenden Felsen in seiner Form zu erhalten. Der Dresdner Bauunternehmer Fritz Scheffler hatte seine Hilfe kostenlos angeboten und die Aktion ins Rollen gebracht, mit ihm arbeiteten Werner Hermann, Hans Schönherr und Rudolf Lehnert.
-
Zu den bekanntesten Bezwingern der Barbarine zählt der berühmte Radsportler Täve Schur. Er bestieg die Felsnadel im Juni 1956 zusammen mit Bergsteigern der Klettervereinigung „Wintersteiner“.

Bundesarchiv, Bild 183-30479-0002 / Illner / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons, Foto: Illner -
Weil die Erosion weiterging, wurde der Gipfelkopf im Jahr 1964 untermauert und mit zwei Stahlseilen umspannt. Die Seile erhielten eine Bituplastbinde, ein wasserabweisendes Wickelband auf Bitumenbasis. Zudem erhielt die Gipfeloberfläche eine Betonkappe, um das weitere Eindringen von Wasser zu verhindern. Ihre Wirkung ist bis heute umstritten, da das Wasser wohl unter den Beton drang und vermutlich zusätzlichen Schaden anrichtete.
-
Geologische Gutachten ab 1975 stellten fest, dass die Maßnahmen von 1964 nicht dauerhaft halfen. Es wurden erneut tiefe Risse entdeckt und am Rand war die Betonkappe nicht überall fest mit dem Sandstein verbunden, sodass die Verwitterung darunter vorangeschritten war.
Nach rund 70 Jahren Gipfelstürmerei und aufwendigen Sanierungsarbeiten der Barbarine wurde 1975 ein generelles Besteigungsverbot ausgesprochen. Am 21. Juni 1975 standen zwei Karl-Marx-Städter Bergsteiger als Letzte oben.
Bis zur Sperrung des Gipfels war und ist die Barbarine bis heute ein Symbol für das Bergsteigen im Elbsandsteingebirge. Die Barbarine musste bestiegen sein, wollte man sich als heimischer Kletterer ausweisen.

Aussichtspunkt an der Barbarine im Winter, Foto: Vivienne Höhne -
Am 13. Dezember 1978, drei Jahre nach der Sperrung für den Klettersport, wurde die Barbarine zum Naturdenkmal erklärt und unter Schutz gestellt.
-
Exakte Vermessung, nachdem vermehrt unterschiedliche und falsche Angaben zur Höhe gemacht wurden. Manche sprachen von 60 m bis 80 m Höhe. Also wurde die Felsnadel 1979 exakt vermessen. Die Barbarine ist talseitig 42,7 m und schartenseitig 27,7 m hoch. Die schlanke Form lässt sie allerdings größer wirken.

Ergebnisse der Vermessung der Barbarine 1979 (Eigene Darstellung) -
In den Jahren 1979/80 fanden umfangreiche Sicherungsarbeiten am Gipfelkopf statt. Dabei wurden alle Risse und Klüfte am Gipfelkopf mit Sandsteinverfestiger und speziellen Klebstoffen verfüllt, die Oberfläche mit einer Kappe aus Kunstsandstein versehen und mit wasserabweisenden Mitteln behandelt.
Vom 5. Juni bis 2. Juli 1979 arbeiteten bis zu 25 Bergsportler täglich an der Barbarine, organisiert von der Klettertechnischen Abteilung vom Sächsischen Bergsteigerbund (SBB) unter Gerd Schöne. Sie meißelten die Betonkappe ab, gruben den Gipfelkopf etwa 75 Zentimeter tief aus und füllten Risse mit rund 350 Litern Sandsteinverfestiger. Aus 575 kg Sand und 75 kg Epasol, einem Kunstharz, entstand Kunstsandstein, mit dem sie den Kopf neu modellierten. Die Untermauerung entstand aus Klinkerziegeln, und etwa 300 Liter Bautenschutzmittel kamen dazu. Als sie den wahren Zustand sahen, erwogen sie sogar den Abbruch. Nacharbeiten folgten 1980, 1982, 1985 und 1989.
-
Seit 1990 ist die Klettertechnische Abteilung ein Fachorgan des Sächsischen Bergsteigerbundes. Sie steigt zur Kontrolle auf, in den 1990er-Jahren einmal jährlich, und legt nach der Begutachtung nötige Maßnahmen fest. 1992 begann die Rissmessung und 1994 zeigte die Kontrolle einen guten Zustand des Gipfelkopfes. Das MDR-Magazin „Biwak“ berichtete im Fernsehen darüber.
-
2002 führte die Klettertechnische Abteilung weitere Sanierungsarbeiten durch, ein Abschlussbericht folgte 2004. Schon damals hieß es, dass sich eine 5 bis 7 Zentimeter breite Silikonfuge nur schwer dauerhaft funktionstüchtig halten lasse. Das hat sich später bestätigt.
-
2005 fand die Festveranstaltung „100 Jahre Erstbesteigung der Barbarine“ auf dem Pfaffenstein statt.
-
Am 13. Juni 2007 trafen sich die Erbengemeinschaft als bisherige Eigentümer des Waldes mit der Talseite der Barbarine und der Pfaffendorfer Ivo Teichmann zur notariellen Beurkundung des Eigentumswechsels. Am 3. Juni 2008 wurde der Eigentumswechsel für Ivo Teichmann grundbuchmäßig vollzogen, nachdem die Stadt Königstein und die Naturschutzbehörde beim Landratsamt Sächsische Schweiz - Osterzgebirge auf ihr gesetzliches Vorkaufsrecht zugunsten von Ivo Teichmann verzichteten. Heute gehört der Fels ihm gemeinsam mit der Schutzgemeinschaft Sächsische Schweiz, welche auch den Pfaffenstein besitzt.
Es war der ausdrückliche Wille der Erbengemeinschaft dieses besondere Flurstück 133 am Pfaffenstein in verantwortungsvolle Hände zu geben. Dafür stellten sie mehrere Kriterien auf, insbesondere sollte der neue Erwerber ein naturverbundener Einheimischer sein, der sich für den Naturschutz und den Erhalt der Barbarine sowie für den Tourismus und den Heimatwald engagiert. Diese Kriterien erfüllte der Pfaffendorfer Ivo Teichmann als benachbarter Waldeigentümer, zugleich ehrenamtlich tätiger Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung „Forstbetriebsgemeinschaft Sächsische Schweiz“ und Vorsitzender des Tourismusvereins Elbsandsteingebirge e.V. in allen Punkten.

Ivo Teichmann und seine Barbarine, Foto: Marko Förster -
Die Kontrollbesteigungen am 28. Mai 2009, 25. August 2014 und 18. Oktober 2017 wurden jeweils in einem Bericht dokumentiert. Mit diesen Berichten lässt sich der Zustand des Gipfelkopfes über die Jahre vergleichen.

Bericht der Klettertechnischen Abteilung (KTA) des Sächsischen Bergsteigerbundes e.V. zur Kontrollbesteigung vom 7. November 2025 -
2015 hielt Reinhold Messner einen Vortrag auf der Festung Königstein und gab danach Autogramme. Dabei kam er mit Ivo Teichmann (zugleich Vorsitzender des Tourismusvereins Elbsandsteingebirge e. V.) ins Gespräch und erzählte von sich aus von der Barbarine, ohne zu wissen, dass sein Gegenüber ihr Eigentümer ist. Er habe nach eigenen Worten fast jeden Gipfel bestiegen, nur die „Bärbel“ nicht. Zu DDR-Zeiten habe er nicht einreisen dürfen, weil er sonst die Reiselust der Deutschen geweckt hätte, und heute brauchte er zwar kein Einreisevisum mehr, aber nun besteht ja das gesetzlich geregelte Kletterverbot. Als Ivo Teichmann sich als Eigentümer zu erkennen gab, wollte Messner ihm den Fels sinngemäß gleich abkaufen. Ivo Teichmann lehnte ab: „Heimat ist unverkäuflich.“ Messner sagte, er verstehe das und es ist die einzige Antwort, die er akzeptiere. Die Bildzeitung berichtete am 15.09.2021 darüber (s. Quellverzeichnis).

Ivo Teichmann und Reinhold Messner auf der Festung Königstein -
Im März 2020 ernannte die Deutsche Geologische Gesellschaft – Geologische Vereinigung den Pfaffenstein mit der Barbarine zum „Geotop des Monats“.

Panorama Pfaffenstein mit der Felsnadel Barbarine im Raps, Foto: Ivo Teichmann -
Bei der Kontrollbesteigung am 15. September 2023 hatte sich die Abdichtung der Dichtkappe im Bereich der Zentralöse weitgehend gelöst. Die Kletterer reparierten sie noch am selben Tag. Eine kleine Stelle wurde dabei probeweise mit flüssigem Reparatur-Kunststoff abgedichtet, und sie hielt zwei Winter lang. Eine weitere Kontrolle folgte am 27. September 2024.
-
Am 7. November 2025 stieg ein Team der Klettertechnischen Abteilung, der Nationalparkverwaltung und der Bergwacht über den Alten Weg auf, von 10:30 bis 15:30 Uhr bei Sonne und etwa 8 Grad. Sie prüften Dichtkappe und Untermauerung, verputzten die Ostecke, entfernten vier alte Eisenanker und vermaßen die Messmarken. Der Zustand des Gipfelkopfes ist insgesamt positiv, die Messwerte zeigen keine Veränderung. Damit das so bleibt, darf kein Wasser eindringen.

Bericht der Klettertechnischen Abteilung (KTA) des Sächsischen Bergsteigerbundes e.V. zur Kontrollbesteigung vom 7. November 2025 -
Das geologische Naturdenkmal wird heute nur noch ausnahmsweise bestiegen, meist von Geologen und anderen Wissenschaftlern, um den Zustand zu untersuchen. Voraussetzung ist jeweils die Zustimmung der Naturschutzbehörde und Felseigentümer, welche vorher einzuholen sind. Ohne diese Zustimmungen sind es illegale Besteigungen und werden streng geahndet.

Barbarine im Mondlicht, Foto: Ivo Teichmann, KI-bearbeitet
Die Kontrollbesteigungen
In unregelmäßigen Abständen, zuletzt 2023, 2024 und 2025, steigt ein kleines Team der Klettertechnischen Abteilung (KTA) des Sächsischen Bergsteigerbundes gemeinsam mit der Nationalparkverwaltung und Bergwacht auf den Gipfel. Sie klopfen die Dichtkappe ab, messen Risse und beheben kleine Schäden. Zuletzt am 7. November 2025 entfernten sie zum Beispiel vier alte Eisenanker und verputzten die Ostecke der Untermauerung. Die wichtigste Aufgabe: Es darf kein Wasser in den Gipfelkopf eindringen.
Warum nicht jeder hinauf darf? Weil jede Besteigung den Fels belastet. Wer oben ist, arbeitet im Auftrag aller mit dem Ziel, den Felsen in seiner Form zu erhalten. Jeder Einsatz wird in einem detaillierten Bericht dokumentiert.
- seit 1992werden Risse regelmäßig vermessen
- 5 Messmarkenzeigen, ob sich der Fels bewegt
- 4 Ankerwurden 2025 entfernt
So läuft ein Einsatz ab
- Aufstieg über den Alten Weg, Seile aufbauen und das Material hochziehen.
- Sichtkontrolle rund um den Gipfelkopf.
- Dichtkappe abklopfen: Die Dichtkappe ist die Abdichtung oben auf dem Gipfelkopf, ein hohler Klang verrät lose Stellen.
- Untermauerung des Gipfelkopfes prüfen, mit Blick und Klopfprobe.
- Kleine Schäden beheben, zum Beispiel Putz ergänzen oder alte Metallanker entfernen.
- Messmarken vermessen: Eine Messlehre zeigt, ob sich Risse verändern.
Alles wird in einem detaillierten Bericht festgehalten, so lassen sich Veränderungen über die Jahre vergleichen.
Spuren
Sandstein ist weich. Was wir ihm antun, bleibt, bis er verwittert. Darum bitten wir dich um drei Dinge.
Nicht ritzen
Jede Ritzung ist dauerhaft und lässt sich nicht rückgängig machen. Der Fels soll auch in vielen Jahrzehnten noch unversehrt zu sehen sein.
Auf dem Weg bleiben
Schon 1930 war der Boden rund um die Barbarine so zertreten, dass dort kein Wald nachwachsen konnte. Jeder Schritt abseits der Wege vergrößert diesen Schaden.
„Das war schon immer so“
Alte Einritzungen sind heute Zeitzeugnisse. Aber wir kennen die Folgen, und deshalb tragen wir heute die Verantwortung, es anders zu machen.
Warnhinweis: Illegale Besteigungen
Man munkelt, dass es sogenannte „Vollmondbesteigungen“ gibt, also „schwarze Besteigungen“. Warum bei Vollmond? Da dient der Mond als Taschenlampe, sonst bräuchte man eine sehr auffällige Stirnlampe.
Diese Besteigungen der Barbarine sind illegal und eine Straftat. Sie werden mit mindestens 1.000 € Strafe geahndet.
Falkos Ecke
Hallo, ich bin Falko, der Wanderfalke! Ich schaue von oben auf die Barbarine und kenne ihre Geschichte. Teste im Quiz, was du schon über den Felsen weißt. Tippe auf mich!
Übernachten am Fuße der Barbarine
Wer die Barbarine und die vielen schönen Ausflugsziele in der Umgebung näher kennenlernen möchte, findet in Pfaffendorf eine Unterkunft im Gästehaus Teichmann. Es liegt am Fuße des Pfaffensteins, ganz in der Nähe der Barbarine. Der Gastgeber Ivo Teichmann ist Miteigentümer der Barbarine und freut sich über Ihr Interesse.
Gästehaus ansehen und buchen ↗- Pfaffendorf
- In der Nähe der Barbarine
- Gastgeber: Miteigentümer der Barbarine
Quellen
- BILD: Geheimnis um legendären Felsen gelüftet: Bergsteiger-Legende wollte Barbarine kaufen. In: BILD, 2021. BILD-Artikel
- CAMP4: Reisebericht Barbarine – Elbsandsteingebirge. In: Camp4, 2014. Camp4
- DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR GEOLOGIE: Pfaffenstein mit Barbarine. In: Geotope des Monats, 2022. Deutsche Gesellschaft für Geologie
- [2] GRÄSSE, Johann Georg Theodor: Die steinerne Jungfrau auf dem Pfaffenstein. In: Ders.: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen. 2., verb. u. verm. Aufl. G. Schönfeld, 1874, S. 169–170. Wikisource
- [1] GRIMM, Jakob; GRIMM, Wilhelm: Deutsche Sagen. München, 1816, S. 229. Wikisource
- Grundbuchblatt 1 der Gemarkung Pfaffendorf
- Hinweistafel an der Barbarine
- KLETTERTECHNISCHE ABTEILUNG DES SÄCHSISCHEN BERGSTEIGERBUNDES: Bericht zur Kontrollbesteigung der Barbarine vom 7. November 2025.
- LANGE, Martin: „Die Barbarine, verboten und doch geliebt!“. Klettertechnische Abteilung des Sächsischen Bergsteigerbundes.
- RÖLKE, Thomas (Hrsg.): Der Pfaffenstein. In: Monographien zur Sächsisch-Böhmischen Schweiz, Bd. 1. Berg- & Naturverlag Rölke.
- SANDSTEINBILDER: Barbarine – historische Darstellungen bis 1905. Sandsteinbilder
- SÄCHSISCHER BERGSTEIGERBUND: Klettertechnische Abteilung (KTA)
- TEICHMANN, Ivo: Miteigentümer der Barbarine
- THECRAG: Barbarine / Pfaffenstein – Sächsische Schweiz. TheCrag
- [3] ZIEHNERT, Widar: Der Jungfernstein bei Pfaffendorf. In: Ders.: Sachsen’s Volkssagen: Balladen, Romanzen und Legenden. Bd. 3. Annaberg: Rudolph & Dieterici, 1839, S. 127–134. Internet Archive